Aus 886 antiken Holzstühlen besteht die Installation "Bang", die erstmals bei der Biennale in Venedig 2013 zu sehen war

Die Frankfurter Goethe-Universität bekommt eine der bedeutendsten Installationen des chinesischen Künstlers Ai Weiwei als Dauerleihgabe. Um sie angemessen zu präsentieren, wird auf dem Campus ein eigener Ausstellungsraum gebaut.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kunstwerk von Ai Weiwei für Goethe-Universität Frankfurt

Haupteingang zur Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt
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Die Installation "Bang" des chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei soll im neuen Center for Humanities (Zentrum für Geisteswissenschaften) auf dem Campus Westend einen prominenten Platz finden. "Wir haben das Gebäude darum herum geplant", sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Birgitta Wolff, der Nachrichtenagentur dpa. Um das Kunstwerk von Ai Weiwei sollen 200 Arbeitsplätze für Geistes- und Sozialwissenschaftler und eine kleine Bühne für Proben und Aufführungen entstehen.

Für Ai Weiweis Werk ist ein eigener Ausstellungsraum vorgesehen. Das neue Hochschulzentrum soll nach gegenwärtigem Planungsstand in den Jahren 2023/2024 bezugsfertig sein. Die Uni Frankfurt finanziert es aus eigenen Rücklagen, wie Wolff erläuterte.

Frankfurter Stifterfamilie überlässt das Werk

"Bang" besteht aus 886 antiken Holzhockern. Ai Weiwei zeigte die Installation zum ersten Mal 2013 während der Kunstbiennale in Venedig im deutsch-französischen Pavillon. Nach einer weiteren Ausstellung im kanadischen Vancouver wurden die Holzhocker konserviert und eingelagert.

Eine Frankfurter Stifterfamilie finanzierte die Arbeit, die wie viele Werke Ai Weiweis aus Materialien der Vergangenheit eine neue Umgebung schafft. Die Stifterfamilie stelle das Werk nun der Universität ihrer Heimatstadt zur Verfügung, sagte Wolff.

 Der Chinese Ai Weiwei (M) steht am Auepavillion in Kassel vor seinem zerstörten Kunstwerk "Template" (Archivfoto vom 20.06.2007). Am Sonntag (23.09.) endet nach 100 Tagen die documenta. Trotz zum Teil heftiger Kritik der Kunstszene wird die 12. Auflage der Weltkunstausstellung einen Besucherrekord erzielen.

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei war unter anderem im Jahr 2007 auf der documenta 12 in Kassel vertreten. Sein Kunstwerk "Template" war eines der bekanntesten Werke der Kunstschau. Vier Tage nach der Eröffnung sorgte ein Unwetter für den Zusammenbruch der Konstruktion. Im Jahr 2010 erhielt Weiwei den Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft". Der Künstler emigrierte 2015 nach Deutschland. Er lebte bis vergangenen Herbst in Berlin, seither wohnt er im englischen Cambridge.

Die Goethe-Universität wird in den nächsten zehn Jahren um zahlreiche neue Gebäude wachsen. Größtes Bauprojekt ist der über 100 Millionen Euro teure Neubau der Universitätsbibliothek. Sie soll den Campus Westend nach Norden hin erweitern. Wenn es nach Wolff geht, soll die Uni dort einen eigenen U-Bahn-Anschluss bekommen. Darüber muss die Stadt noch entscheiden.

Etliche Bauvorhaben im Westend und am Riedberg

Trotz klammer öffentlicher Kassen infolge der Corona-Krise ist die Uni-Präsidentin zuversichtlich: "Alle ursprünglich geplanten Projekte laufen jetzt." Für die geplante "Universitätsbibliothek der Zukunft", die zugleich ein Ort zum Lernen und Forschen sein soll, stellt das Land 105 Millionen Euro aus dem Verkauf des alten Polizeipräsidiums in Frankfurt zur Verfügung. Wolff erwartet die Fertigstellung der neuen Bibliothek nicht vor Ende der 2020er Jahre.

Weitere große Bauvorhaben sind ein Neubau für Chemie und ein weiterer für Mathematik und Informatik auf dem Campus Riedberg. Dort soll auch ein Wohnheim mit 375 Unterkünften für ausländische Studierende und Wissenschaftler entstehen.

Sendung: hr4, hessenschaureport, 11.06.2020, 6.30 Uhr