Fotografin Cindy Sherman 2016 in Tokio
Fotografin Cindy Sherman 2016 in Tokio Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Vamp, Hausfrau oder grotesker Clown: In ihren Fotografien und Selbstbildnissen schlüpft Cindy Sherman in die verschiedensten Rollen. Am Dienstag wird die US-Künstlerin und Fotografin mit dem Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Selfies sind heute in sozialen Medien wie Instagram und Snapchat an der Tagesordnung. Doch US-Künstlerin Cindy Sherman macht schon seit mehr als 40 Jahren so etwas wie Selfies. Und obwohl sie meist selbst Modell, Fotografin, Produzentin und Visagistin in Personalunion ist, werden ihre Werke nie langweilig.

"Gesellschaftsthemen von höchster Relevanz"

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Darum entschied die zehnköpfige Jury des Max-Beckmann-Preises der Stadt Frankfurt, dass die Auszeichnung in diesem Jahr an die 65 Jahre alte Sherman geht.

Ihre "schillernde, gebrochene Bildsprache zählt längst zum kulturellen Gedächtnis des frühen 21. Jahrhunderts", sagte Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) zur Begründung. "Die Jury hat sich für Cindy Sherman entschieden, weil sie in ihrer Arbeit bereits seit 40 Jahren gesellschaftliche Themen verhandelt, die von höchster aktueller Relevanz sind."

Mit dem Beckmann-Preis ehrt die Stadt hervorragende Leistungen in den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Er wird alle drei Jahre vergeben. Sherman erhält die Auszeichnung am Dienstagabend im Frankfurter Römer von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Die Stadt überträgt die Preisverleihung ab 18 Uhr im Video-Livestream - auch auf Facebook.

Hässliche Schönheit

Die 1954 in New Jersey als letztes von fünf Kindern geborene Sherman spielt in ihren Bildern und Fotografien vor allem mit typischen Rollenbildern und Klischees der Frau. Dabei ging es ihr von Anbeginn darum, den meist männlichen Blick auf Frauen zu zeigen und diese kritisch zu hinterfragen.

Fotos von Cindy Sherman 2015 in einer Galerie in Berlin
Fotos von Cindy Sherman 2015 in einer Galerie in Berlin Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Sherman spielt mit Maskerade und Parodie: Sie bedient sich an Schminke, Kostümen, Accessoires, Prothesen, Perücken und Licht. Ihre inzwischen mehr als 500 Bilder sind überlegt inszeniert, sollen provozieren und zum Nachdenken anregen. "Ugly beauty", hässliche Schönheit, so nannte die New York Times zuletzt Sherman, die laut aktuellem Kunstkompass zu den zehn wichtigsten bildenden Künstlern der Welt gehört.

Inzwischen arbeitet Sherman übrigens selbst mit Instagram und verschiedenen Apps. Sie nutzt diese, um ihre Selbstporträts zu verfremden, um beispielsweise Accessoires oder übertriebene Schminke hinzufügen.

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Max-Beckmann-Preis

Der Max-Beckmann-Preis wird alle drei Jahre vergeben. Mit ihm ehrt die Stadt Frankfurt hervorragende Leistungen in den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Er ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung wurde seit 1978 insgesamt 14 Mal vergeben. Nach Maria Lassnig, Barbara Klemm und Agnès Varda ist Cindy Sherman die vierte Preisträgerin.

Max Beckmann arbeitete von 1925 bis 1933 als Künstler und Lehrer an der Frankfurter Städelschule. Er gehört zu den bedeutendsten Malern des 20. Jahrhunderts. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten gezwungen, seinen Lehrstuhl aufzugeben und ging ins Exil nach Amsterdam und New York, wo er 1950 starb. Ihm zu Ehren richtete die Stadt 1976 den nach ihm benannten Preis ein, der an seinem Geburtstag verliehen wird.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 12.02.2019, 19.30 Uhr