Leere, mit blauem Samt gepolsterte Stuhlreihen in einer Oper.

Die Kulturszene ächzt unter den verschärften Corona-Regeln. Veranstaltungen lohnten sich kaum noch, kritisieren die Kulturschaffenden. Frankfurts Opern-Intendant Loebe sieht die Existenzgrundlage seines Hauses gefährdet.

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Neue Regeln nach Bund-Länder-Treffen

hs
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"Es ist für die Kultur ein Lockdown, der jetzt kommt, auch wenn es nicht so heißt", sagt Carsten Schack vom Schlachthof Wiesbaden. Die neuen Auflagen sorgten dafür, dass sich Konzerte in seinem Haus gar nicht mehr lohnten: "Wir müssen unser komplettes Programm beerdigen."

Dabei hatte der Schlachthof im Herbst als einer der ersten die 2G-Regelung eingeführt, die einen Betrieb auch über die Wintermonate realistisch erscheinen ließ. Auch andere Kultureinrichtungen erholten sich, in der Branche kam Hoffnung auf.

Politiker unter Zugzwang

Aber dann: Steigende Inzidenzen, immer mehr Patienten in Krankenhäusern und die Politik unter Zugzwang. Am Dienstag beschloss Hessen verschärfte Regelungen für Veranstalter, am Donnerstag zog die Ministerpräsidentenkonferenz nach.

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Die aktuellen Regelungen

  • Ab Sonntag, 5. Dezember, gilt für Veranstaltungen in Innenräumen ab 100 Personen 2G plus - also nur Zutritt für Geimpfte und Genese mit negativem Test. Zudem müssen fortan Veranstaltungen ab 250 Personen vom jeweiligen Gesundheitsamt genehmigt werden.
  • In Gebieten mit mehr als 350 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen werden Clubs und Diskotheken in Innenräumen geschlossen.
  • Großveranstaltungen im Freien dürfen maximal 15.000 Zuschauende haben.
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"Unser Erfolg fällt uns auf die Füße"

Auch das Schauspiel Frankfurt verzeichnete im Dezember wieder bessere Verkäufe, das Familienstück "Wickie und die starken Männer" war sogar ausverkauft. "Unser Erfolg fällt uns quasi auf die Füße", so Intendant Anselm Weber. Statt wie bisher rund 700 Plätze dürfen im großen Haus nun nur noch maximal 326 besetzt werden, für die Kammerspiele können maximal 71 Karten verkauft werden. "Nach welchen Kriterien sollen wir unsere Gäste ausladen?"

Weber zog die Notbremse und sagte alle Veranstaltungen zwischen dem 5. und 9. Dezember ab. Die Zeit brauche man, um beispielsweise neue Sitzordnungen zu erstellen, erklärt Pressesprecherin Sandra Strahonja. Man wolle auf jeden Fall spielen, solange es erlaubt ist, aber gerade bei den gut verkauften Vorstellungen könne es auch sein, dass man sie absagen müsse. Auch das Staatstheater Wiesbaden hat mit der gleichen Begründung Einschränkungen im Spielbetrieb angekündigt.

Opern-Intendant Loebe: 6.000 Abonnenten verloren

Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, betont in einem Brandbrief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), wie diszipliniert sich gerade "seine" Opernbesucher verhielten: "Ein Großteil reist mit dem Auto an, der Rest verteilt sich auf die vielen Möglichkeiten, die der öffentliche Nahverkehr bietet. Dabei kommt es nicht zu überfüllten Verkehrsmitteln oder überfüllten Kneipen, in denen nach dem Opernbesuch noch gefeiert wird."

Sein Haus habe bei der letzten Schließung insgesamt 6.000 Abonnenten verloren. Gehe das so weiter, verliere die Oper ihre Existenzgrundlage. Loebes Wunsch an die Landesregierung: Sie solle doch bitte eine Unterscheidung zwischen Freizeit- und Kultureinrichtungen machen und "die Schutzmaßnahmen für Kultureinrichtungen auf Grundlage der gut durchdachten Hygienekonzepte und wissenschaftlichen Erkenntnisse" gesondert betrachten.

"Besucher bekommen Angst eingejagt"

Die Erwartungen an die Politik sind hoch, der Frust bei vielen Kulturschaffenden ebenso. Nicht nur die steigenden Infektionszahlen, auch die ständig wechselnden Regelungen verunsicherten viele Besucher, beklagt Markus Knierim vom Kasseler Theaterstübchen. Er ist wütend auf Politiker, die den Menschen Angst einjagten. Er darf sein Haus zwar öffnen, könnte auch ausreichend Karten verkaufen, aber die Menschen trauten sich einfach nicht mehr zu kommen: "Gestern hatte ich eine Veranstaltung mit sechs Besuchern - davon kann ich nicht mal meine Mitarbeiter bezahlen."

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