Kübel des Anstoßes: Künstlers Walther ist gar nicht glücklich mit der Sicherheitsmaßnahme der Stadt Fulda
Kübel des Anstoßes: Künstler Walther ist gar nicht glücklich mit der Sicherheitsmaßnahme der Stadt Fulda Bild © hr

Ein Kunstwerk des Künstlers Franz Erhard Walther verwandelt sich in Fulda bei winterlichen Temperaturen zur rutschigen Eisbahn. Um Passanten zu schützen, hatte die Stadt jetzt einen Einfall - und entfachte damit den Zorn des Künstlers.

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Blumenkübel auf Bodenplatte des Künstlers Franz Erhard Walther in Fulda

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streit um rutschiges Kunstwerk in Fulda

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Auf dem Gehweg am Stadtschloss mitten im Barockviertel der Stadt Fulda gibt es eine Bodenplatte aus Metall. Sie trägt den Schriftzug "Materialwechsel". Der Fuldaer Künstler Franz Erhard Walther hat das Kunstwerk 1994 für die Stadt entworfen.

Passant erlitt Knochenbruch

Der Künstler, der 2017 bei der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, will damit die Betrachter anregen, mit dem Werk zu agieren. Passanten sollen sich auf die Platte stellen und den Materialwechsel aktiv erleben. Aber genau das kann auf der abschüssigen Fläche im Winter gefährlich werden und mitunter zu einer unfreiwilligen Rutschpartie führen.

Mehrere Fußgänger sind nach Angaben der Stadt auf der glatten, braunen Metallplatte bereits ausgerutscht, eine Person erlitt dabei sogar einen Knochenbruch. Damit nicht noch mehr passiert, stellte die Stadtverwaltung jetzt drei große Blumenkübel mit Buchsbaumpflanzen auf das Kunstwerk.

"So was machen nur Kunstbanausen"

Der Künstler kann die Entscheidung nicht verstehen. "So was machen nur Kunstbanausen", schimpft Walther. Er findet die Blumenkübel auf seinem Kunstwerk grotesk. In Hamburg, wo es ein ähnliches Kunstwerk von ihm gebe, würde auch niemand ausrutschen.

In den Jahren zuvor hatte Fulda andere Möglichkeiten ausprobiert, die Platte rutschfester zu machen. Als die Gehwegplatten vor fünf Jahren erneuert wurden, ließ sie die Metallplatte aufrauen. Aber das hatte offenbar nicht viel geholfen. Deshalb wurden später rot-weiße Warnbaken rund um das Kunstwerk aufgestellt.

Die Blumenkübel seien ein Kompromiss, erklärt ein Sprecher der Stadt. Für den Künstler ist er keiner. Er schlägt vor, die Metallfläche mit Salz abzustreuen. Doch da fürchtet die Stadt um das Material des Kunstwerkes. Das Streusalz könne das Metall beschädigen, heißt es.

In Fulda wird also weiter nach Lösungen gesucht. Zu dem rutschigen Kunstwerk gehören noch vier weitere ähnliche Kunstwerke. Aber diese gefährden offenbar niemanden, da sie sich abseits der Gehwege befinden.