Udo Lindenberg in Frankfurt
Udo Lindenberg in Frankfurt Bild © Jens Naumann/hr

Stark gealtert, aber kein bisschen alt: Der selbsternannte "Panik-Priester" Udo Lindenberg hat am Dienstagabend in der ausverkauften Frankfurter Festhalle über zwei Stunden das Leben gefeiert. Was zu erzählen hatte er auch.

Audiobeitrag
Udo Lindenberg mit Sängerin in Frankfurt

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Udo Lindenberg über die Festhalle: "Hallig Hooge"

Ende des Audiobeitrags

Es rummst, es knallt, die Bühne speit Feuer: Udo Lindenberg ist wieder da! Der Deutschrocker hat am Dienstagabend im Rahmen seiner Deutschlandtournee in der proppenvollen Festhalle in Frankfurt Station gemacht - mit viel Show, ein bisschen Politik und ganz viel Herz.

Stolze 73 Jahre ist Udo Lindenberg vor wenigen Wochen geworden. Und die Jahre sind an dem Musiker, der den freudespendenden Dingen des Lebens nie abgeneigt war, nicht ganz spurlos vorbei gegangen. Das hat man bei seinem Auftritt auch gemerkt.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur hr1.de Bildergalerie Udo Lindenberg rockte die Festhalle

Ende der Bildergalerie

Mit dem Singen mochte es nicht mehr ganz so klappen, die schwierigeren Passagen überließ Udo gerne den zahlreichen Background-Sängerinnen. Auch seine Beinarbeit wirkte nicht mehr so behände, das Hinknien dauert etwas länger - das Hochkommen noch mehr. Die Tücken des Alters eben.

Wenn schon altern, dann so wie Udo

Aber das alles spielte an dem Abend vor 10.000 begeisterten Zuschauern keine Rolle. Mit seinem pompösen Auftritt, der mehr eine Revue oder Zirkusvorstellung denn ein Konzert war, feierte Lindenberg die Lust am Leben und bewies, dass man auch mit 73 noch so richtig Panik verbreiten kann. Nicht nur einmal am Abend kam mir der Gedanke: Wenn schon alt werden, dann so wie Udo. Oder wie Lindenberg es sagt: "Eines Tages müssen wir alle sterben, an allen anderen Tage nicht."

Audiobeitrag
Ausnahmsweise mal ohne Sonnenbrille

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stimmen zum Konzert: "Einfach unglaublich, der Mann"

Ende des Audiobeitrags

Über zwei Stunden lang gewährte der außen alte und innen zeitlose "Panik-Priester", wie er sich an diesem Abend nannte, der begeisterten Masse einen tiefen Einblick in seinen Udo-Kosmos. Mit Hut, Sonnenbrille, bunten Socken und ständig wechselnden Anzügen dirigierte er - auch mal mit einem Eierlikör in der Hand und stets einer schönen Frau an der Seite - den bunten Haufen, der um ihn herumwirbelte.

Nonnen in Strapsen und wilde Wrestlerinnen

Es tanzten Nonnen in Strapsen, die zu Orgelmusik Priester verführten. Trump und Putin traten zum Boxkampf an, begleitet von einer Horde wilder Wrestlerinnen. Dann wieder sang Lindenberg inmitten eines Kinderchors, Menschen in Flamingo-Kostümen tanzten über die Bühne und unter der Decke schwebten Cello spielende Geisterwesen. Alleine die Kostüme aller Musiker und Künstler füllen einen ganzen Sattelschlepper.

Nicht immer hat Udo das Mikrofon zum Singen benutzt
Nicht immer benutze Lindenberg das Mikrofon zum Singen. Bild © Jens Naumann/hr

Und natürlich kam auch die Musik nicht zu kurz. Lindenberg und sein gleichermaßen gealtertes Panikorchester spielten neben den Klassikern wie "Sonderzug nach Pankow", "Hinterm Horizont", "Cello" oder "Andrea Doria" auch Songs von seinem neuen Album "MTV Unplugged 2". Eine Mischung, die sowohl die Nostalgiker als auch die Nachwuchsfans unter den buntgemischten Zuschauern zufrieden gestellt haben dürfte.

Hier und da wurden die alten Hits ein bisschen variiert und aufpoliert, aber nur in leicht verträglichen Dosen. Udo soll ja schließlich Udo bleiben. Ein paar Balladen, ansonsten ehrlicher Rock und ab und zu ein standesgemäßes Gitarrensolo.

Wir brauchen mehr Panik!

Die Show war von Anfang bis Ende durchchoreografiert und wirkte dennoch zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Denn nichts, was Lindenberg tut, wirkt aufgesetzt. Doch neben all der Nonchalance, für die ihn seine Fans so lieben, hatte der Panikrocker auch ernste Botschaften ans Publikum.

Gewalt, Kriege und Umweltverschmutzung waren die Themen, die er in seinen Ansagen und Liedern immer wieder zur Sprache brachte - begleitet von teils verstörenden Bildern auf der 250 Quadratmeter großen Videoleinwand, die über der Bühne thronte.

Die "Fridays-for-Future"-Demos findet Lindenberg "obergeil", Politiker dagegen weniger: "Die pennen einfach weiter." Und Udo wäre nicht Udo, hätte er nicht eine einfache Lösung für alle Probleme parat: "Wir brauchen mehr Panik!".

Recht hat er. Die Welt wäre tatsächlich ein besserer Ort, wären wir alle ein bisschen mehr Udo.

Udo in Pose
Udo in Pose Bild © Jens Naumann/hr