Für Musikclubs ist noch kein Ende der Corona-Krise in Sicht. Mit "United We Stream" kommen DJ-Sets und Konzerte ins heimische Wohnzimmer. Wie dabei Partystimmung aufkommt und ob diese Notlösung die Clubs retten kann, erklärt Organisator Klaus Bossert im Interview.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wenn die Clubs nach Hause kommen

Skyline von Frankfurt vom Main aus fotografiert - im Himmel schwebt das Logo von "United We Stream"
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Trotz vieler Lockerungen in der Corona-Krise, in den Musikclubs sind die Lichter noch immer aus. Wann es wieder Konzerte oder Clubnächte gibt, ist völlig offen. In Berlin haben sich Musikclubs zusammengetan und eine Streaming-Plattform ins Leben gerufen. Mit "United We Stream" werden DJ-Sets und Live-Konzerte ins Netz gestellt. Das Format hat mittlerweile viele internationale Ableger und startet nun auch mit hessischen Clubs.

hessenschau.de: Was genau ist "United We Stream"?

Klaus Bossert: Es ist eine offene Plattform, mit der Clubbetreiber aus einer Region sich zusammentun, um in der Corona-Krise noch Programm machen zu können. Mit Streams aus den jeweiligen Clubs werden Künstler, DJs und Live-Musik präsentiert. Und dabei werden auch Spenden eingesammelt für einen Notfall-Fonds, um der Branche zu helfen.

hessenschau.de: Es gibt aktuell ja viele Streams im Netz. Was ist das Besondere an dem Format?

Bossert: Das Besondere ist die Community. Dass sich alle in einer Region zusammentun. Und nicht jeder sein eigenes Ding macht. Man erreicht zusammen einfach mehr. Und das hat sich tatsächlich durchgesetzt. Toll ist auch, dass man den Stream im Großformat und in hochwertiger Qualität über TV oder Beamer anschauen und hören kann. Sozusagen als Party im Wohnzimmer.

hessenschau.de: Alleine im Wohnzimmer Party machen ist aber ja nicht dasselbe, wie im Club tanzen zu gehen. Wie kann der Stream trotzdem Spaß machen?

Klaus Bossert

Bossert: Gute Musik macht immer Spaß! Und man kann ja im Rahmen seiner Hausgemeinschaft oder der Kontaktbeschränkungen auch mit mehreren so einen Stream anhören. Der Vorteil ist, dass man den Stream auf der ganzen Welt anhören kann und unsere DJs haben überall Fans. Und dadurch, dass wir Teil einer globalen Community sind, werden Streams von uns auch dann und wann von arte concert gesendet. Das ist natürlich eine ganz große Chance, sich so auch europaweit präsentieren zu können.

hessenschau.de: Wer macht bei "United We Stream" Frankfurt Rhein/Main alles mit?

Bossert: Wir haben eine ganze Bandbreite an Clubs dabei. Das sind klassische DJ-Clubs für elektronische Musik, wie das Tanzhaus West & Dora Brilliant. Aber auch Das Bett, das ja eher für Live-Musik und Bands bekannt ist. Oder auch das Gibson. Insgesamt machen aktuell elf Clubs aus der Region mit. Wir sind aber offen für alle und hoffen, dass wir noch mehr Spielstätten davon überzeugen können, bei uns mitzumachen.

hessenschau.de: Können Sie schon Tipps für das lange Wochenende geben?

Bossert: Klar: Los geht es am Mittwoch mit einem klassischen DJ-Programm aus dem Tanzhaus West mit Tim Eder, Chris Wood und Markus Fix. Am Feiertag folgt das Gibson mit DJ Juizzed und am Wochenende gehen wir dann in die Region. Am Samstag im 806 qm nach Darmstadt wo es auch ein klassisches DJ-Programm gibt. Und am Freitag eine Aufnahme von der Roof Top Bar in Mainz. Den Stream wird es immer dienstags bis samstags von 19 bis 23 Uhr geben. Mit wechselndem Programm.

hessenschau.de: Planen Sie das Angebot auch über Frankfurt Rhein/Main auszuweiten?

Bossert: Wir wünschen uns, irgendwann ganz Hessen abzudecken. Es gibt ja auch in Marburg und in Kassel gute Clubs, die wir gerne dabei hätten. Und wir sind natürlich auch offen für andere Sparten, können uns da viel vorstellen. Von freien Theatern, aber auch Diskussionsrunden, Literatur. Der Jazz ist natürlich auch willkommen bei uns.

hessenschau.de: Was muss ich tun, um dabei zu sein?

Bossert: Die Plattform steht allen Clubs zur Verfügung und wir freuen uns über jeden, der mitmachen will. Dazu muss man sich nur bei uns melden und dann können wir das arrangieren.

Weitere Informationen

Clubs am Main e.V.

Clubs am Main ist das Netzwerk für Veranstaltungs- und Clubkultur in Frankfurt/Rhein-Main. Seit 2012 tritt der Verein als Interessenvertretung der regionalen Clubbetreiber, Veranstalter, DJs und Künstler auf.

Ende der weiteren Informationen

hessenschau.de: Die Musikclubs sind von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Kann "United We Stream" das etwas abmildern?

Bossert: Ja, der Stream ist zwar kostenlos. Aber das Ganze ist natürlich auch als Spendenaufruf gedacht. Die staatlichen Sofortprogramme sind gut aber wir wollen auch selbst aktiv werden, um nicht nur am Tropf des Staates zu hängen. Wir freuen uns, dass wir jetzt überhaupt wieder unsere Locations und auch die Künstler präsentieren können. Und über die Spenden hoffen wir, einen Pool für die Clubkultur möglichst gut zu füllen. Damit wir Härtefällen unbürokratisch und schnell helfen können. Und wir wollen allen Musikstätten helfen, die etwas Unterstützung brauchen, um durchzuhalten, zu überleben, bis sie wieder aufmachen dürfen. Es ist ja so, dass niemand weiß, wann es wieder möglich sein wird, ein normales Konzert oder einen Club zu besuchen.

Das Interview führte Hanna Immich.

Sendung: hr3, 20.05.2020, 7.00 Uhr