Anna Janneke (Margarita Broich) und Elsa Bronski (Hannelore Elsner, links)

In ihrem neuen Fall müssen sich die Frankfurter Tatort-Kommissare Janneke und Brix mit Grundsatzfragen auseinandersetzen: Was können sie mit ihrer Polizeiarbeit eigentlich bewirken? "Die Guten und die Bösen" ist ein philosophischer Krimi mit der großartigen Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen.

Die Story

Kenner der vom Hessischen Rundfunk produzierten Krimis ahnen es: "Die Guten und die Bösen" ist kein klassischer "Whodunit"-Tatort, in dem die Kommissare ein Verbrechen über anderthalb Stunden allmählich aufklären. Hier steht der Täter schon nach kurzer Zeit fest, denn er stellt sich selbst.

Polizeihauptmeister Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer) führt die Kollegen Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) zu einer abgelegenen Hütte. Hier hat er einen Mann gefoltert, ihm eine Tüte über den Kopf gezogen und getötet. Matzerath war überzeugt, den Mann gefunden zu haben, der vor sieben Jahren seine Frau entführt, sie über Tage immer wieder vergewaltigt hatte - und letztendlich entkommen war.

Janneke und Brix sind schockiert, versuchen aber, Matzerath so gut es geht zu helfen. Ob es nicht eine Tat im Affekt war? Nein, sagt Matzerath und will hart bestraft werden. Damals, als der Vergewaltiger nicht gefunden wurde, habe das System versagt. Jetzt, bei ihm, soll es wieder funktionieren: "Es ist alles, woran ich glaube."

Die Kulisse

Tatort Set-Termin "Die Guten und die Bösen"

"Die Guten und die Bösen" entstand fast ausschließlich im alten Neckermann-Gebäude in Frankfurt-Fechenheim. Im Film wird das Polizeipräsidium von Grund auf renoviert, die Beamten müssen vor einer skurrilen, fast kafkaesken Kulisse arbeiten: Ihre Schreibtische stehen auf dem Gang, Kabel hängen aus der Decke, Bauarbeiter streifen an ihren Tischen entlang, es lärmt. In welchem Karton findet sich welche Akte? Keiner blickt mehr durch.

Zu allem Überfluss werden Janneke und Brix einem Coaching unterzogen - die Kommissare sind doppelt genervt und machen sich in einem Besäufnis über den Beratersprech lustig.

Die Stimmung

Nicht nur im Präsidium ist die Welt aus den Fugen geraten, auch das Wertesystem der Kommissare steht Kopf. Endzeitstimmung macht sich breit, die Polizisten stellen sich Grundsatzfragen: Was tun wir hier überhaupt? Kollege Matzerath ist doch ein Guter. Oder? Und auch ein Guter darf keine Selbstjustiz üben. Oder? Gibt es etwas Höheres als das irdische Rechtssystem? Überhaupt: Wie steht es um dieses Rechtssystem?

Die heimliche Hauptfigur

Szene aus dem Tatort "Die Guten und die Bösen" (Regie: Petra K. Wagner). Im Bild: Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich).

Zunächst streunt nur ihr Hund als Vorbote durch die Gänge, dann taucht sie persönlich aus den Katakomben des Präsidiums auf: die eigentlich pensionierte Kommissarin Elsa Bronski, gespielt von Hannelore Elsner. Sie war es, die den Vergewaltiger damals nicht finden konnte. Nun sitzt sie im Keller inmitten alter Akten und kann den Fall auch nicht loslassen.

Doch Bronski ist weder verbittert noch verbissen. Es sind keine Zweifel am System, die sie antreiben: "Das System mag nicht perfekt sein, aber es ist das Beste, was wir haben", ist sie überzeugt. Genau diese Überzeugung spielt die zart, fast schon durchscheinend wirkende Hannelore Elsner mit wunderbarer Ruhe und Klarheit.

Weitere Informationen

"Lang lebe die Königin"

Elsners letzter Film "Lang lebe die Königin" ist am 29. April 2020 im Ersten zu sehen. Die Schauspielerin war eine der bekanntesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands und wirkte in über 220 Film- und Fernsehproduktionen mit. Sie starb am 21. April 2019.

Ende der weiteren Informationen

Der Dialog

"Wir verhindern doch keine Kriminalität", sagt Janneke, angetrunken und leicht resigniert. Brix' pragmatische Antwort: "Dann würden wir uns ja arbeitslos machen."

Fazit

Mit seiner ruhigen, teils skurrilen, teils nachdenklichen Endzeitstimmung ist "Die Guten und die Bösen" vielleicht DER Tatort der Corona-Krise. Gleichzeitig ist der hr-Tatort - zwei Tage vor ihrem ersten Todestag - eine Erinnerung an die große deutsche Schauspielerin Hannelore Elsner.

Einschalten!

Sendung: Das Erste, 19.04.2020, 20.15 Uhr