Vedad Kapo, der 31-Jährige lächelt in die Kamera, er trägt eine gelbe Cap verkehrt herum auf dem Kopf.

Es klingt wie eine Geschichte aus Hollywood: Kunststudent Vedad Kapo arbeitet als Aufsicht auf der documenta in Kassel. Dann kommt er mit documenta-Künstlern ins Gespräch. Die finden seinen Film so toll, dass sie ihn in ihr Programm aufnehmen.

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Kunststudent stellt bei documenta aus

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Vedad Kapo öffnet die Türen, Menschen strömen aus dem Saal, unterhalten sich angeregt. So sieht ein ganz normaler Arbeitstag für den 31-jährigen Kunststudenten aus Kassel aus, der auf der documenta als Einlasskontrolleur und Aufsicht jobbt. Vor einigen Tagen jedoch nimmt er seinen Mut zusammen.

Ein kontrollierender Blick zeigt ihm, der Saal ist wirklich leer, bis auf das japanische Künstlerkollektiv Cinema Caravan, das auf der Bühne seine Installation aufbaut. Er betritt den Saal und spricht die documenta-Künstler aus Japan an. "Wir haben uns kurz über Kunst unterhalten. Dann habe ich gefragt, ob ich ihnen einen Film zeigen darf, an dem ich selbst gearbeitet habe."  

Kollektiv nimmt Aushilfe in Ausstellung auf

Über sein Smartphone gebeugt, schauen die Mitglieder des Kollektivs Kapos Film an. Und das Spontan-Publikum ist von dem, was es sieht, ganz angetan. "Sie fanden es nicht einfach nur gut, sie waren begeistert", erinnert sich der junge Filmemacher. Mit dem Angebot, das dann folgt, hat der 31-Jährige jedoch nicht gerechnet. "Sie haben gesagt, dass sie meinen Film auf der documenta zeigen wollen."

Kapo ist darüber überglücklich und spricht von "einem der schönsten Tage in meinem Leben." Der Weg in die Kunst beginnt für ihn schon als Kind. Damals verbringt er viel Zeit in Museen, ist fasziniert von der Malerei großer Künstler. "Das Museum war für mich wie ein zweites Zuhause." Er will selbst aktiv werden und beginnt ein Kunststudium. Nach zehn Semestern steht er kurz vor dem Masterabschluss.

Abtauchen in Kapos Erlebniswelt

In den vergangenen Jahren hat Kapo viel gemalt, sich ausprobiert. Sein aktuelles Werk: ein experimenteller 28-Minuten-Film mit dem Titel "Zu subtil". Darin setzt Vedad Kapo sich mit der eigenen Empfindlichkeit auseinander. Das Filmerlebnis ist immersiv, das heißt man taucht in die Filmwelt regelrecht ein. Zu sehen sind Alltagsszenen, wie eine Waschmaschine, in der die Wäsche schäumt und umhergeworfen wird. Gras, das im Wind raschelt, ein Flugzeug, das am Abendhimmel Kondensstreifen zieht.

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So wird ein Student zum documenta-Künstler

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Unterbrochen sind die Episoden von kurzen Schwarz-Sequenzen. Was wirkt, berührt und fesselt, ist vor allem der Sound, der sich ununterbrochen durch die Szenen zieht. Die Umgebungsgeräusche sind laut und verzerrt, fast unangenehm. Sie erinnern an das Gefühl, einen Kater zu haben – wenn jedes Geräusch die Kopfschmerzen etwas mehr pochen lässt. An diesem Gefühl setzt der Film an. Der Nachwuchskünstler will herausfinden, worauf er selbst empfindlich reagiert, und hat viele Quellen in Umweltreizen gefunden.  

documenta-Debüt mit viel Applaus

Dass sein Film nun mehrmals auf der documenta gezeigt wurde, sei eine überwältigende Erfahrung. "Ich wollte schon immer richtiger Teil der documenta sein und selbst ausstellen und dieser Traum ist jetzt in Erfüllung gegangen!" Besonders schön sei der Applaus am Ende der Vorführungen gewesen. "Ich habe vorher noch nie Applaus bekommen für meine Arbeiten und jetzt war das Feedback einfach super."

Die positiven Reaktionen haben ihn darin bestärkt, mit seiner Kunst auf dem richtigen Weg zu sein. "Ich habe so viel und so hart gearbeitet und ich glaube, wenn man Herzblut reinsteckt, kommt man irgendwann ans Ziel."  

Das Künstlerkollektiv Cinema Caravan arbeitet mit dem Künstler Takashi Kuribayashi zusammen. Der sagt: Vedad Kapo habe Potential.

Zu fein für den Job als Aufsicht ist sich Kapo aber auch nach dem überraschenden Debüt auf der documenta nicht. Er arbeite einfach gern und liebe den Austausch mit Menschen – als Künstler und als Einlasskontrolleur.  

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