Vögel Frankfurt Skyline

Kreatives Frankfurt: Die Stadt hat nicht nur eine Stadtschreiberin, sondern auch eine Stadtkomponistin - aktuell die Mexikanerin Tania Rubio. Sie arbeitet mit einem ganz speziellen Sound.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Gesänge sind für mich die schönste Musik"

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Es sind vor allem Vögel oder andere Tiere, die Tania Rubio faszinieren. Deren Stimmen und Geräusche sind für die 31 Jahre alte Musikerin wahre Kunst: "Die Chöre am Morgen, das ist für mich pure Poesie, das brauche ich wie den Kaffee am Morgen", erklärt sie. "Diese Gesänge sind für mich die schönste Musik überhaupt - egal, ob sie von Vögeln, Insekten oder Fröschen ist."

Rubio ist Frankfurts neue Stadtkomponistin ("Composer in Residence"). Bis zum 22. Oktober lebt und arbeitet sie dafür in der Stadt. Eine ihrer Aufgaben ist es, für Frankfurt ein kammermusikalisches Werk zu komponieren. Und dafür sind die Tiergesänge enorm wichtig. Die Mexikanerin nimmt diese und auch andere Geräusche an verschiedenen Orten auf, bearbeitet und verfremdet sie, spielt damit und integriert die Sounds dann in ihre Musik.

"Geräusche sind Leben"

Für Frankfurt plant sie, Töne und Geräusche einer europäischen Großstadt aufzunehmen: "Es geht darum, sich all der anderen Lebewesen bewusst zu werden", sagt sie. "Deren Geräusche sind Leben, auch Kommunikation. Geräusche sind das Mittel, mit dem wir zueinander Beziehung aufnehmen."

Noch hat die junge Frau nicht mit ihrer Arbeit begonnen, denn bevor sie mit verschiedenen Aufnahmegeräten und Mikros bepackt durch Frankfurt läuft, muss sie erst recherchieren: "Wenn ich dabei merke, ich muss genau diesen Vogel oder dieses Tier aufnehmen, dann muss ich erst rausfinden, wann und wo ich den Sound am besten kriege", erklärt sie. "Dann packe ich meine Ausrüstung und gehe da hin."

"Komponistinnen den Weg ebnen"

Tania Rubio

Drei Monate hat sie dafür Zeit, denn solange läuft ihr Stipendium, das jedes Jahr vom Archiv Frau und Musik und der Hochschule für Kunst und Musik (HfMDK) vergeben wird. Archiv-Sprecherin Elisabeth Brendel erklärt das Konzept: "Wir sehen für uns als Archiv in diesem Stipendium die Chance, Komponistinnen einen Weg zu ebnen und sie bekannter zu machen."

Vielen Komponistinnen sei gar nicht bewusst, dass es inzwischen viele andere Frauen in dem Bereich gebe, berichtet Brendel. Und: "Natürlich kommt es auch uns zugute, weil wir natürlich auch Material von Komponistinnen bei uns im Archiv sammeln wollen."

"Verständigung über Grenzen"

Während des Stipendiums hat Rubio auch eine weitere wichtige Aufgabe: musikalische Bildung an der Offenbacher Mathildenschule: "Wir werden in eine Schule gehen, in der es viele Kinder gibt, deren Familien aus anderen Ländern kommen", sagt Rubio. Es gehe um Kultur-Austausch: "Wir spielen mit den Lauten der jeweiligen Muttersprachen, mit Geräuschen und mit Instrumenten aus ihrem Kulturkreis und lernen so, wie Verständigung über die Grenzen hinweg funktioniert."

Auch diese Erfahrung wird die Musik der Komponistin prägen. Alle Eindrücke, die die junge Frau während ihres dreimonatigen Stipendiums gesammelt hat, fließen dann in ihr großes Abschlusskonzert am 17. Oktober in der HfMDK mit ein.

Weitere Informationen

Composer in Residence

Das Composer-in-Residence-Stipendium gibt es seit 2009. Es wird alle zwei bis vier Jahre vergeben. Die Stipendiatin bekommt unter anderem eine Wohnung gestellt und einen monatlichen Betrag zum Leben und Arbeiten. Ausgewählt wird die Stipendiatin von einer Fachjury.

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Sendung: hr2-kultur, 05.08.2019, 16.10 Uhr