Collage aus Fotografien von Akinbode Akinbiyi und einer Porträtaufname des Fotografen

Streetfotograf Akinbode Akinbiyi hat den besonderen Blick für das Alltägliche. Bei einem Spaziergang durch Frankfurt entdeckt er Dinge, an denen man normalerweise achtlos vorbeigeht. Seine preisgekrönten Bilder sind Teil der Fotografie-Triennale Ray.

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Der nigerianisch-britische Fotograf und Kurator Akinbode Akinbiyi ist bekannt für seine Alltagsbilder aus Großstädten, deren Symbolik sich oft erst auf den zweiten Blick erschließt. Langsam und mit Bedacht bewegt sich der Berliner so auch durch Frankfurt, seine alte Rolleiflex immer aufnahmebereit.

Akinbiyi atmet die Stadt

"Es ist eine Art, meine Umgebung wahrzunehmen. Und indem ich eigentlich ziemlich langsam gehe - so wandere, kann ich so viel wie möglich aufnehmen", beschreibt Akinbiyi seine besondere Arbeitsweise. Geräusche, Stimmen, Bilder, es ist ein ganzheitliches Erfassen von Situationen. "Ich atme die Luft und ich versuche soweit es geht, mich da rein zu betten, zu begeben, da zu sein."

So erkundet er zu Fuß die großen Städte der Welt. Mit seinem ganz eigenen Blick auf Situationen, schaut er hinter die Fassaden und hält dabei Hinweise auf die Gesellschaft, ihre Vergangenheit, ihre Ideologie und Konflikte fest. Seine Bilder sind Momentaufnahmen, immer in schwarz-weiß, immer analog fotografiert. Dass Akinbiyi nun in Frankfurt unterwegs ist, hat seinen Grund.

Frankfurt und Rhein-Main im Zeichen der Fotografie

Seine Aufnahmen sind Teil einer Ausstellung im Fotografie Forum Frankfurt (3. Juni bis 12. September). Die Schau wiederum ist eine von zahlreichen möglichen Anlaufpunkten der Fotografie-Triennale Ray. Die blickt in diesem Jahr auf das große Thema "Ideologien". Was verbirgt sich hinter Ideologien, denen der Vergangenheit und denen der Gegenwart? Inwieweit unterstützen sie Macht, Manipulation, Ausgrenzung und Ausbeutung?

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Fotografie-Triennale RAY 2021

Die vierte Ausgabe von RAY steht unter dem Motto "Ideologien" und findet vom 3. Juni bis 12. September 2021 an zahlreichen Orten in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet statt.

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Akinbiyis Fotografien schärfen für solche Fragen den Blick - gerade weil sie ihre Botschaft nicht plakativ und laut übermitteln. Er findet Motive, die sich nicht sofort aufdrängen. Der 75-Jährige will uns seinen Blick zeigen, ohne dabei zu werten.

Die Botschaft hinter dem Bild

Seine Bilderstrecke aus Lagos in Nigeria beispielsweise bricht mit dem Klischee vom armen Kontinent Afrika. Hochaktuell seine schon einige Jahre alten Fotos aus Berlin unter dem Titel "African Quarter" - die Verweise auf die Kolonialgeschichte sind dezent und doch bringt Akinbiyi den Betrachter dazu, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

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Und was gibt es in Frankfurt zu entdecken? Die rekonstruierte Altstadt findet Akinbiyi zwar kitschig. Aber dahinter verbirgt sich für ihn auch die wechselvolle Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau. Die Gegenwart als Ergebnis permanenten Wandels. Die Stadt kennt der Fotograf schon sehr lange. Als er in den 70er-Jahren in Heidelberg studiert, kommt er immer mal wieder vorbei.

Motive mit Hintergrundgeschichte

Ein spannendes Fotomotiv findet Akinbiyi allerdings entfernt von touristischen Zielen - auf seiner Tour diesmal im Stadtteil Bornheim. Seine Blicke bleiben hängen an gesprayten Botschaften und Tags. "Ich versuche dann solche Zeichen, Schriften, Architektur, Menschen zu lesen. Richtig zu lesen, so dass ich sie verstehen kann."

Und so gibt ihm ein gespraytes F 64.0 zu denken. "Ich weiß nicht, was das bedeutet. Und dann guck ich mal, was das ist." Und so greift er zum Handy und recherchiert, dass sich hinter F 64.0 der medizinische Diagnoseschlüssel für Transsexualität verbirgt. Die gesprühte Botschaft? Ein Protest dagegen, dass man Transsexualität als Krankheit wertet. Für den wandernden Beobachter Akinbode Akinbiyi ein Moment der Erkenntnis, der in einem Foto festgehalten, eine ganze Geschichte erzählt.

Weitere Eindrücke von der Fotografie-Triennale Ray erhalten Sie in unserem Podcast.

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