Eine Szene der Stücks "Der Club der toten Dichter". Im Vordergrund Schüler, die in Reih und Glied, ordentlich und voller Angst neben ihren Tischen stehen. Im Hintergrund ein Lehrer mit einem Stock.

Zum Auftakt dieser Saison präsentiert das Freiluft-Theaterfestival in Bad Hersfeld eine europäische Erstaufführung des Hollywood-Films "Der Club der toten Dichter". Momo, Goethe und eine Extrawurst stehen auch auf dem Spielplan.

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Audioseite 70. Bad Hersfelder Festspiele beginnen am Donnerstag

Bad Hersfelder Festspiele
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Im Vorjahr blieben die Scheinwerfer bei den Bad Hersfelder Festspielen weitgehend dunkel. Wegen der Corona-Pandemie bot das Freilicht-Theaterfestival lediglich ein reduziertes Ersatzprogramm an. In diesem Sommer nun wird die Bühne in der Stiftsruine wieder richtig zum Leben erwachen. Die Festspiele (1. Juli bis 8. August) können endlich ihr eigentlich fürs Vorjahr geplante Jubiläum nachholen: 70 Jahre Bad Hersfelder Festspiele. Und soll es ablaufen:

Die Eröffnung: Wegen Covid-19 ist der Glamour-Faktor diesmal geringer. Das traditionelle Schaulaufen auf dem Roten Teppich entfällt auch in diesem Jahr. Auch eine große, mitternächtliche Premieren-Party wird's nicht geben. Zur Eröffnung wird aber immerhin Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an diesem Donnerstagabend zu den Gästen sprechen.

Das Corona-Schutzkonzept: Die Theater-Macher haben ein Konzept mit Abstands- und Hygieneregeln erarbeitet. Statt rund 1.300 Zuschauer wie sonst sind 600 pro Vorstellung zugelassen. Die Sitzplätze sind schachbrettartig angeordnet. Das gastronomische Angebot ist eingeschränkt. So sollen größere Gruppen-Bildungen auf dem Gelände vermieden werden.

Vor dem Einlass müssen die Zuschauer nachweisen, dass sie vollständig geimpft, genesen sind oder einen tagesaktuellen, negativen Corona-Schnelltest vorlegen. Gäste, für die alle drei Varianten nicht infrage kommen, können ihre Tickets bis drei Tage vor der jeweiligen Vorstellung zurückgeben.

Die Auftakt-Premiere: Eine Bühnenversion des oscarprämierten Hollywoodfilms "Der Club der toten Dichter" (1989) wird zum Start geboten. Die Inszenierung ist Chefsache: Intendant Joern Hinkel führt bei der europäischen Erstaufführung Regie. Das Theaterstück wurde bislang nur in den USA aufgeführt. Für Bad Hersfeld wurde eine eigene Fassung erarbeitet.

Der bekannte Theater- und Fernsehschauspieler Götz Schubert übernimmt die Hauptrolle des Lehrers John Keating. Er versucht die Schüler einer Elite-Akademie im konservativen Neuengland der 1960er Jahre mit seinen unkonventionellen Methoden zu inspirieren. Er fordert sie zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auf.

Im Kult-Film (Regie: Peter Weir) wird Pauker Keating von US-Schauspiel-Legende Robin Williams (1951-2014) verkörpert. Intendant Hinkel ist ein großer Fan des Stoffs: "Der Film hatte vor dreißig Jahren eine ungeheure Wirkung auf die Menschen und beeinflusste Generationen von Lehrern und Schülern."

eine Szene aus dem Theaterstück "Der Club der toten Dichter" bei den Bad Hersfelder Festspielen

Der Spielplan: So ungewöhnlich die Zeit der Corona-Pandemie gerade ist, so ungewöhnlich ist auch der Spielplan. Gleich zu Beginn reiht sich Premiere an Premiere. Von Donnerstag bis Sonntag werden die vier Auftaktstücke hintereinander gezeigt - jeden Abend ein kultureller Höhepunkt.

