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Audioseite Ein Rundgang über die Discovery Art Fair in Frankfurt

Bildkombination aus einem Blick in die Messehalle mit ihren Ständen von oben und einem weiblichen Portrait, das aus vielerlei "Schnipseln" collagiert wurde.

Die Kunstmesse Discovery Art Fair startet am Freitag in Frankfurt. Es gibt junge, zeitgenössische Kunst zu sehen und zu kaufen. Aber lohnt sich das überhaupt? Wenn ja, wie erkenne ich gute Kunst? Worauf sollte ich beim Kauf achten? Antworten auf neun Fragen.

Mehr als 130 ausgewählte Aussteller auf 9.000 Quadratmetern: Zum vierten Mal findet bis 7. November die Kunstmesse Discovery Art Fair in Frankfurt statt. Sie bietet eine kuratierte Auswahl junger und etablierter Galerien und aufstrebender Künstler. Die Messe verzeichnet einen Ausstellerrekord - es gibt also viel Kunst zu sehen und zu kaufen.

Was sind die Vor- und Nachteile einer Kunstmesse?

Für den Frankfurter Kunsthistoriker und Kunst-Comedian Jakob Schwerdtfeger bietet die Discovery Art Fair zunächst einfach einen schönen Rundgang. "Statt in 60 verschiedene Galerien reinzugehen, kann ich bequem durch die Gänge schlendern." Positiv ist außerdem, dass Interessierte sich schnell einen Überblick über verschiedene Künstler und Galerien verschaffen können. Negativ ist, dass einem nichts erklärt wird - anders als in einem Museum hängen an den Kunstwerken selten Texttafeln.

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Discovery Art Fair in Frankfurt

Messe Frankfurt / Halle 12
Donnerstag: Fachpublikum
Freitag bis Samstag 11 Uhr bis 20 Uhr
Sonntag 11 Uhr bis 18 Uhr
Tickets für die Discovery Art Fair 2021 sind ausschließlich online erhältlich.

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Gérard Margaritis, Galerist und Kurator bei 30works

Wie erkennen Fachleute gute Kunst?

Gérard Margaritis, Galerist und Aussteller bei der Discovery Art Fair, ist sich sicher, dass Kunst nicht nur im Auge des Betrachters liegt, sondern sich durchaus nach qualitativen Maßstäben bewerten lässt: Es sei das sehr gute Handwerk, das Fachmänner oder -frauen sehen können. Wenn er eine besondere Kreativität gepaart mit einem guten Handwerk sehe, dann greife er zu. Nach dieser Maßgabe wählt er seine Künstlerinnen für die Galerie aus.

Und wenn ich keine Fachfrau oder kein Fachmann bin?

"Ich rate vor allem jungen Menschen dazu, sich Kunst zu kaufen, die einem gefällt. An der man Spaß hat und die man sich leisten kann. Der Wiederverkauf sollte nicht im Fokus stehen," erklärt Magnus Resch, Kunstökonom und Dozent für Kulturmanagement an der amerikanischen Yale-Universität. Er sieht es anders als Gérard Margaritis: Wenn es um Kunst geht, gäbe es keine qualitativen Merkmale. "Es geht immer um subjektive Wahrnehmung." Deshalb ist Reschs Motto: "Investiere nicht in Kunst, kaufe sie lieber!"

Francesco Neo, Agrippina 2021, Ölmalerei & Spray

Lohnt es sich, in Kunst zu investieren?

Magnus Resch forscht auf dem Gebiet des Kunstmarktes und ist sich sicher: "Es ist eine schlechte Idee, in Kunst zu investieren". Der gesellschaftliche Blick auf die Kunst sei verzerrt. Man höre zwar ständig von Rekordpreisen, die für ein Kunstwerk aufgerufen werden. Doch das spiele sich nur im obersten Segment ab, bei den Superstar-Künstlern. "Der Rest, also 99 Prozent aller Künstler, arbeiten im unteren Preissegment und dort bleiben die Preise für deren Kunst meist auch."

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Wieviel verdient ein Künstler überhaupt?

Wenig, meist sehr wenig, so Kunstökonom Resch. Seiner aktuellen Studie zufolge hat kein anderer Abschluss eine höhere Arbeitslosenquote als das Kunststudium. So liegt der  jährliche Durchschnittsverdienst einer Künstlerin in Berlin bei ca. 9.000 Euro. Resch hat die berufliche Entwicklung von 500.000 Künstlern und Künstlerinnen untersucht. Sein trauriges Fazit: Weniger als 250 haben den Aufstieg geschafft und Karriere auf dem Kunstmarkt gemacht, alle anderen nicht. Hinzu kommt: "Das Kunst-Netzwerk wird von weißen, älteren Männern dominiert, die bevorzugt weiße, männliche Maler ausstellen und sammeln."

