Martin Faass

Martin Faass ist komplett verliebt in seinen neuen Arbeitsplatz. Der Chef des Hessischen Landesmuseums Darmstadt will diese Begeisterung weitergeben. Das Museum als "Ort zum Staunen" hat jedoch gegen starke Konkurrenz zu kämpfen.

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Der Kunsthistoriker Martin Faass hat am 1. Januar seine Stelle als Direktor des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt angetreten. Noch befinde er sich also in der "Kennenlernphase", erzählte Faass im hr2-Kulturfrühstück. In Karlsruhe geboren, Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Marburg, lebte er zuletzt mit seiner Familie in Berlin und leitete dort die Liebermann-Villa am Wannsee.

Vom Direktorenposten eines Spartenhauses nun also der Wechsel hin zu einem großen Universalmuseum. "Das ist schon eine große Herausforderung", gibt Faass zu. Es sei ein bisschen so wie von einem Spezialitätengeschäft zu einem riesigen Markt der Möglichkeiten zu wechseln. Und genau das ist es, was den 55-Jährigen an der Aufgabe reizt.

Vielfalt als Chance

"Das Hessische Landesmuseum ist eines der ältesten öffentlich zugänglichen Museen in Deutschland und mit der Vielfalt seiner Sammlungen eines der wenigen Universalmuseen, das diesen Namen auch verdient", betonte Faass. In dem Zusammenklang unterschiedlicher Sammlungsbereiche sieht er eine große Chance.

Mittelalterliches Kunsthandwerk, eine umfangreiche zoologische Sammlung, die die Entwicklung der Arten vor Augen führt, Schätze der Antike, die Gemälde- und Grafiksammlungen bis hin zur Kunst- und Wunderkammer des Fürsten mit teils kuriosen Dingen - dies alles mache es ihm unmöglich seine Lieblingsabteilung zu benennen, bekennt der neue Direktor. "Es ist das einmalige Gesamterlebnis, das man in dem Haus haben kann", schwärmt der Kunsthistoriker.

"Sichtbarer werden"

Für die Zukunft plant er, das Haus und seine Schätze wieder mehr in die Öffentlichkeit wirken zu lassen. "Wir müssen uns mehr in aktuelle Diskurse einmischen, um sichtbarer zu werden", fordert er. An den Schnittstellen zwischen den Sammlungen schlummerten große Ausstellungen, derer man sich annehmen müsse.

Faass nennt als Beispiel die umfangreiche Korallensammlung. "Um Korallen müssen wir uns heute große Sorgen machen, sie sind durch die Klimaerwärmung vom Aussterben bedroht." Das sei ein aktuelles Thema, das man anhand der Sammlung spiegeln und darstellen könne.

Museen in harter Konkurrenz

Faass sieht jedoch auch, dass Museen sich in großer Konkurrenz zu den verschiedensten Freizeit-, Unterhaltungs- und Bildungsangeboten befinden: "Da dürfen wir uns nichts vormachen." Gegen den Konkurrenzdruck helfen seiner Meinung nach nur attraktive Ausstellungen und die Einzigartigkeit, die Museen zu bieten haben. In einer Flut der digitalen Bilderwelten müsse man immer wieder klar machen, dass "wir im Museum mit Originalen arbeiten."

"Es ist ein Ort zum Staunen und das muss man sich bewahren", so das Credo des neuen Direktors. Darüber hinaus sei es natürlich auch ein Ort der Wissenschaft. Diese Verbindung zu schaffen, über das Staunen hinaus Wissen zu vermitteln, sei die große Aufgabe von Museumsarbeit.

200-Jahr-Feier steht bevor

Als erstes Großprojekt dürfte Faass jetzt die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Museums-Jubiläum in Angriff nehmen. "2020 ist ein großes, wichtiges Datum, auf das wir uns vorbereiten müssen." Das Haus will sich dann in "ganz besonderer Weise" präsentieren. Mehr wird allerdings noch nicht verraten.