Nach dem Auftakt folgt am Freitag (20 Uhr) "Momo" - nach dem Roman von Michael Ende - als Familienstück. Am Samstag (21 Uhr) schließt sich die Uraufführung des Musicals "Goethe!" an. Hinkel erklärte zur Programm-Auswahl: "Das Leitmotiv für alle drei Stücke könnte 'Ich habe einen Traum!' lauten." Die Helden der drei Stücke verbinde, dass sie sich nicht mit althergebrachten Strukturen abfinden würden, sondern bereit seien, für eine bessere Welt zu kämpfen.

Im Premieren-Reigen wir es dann am Sonntag (20.30 Uhr) sehr ungewöhnlich. Statt in der Nebenspielstätte von Schloss Eichhof wird die Komödie "Extrawurst" auf einem Tennisplatz präsentiert.

Die Niveau-Flughöhe: Intendant Hinkel (50) verspricht Theater, das man ohne Vorwissen genießen könne. Er wolle die Zuschauer intellektuell nicht überfordern. "Ich will auch nicht ein Regiekonzepttheater sehen, wo ich erst einmal Literaturgeschichte studiert haben muss, um das zu begreifen." Gezeigt werden soll etwas, "was ich verstehe, was mich berührt, was mich emotional anfasst, worüber ich lachen oder weinen kann und mit dem ich einen schönen, manchmal vielleicht auch nachdenklichen Abend erleben kann", sagte er dem Deutschlandfunk Kultur.

Der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Joern Hinkel

Die Stars: Im Vergleich zur Intendanz von Vorgänger und Regisseur Dieter Wedel (2015-2017) sind weniger Stars dabei, die einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Trotz geringerem Promi-Faktor sind aber Schauspielerinnen und Schauspieler mit großer Klasse vertreten. Im "Club der toten Dichter" auch dabei: Hannes Hellmann ("Einsatz in Hamburg", ZDF), der den Schuldirektor Paul Nolan spielt, und Thorsten Nindel ("Lindenstraße", ARD).

"Momo" wird von Janina Stopper (32) gespielt. Sie hat schon mehrere Male in Bad Hersfeld ihr Können bewiesen, ist TV-erprobt und erhielt bereits den Bayerischen Fernsehpreis. Im Musical wird Goethe von dem bereits mit Preisen ausgezeichneten Philipp Büttner dargestellt. Er sei einer der gefragtesten Darsteller auf deutschsprachigen Musical-Bühnen, teilte die Festspiele mit.

Das Rahmenprogramm: Am 26. Juli wird unter anderem "Jedermann Reloaded" mit Philipp Hochmair ("Der Wien-Krimi: Blind ermittelt", ARD) in der Stiftruine zu sehen sein. Der "Jedermann" fasziniere den Schauspieler und lasse ihn nicht mehr los, priesen die Festspiele an. Begleitet von seiner Band "Die Elektrohand Gottes" spielt Hochmair alle Rollen im Stück. Es ist als "apokalyptisches Sprech-Konzert, getrieben von Gitarrenriffs und experimentellen Sounds der Band" angelegt.

Bei der Abschluss-Gala (8. August ) treten Schauspieler, Sänger und Tänzer des Festspiel-Ensembles auf. Sie präsentieren ihre Lieblingssongs aus Musicals und Filmen - vom Chanson über Jazz bis hin zu Rock und Pop. An dem Abend wird auch der beliebte Zuschauerpreis verliehen. Beendet wird das Spektakel mit einem Feuerwerk.

Der Vorverkauf: Tickets sind wegen des geringeren Zuschauer-Kontingents nicht mehr allzu üppig vorhanden. Bei den drei Stücken für die Stiftsruine sind nur noch Restkarten zu bekommen. Besser sieht es für die Komödie "Extrawurst" aus.

Die Magie des Spielorts: Allein der Spielort und die dortige Theater-Atmosphäre sind immer ein Besuch wert. Die Stiftsruine ist die größte romanische Kirchenruine der Welt. Die Bühne ist 1.400 Quadratmeter groß und wird in den vorderen Teil des Sakralbaus eingepasst. Wer dort als Schauspieler bestehen will, muss Strahlkraft mitbringen.

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