Okwui Enwezor im Haus der Kunst in München
Okwui Enwezor an seiner letzten Wirkungsstätte, dem Haus der Kunst in München Bild © picture-alliance/dpa

Okwui Enwezor ist tot. Als erster Nicht-Europäer leitete er 2002 die documenta. Zuletzt stand der gebürtige Nigerianer dem Haus der Kunst in München vor. Im Alter von 55 Jahren erlag er einem Krebsleiden. In Kassel nahm man die Nachricht mit Betroffenheit auf.

Okwui Enwezor stand für internationale Kooperationen und globale Themen. Geboren 1963 in Calabar, verließ der Sohn eines Bauunternehmers seine Heimat Nigeria mit 19 Jahren in Richtung New York.

Dort studierte er Literatur und Politikwissenschaft und machte sich zunächst als Dichter, Literaturkritiker und Essayist einen Namen. Enwezor gründete unter anderem die Zeitschrift "Nka: Journal of Contemporary Art" und leitete Biennalen in Spanien, Südafrika und Südkorea sowie die Kunstbiennale in Venedig.

Enwezor macht documenta zu einer globalen Erfahrung

Von 1998 bis 2002 war er künstlerischer Leiter der documenta 11 in Kassel. Enwezor konzipierte sie gemeinsam mit mehreren Co-Kuratoren als Abfolge von thematischen Vortragsreihen und Diskussionen, denen sich die eigentliche Ausstellung anschloss.

Insgesamt 122 Künstler nahmen daran teil. Sie kamen zum Teil aus Ländern, die niemals zuvor in Kassel vertreten waren. Enwezor machte so die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst zu einer wirklich globalen Erfahrung. Mit 650.000 Kunstinteressierten erzielte die von Enwezor kuratierte documenta 11 einen vorläufigen Besucherrekord.

documenta-Direktorin: "Onwui Enwezor hinterlässt große Lücke"

In Kassel reagierte man mit Betroffenheit auf die Nachricht vom Tod Enwezors: "Wir trauern um den Künstlerischen Leiter der documenta 11 und eine starke Stimme der zeitgenössischen Kunst", sagte Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH. "Okwui Enwezor hat die Perspektiven der Kunstwelt nachhaltig global erweitert und hinterlässt mit seinem frühen Tod eine große Lücke.“

2011 wurde Enwezor Leiter des Hauses der Kunst in München. Er warb für einen unverkrampften Umgang mit der historisch belasteten Institution, die 1937 von Hitler als "Haus der deutschen Kunst" eröffnet worden war. "Es ist schließlich nur ein Gebäude und ein Gebäude muss man nicht überinterpretieren", sagte er zum 75-jährigen Bestehen des Hauses im Jahr 2012.

Träger des Bundesverdienstkreuzes

2014 wurde Enwezor mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der damalige Bundespräsident Joachim Gauck nannte ihn einen der "herausragenden Kuratoren in der Bundesrepublik Deutschland". Nach Geldproblemen des Hauses wurde Enwezor ein kaufmännischer Geschäftsführer an die Seite gestellt.

Im Juni vergangenen Jahres nahm er seinen Hut in München. "Ich trete zu einem Zeitpunkt zurück, an dem das Haus der Kunst eine künstlerische Position der Stärke erreicht hat", sagte er zum Abschied. Kurz danach machte er seine Krebserkrankung öffentlich. Am Freitag starb Enwezor in einem Münchener Krankenhaus. Er wurde 55 Jahre alt.

Sendung: hr1, 15.03.2019, 15 Uhr