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Audioseite Magnus Resch: "Es ist eine schlechte Idee in Kunst zu investieren"

Magnus Resch, Kunstökonom
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Kann ich beim Kauf von Kunst etwas falsch machen?

Klare Antwort von Resch: "Nein! Man kann beim Kauf nichts falsch machen, wenn man Gefallen an einem Kunstwerk hat und es nicht zwingend wiederverkaufen muss." Messen wie die Discovery Art Fair seien wichtig, um regionale Künstlerinnen und Künstler bekannt zu machen und mit niedrigschwelligen, bezahlbaren Angeboten, neue Käufer zu gewinnen. Denn der Kunstmarkt sterbe sonst aus. Kunst von regionalen Künstlern zu kaufen, hält Resch für eine gute Idee.

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Aktuelle Themen und gesellschaftliche Trends in der Kunst

Aktuelle thematische Trends in der Kunst aufzugreifen hält Margaritis für schwierig. Seiner Meinung nach möchte "die geneigte Sammlerschaft nicht auf ein Kunstwerk blicken, das die Themen und Probleme aus den Abendnachrichten spiegelt." Resch geht sogar noch einen Schritt weiter. Er hält den Kunstmarkt für tradiert und konservativ. "Die Kunstwelt ist hart und ungerecht und sie hinkt dem Zeitgeist hinterher. Alte weiße Männer bestimmen, was ausgestellt und verkauft wird. Frauen, People of Colour oder Mitglieder der LGBTQ-Community sind am Kunstmarkt dramatisch unterrepräsentiert."

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Foto von David James Young

Muss es mir peinlich sein, nach dem Preis eines Werks zu fragen?

Natürlich nicht. Und auf der Art Fair gibt es dieses Problem sowieso nicht, erklärt Aussteller Gérard Margaritis. Auf der Messe herrsche zum Glück Preisauszeichnungspflicht. In die unangenehme Situation, nach einem Preis fragen zu müssen, soll niemand kommen. Von Geheimniskrämerei rund um Preise hält er nichts. Die Interessenten haben einen Budgetrahmen und den wollen und sollen sie nicht sprengen.

Ein kleines Budget und Kunst - passt das zusammen?

"Klar. Menschen mit kleinem Budget können Kunstdrucke, Poster oder Kataloge kaufen." Das mache auch schon Spaß, so Margaritis, das habe er als Student auch gemacht. Wichtig sei, dass Menschen die Verbindung zur Kunst nicht verlieren. "Die nachfolgende Generation wird es sicher anders machen, digitaler, diverser." Kunstsupermärkte, leicht zugängliche Kunst-Angebote - das sei schon cool.

Kleines Budget und keine Zeit für die Discovery Art Fair in Frankfurt?

Es gibt Alternativen. Jakob Schwerdtfeger kauft momentan am liebsten auf Flohmärkten und in kleinen Auktionshäusern. Oder im Nachverkauf, wenn eine Auktion vorbei ist. Zudem hält er Kunstvereine für eine gute Einsteiger-Idee, weil man da ein Vorkaufsrecht habe. "Es gibt immer wieder Möglichkeiten, auch an Hochschulen einen guten Fang zu machen." Außerdem empfiehlt Schwerdtfeger für kleine Budgets Arbeiten auf Papier, weil sie günstiger sind als Arbeiten auf Leinwand. Grafiken und Auflagen sind ebenfalls meist bezahlbar. "Es ist doch nicht schlimm, wenn andere das Gleiche wie ich haben."

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Audioseite Jakob Schwerdtfeger: „Die Leute haben Bock auf verständlich erklärte Kunst"

Jakob Schwerdtfeger, Kunsthistoriker und Kunst-Comedian
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Warum reden eigentlich in der Kunstwelt alle so komisch?

Das hat sich Jakob Schwerdtfeger auch gefragt. "Kunst ist cool, man muss aber nicht hochgestochen darüber rumfaseln. Kunst heißt doch nicht elitär und unverständlich über Kunstwerke zu sprechen, so dass es keiner versteht." Die Menschen sollen offenbar denken: "Das verstehe ich zwar nicht, aber es klingt wichtig und wenn es wichtig ist, ist es teuer." Aus Schwerdtfegers Sicht haben "die Leute mehr Bock auf verständlich erklärte Kunst als auf tausend Wörter, die auf '-ismus' enden. Mit dem Quatsch sollte endlich Schluss sein."

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