Jan-Luca Kehlenbeck raucht eine Zigarre.

Rauchen ist total out! Das mag für Zigaretten gelten, Zigarren werden immer beliebter. Früher galten sie in Hollywoodfilmen wie im echten Leben als Zeichen von Macht und Luxus. Heute steht ein anderer Aspekt im Vordergrund.

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Audioseite Hollywoodfilm oder Rauchverbot? Zigarren werden immer beliebter

Zigarren liegen in hölzernen Kästen im Regal. Die Preisschilder darüber verraten die Preise von bis zu 5,80 Euro das Stück.
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Jan-Luca Kehlenbeck aus Bad Vilbel beherrscht das Zigarrenritual perfekt: Erst wird an der Tabakrolle gerochen, dann das hintere Ende mit einem Cutter abgeschnitten, vorne das Streichholz drangehalten, Luft durch die Zigarre gezogen und gemütlich gepafft. Denn Zigarren, betont der 23-jährige Student, raucht man nicht auf Lunge. Er habe schon in seiner Kindheit gerne den Zigarrrendunst seines Opas gerochen. Ein echter Zigarren-Fan sei er aber erst seit einem Kuba-Urlaub vor drei Jahren.

Hessen hat eine eigene Tabaktradition

Weniger bekannt ist, dass es auch in Hessen eine lange Tabaktradition gibt. In Lorsch erinnert ein Tabakmuseum samt Tabakfeld noch an die Hochzeiten. Damals gab es nicht nur Tabakfelder, sondern auch einige Zigarrenmanufakturen.

Zigarren in der Manufaktur Rinn und Cloos

Die letzte ihrer Art, die Firma Rinn & Cloos, hat heute noch ihren Sitz in Heuchelheim bei Gießen und stellt die Marke "Don Stefano" her. Nach Angaben des Firmeninhabers ist die Existenz des Unternehmens derzeit jedoch bedroht, eine neue EU-Richtlinie zur Eindämmung des Schmuggels macht schwer umzusetzende Auflagen. Zwar stiegen die Umsätze seit Jahren, nun seien aber wegen der neuen Vorgaben hohe Investitionen fällig, die das Unternehmen vor große Herausforderungen stellten.

Der Touch von Luxus und Macht - bewusst inszeniert

Zigarren - möglichst dick und groß - wurden oft in Hollywoodfilmen eingesetzt als Zeichen von Männlichkeit und Macht. In den Mafiafilmen "Der Pate" oder "Scarface" etwa wurde den Bossen regelmäßig diese Requisite verpasst. Auch Wirtschaftsbosse werden so inszeniert: Einmal eine Zigarre anzünden und der Zuschauer wusste sofort: Das muss ein einflussreicher Mann sein. Die Werbung mixte dann noch karibisches Feeling mit leichtbekleideten Frauen dazu und schon war der Männer-Mythos Zigarre geschaffen, der sich über Jahrzehnte hielt.

Auch im realen Leben war die Zigarre Statussymbol. Winston Churchill etwa, der frühere britische Premierminister, hatte eigentlich immer eine Zigarre im Mund. Und auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder war bekannt für seine Vorliebe für "Cohibas", eine edle kubanische Zigarrenmarke.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder im Anzug mit Zigarre (1998)

Eine gute Zigarre kostet eine Menge Zeit

Nach und nach hat sich das Image gewandelt. Das Rauchen an sich ist aus Gesundheitsgründen immer weiter zurückgedrängt worden, Tabakwerbung ist weitestgehend verboten, in Restaurants darf nicht mehr geraucht werden und der Absatz von Zigaretten geht seit Jahren zurück.

Trotzdem hält sich die Zigarre, weiß Oliver Ritter, Filialleiter des traditionsreichen Zigarrenhauses Anthes in Neu-Isenburg. "Wir haben steigende Umsätze, durch alle Altersgruppen."

Auch Andreas Gutfreund, Leiter der Frankfurter Vabajo Cigar Lounge, hat immer öfter junge Kunden. "Die kommen wirklich aus allen Schichten, das sind nicht nur die Bankertypen." Der Luxus liege für seine Kunden heutzutage darin, sich Zeit zu nehmen - im Durchschnitt brenne eine Zigarre eine Stunde. Genießer wie der 23-jährige Jan-Luca Kehlenbeck aus Bad Vilbel nehmen sich diese Zeit gerne.

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"Rauchen ist tödlich"

Medizinisch steht es außer Frage, dass Tabakwaren jeder Art gesundheitsschädlich sind und häufig mit diversen Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht werden. Auf Zigaretten- und Tabakprodukten prangen aus diesem Grund seit Jahren große Warnungen und abschreckende Fotos.

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