Gezeigt werden zwei Bilder aus der Ausstellung "Fantastische Frauen": Dorothea Tanning, "Spannung" und Claude Cahun "Selbstporträt"

Die schiere Masse überwältigt: Die Schirn Frankfurt zeigt eine große Ausstellung zum Thema Frauen im Surrealismus. Neben bekannten Namen locken vor allem die vielen Neuentdeckungen unbekannter, fantastischer Künstlerinnen. Wir haben uns umgesehen.

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hs12022020
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Die Schirn fährt mit den "Fantastischen Frauen" richtig auf: 34 Surrealistinnen werden mit rund 260 Werken präsentiert, darunter 80 Leihgaben aus verschiedenen Ländern. Es gibt Gemälde, Fotografien, Videoarbeiten, Skulpturen, Collagen und, und, und. Schirn-Direktor Philipp Demandt spricht in Superlativen: Die "aufwändigste, ungewöhnlichste, spannendste, größte" Ausstellung seit langem. Sie ist aber mit Sicherheit die umfangreichste Ausstellung bekannter und unbekannter Surrealistinnen, die es weltweit je gab.

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"Fantastische Frauen"
Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo
13. Februar bis 24. Mai
Schirn Frankfurt

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Um alle Werke präsentieren zu können, haben die Museumsmacher die ganze Galerie in der Schirn leer geräumt. Es ist damit zu rechnen, dass die Besucher der Schirn ab Donnerstag die Tür einrennen werden - über diese Ausstellung wird gesprochen werden, auch international. Eine Verlängerung wird es nicht geben, sie wandert nach ihrem Ende in Frankfurt am 24. Mai direkt nach Kopenhagen ins Louisiana Museum of Modern Art.

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Ingrid Pfeiffer, Kuratorin Schirn
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Sie entdecken gerne Neues?

Surrealismus ist populär. Das sind Dali und Magritte und Kahlo - quasi Klassiker der Moderne. Oft gesehen, alles schon erforscht und lange bekannt. Aber Stop! Die Ausstellung enthält viele Entdeckungen, viele Künstlerinnen, von denen man noch nie gehört hat, die aber genauso spannend sind wie Frida Kahlo oder Meret Oppenheim – oder spannender. Viele der Werke wurden noch nie gezeigt. Was für ein Frevel: Die Masse, die Qualität und der Einblick in das Schaffen der Surrealistinnen sind umwerfend. Tatsächlich werden nicht nur einzelne Werke, sondern ganze Werkgruppen einzelner Künstlerinnen geboten. So viel Neues und Spannendes gibt es selten zu entdecken.

Sie sind Feminist*in oder wollen es werden?

Frauen sind in der Kunst oft nur Beiwerk ihrer männlichen Kollegen und dürfen als Model oder Muse ein bisschen mitmachen. Im Surrealismus war das anders. Als die meisten noch ziemlich jungen Künstlerinnen Anfang der 1930er-Jahre nach Paris zu der Gruppe der Surrealisten um André Breton stießen, öffnete die Gruppe die Arme für sie. Sie durften an allem teilhaben, ausstellen, mitmachen. Ihre Sicht auf den weiblichen Körper und das Verhältnis von Frau und Mann wirkt heutzutage hypermodern. Sie waren professionell und erfolgreich, "nix Muse, gar nix", wie die Kuratorin Ingrid Pfeiffer sagt, auch wenn etwa Meret Oppenheim tatsächlich zunächst als Model von Man Ray begann.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schirn Frankfurt zeigt "Fantastische Frauen"

Meret Oppenheim "Abendkleid mit Büstenhalter-Collier"
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie dann aus der Kunstgeschichte eliminiert und nahezu vergessen. Selbst die berühmte Frida Kahlo kannte in Europa niemand mehr, als sie 1954 gestorben ist. Erst in den 1980er-Jahren wurde sie "entdeckt". "Die Rezeption lief falsch, nicht die Realität", sagt Pfeiffer und rückt das Bild in der Kunstgeschichte mit ihren "Fantastischen Frauen" gerade. Und so können Sie in der Schirn auch andere vergessene Frauen des Surrealismus entdecken und sich freuen. Es gibt sie und es gab sie schon immer.

Sie sind weltoffen und tolerant?

Multikulturell und international - Surrealismus zu seiner Zeit ab 1930 in Paris war von Anfang an offen für außereuropäische Kunst. Aztekische, indogene oder afrikanische Werke wurden gleichberechtigt ausgestellt und bewundert, was sehr fortschrittlich war. In der Schirn gibt es Werke aus elf Ländern, Künstlerinnen wie Frida Kahlo aus Mexiko lenken den Blick über den Tellerrand.

Marie Čermínová aus Prag etwa verweigerte sich bereits mit 21 Jahren der Abgrenzung zwischen Künstlerin und Künstler und arbeitete ab 1923 unter dem geschlechtsneutralen Pseudonym Toyen - abgeleitet von dem französischen Wort citoyen (Bürger). Sie nahm damit die aktuelle Gender-Debatte vorweg und fordert auch aktuell zum Nachdenken über Geschlechteridentitäten auf.

Sie lesen gerne? Aber nur wenn Bilder dabei sind?

Ein Online-Digitorial liefert Hintergründe, der Katalog zur Ausstellung ist umfassend, vollgepackt mit Bildern und Texten und möchte nach Auskunft des Schirn-Direktors ein "Standardwerk zum Thema Frauen und Surrealismus" werden. Spätestens, wenn Sie den durchgeackert haben, können Sie auf hohem Niveau mitreden. Und wenn Sie in der Schirn sind, um den Katalog zu kaufen – sehen Sie Sich doch auch gleich die Ausstellung an.