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Guido Reni im Städel

Guido Reni, genannt "Der Göttliche", ist ein italienischer Barock-Maler und Star der nächsten großen Städel-Ausstellung. Ein Meisterwerk aus der Sammlung wird derzeit auf Hochglanz gebracht. Ein wichtiges Hilfsmittel steht normalerweise im OP.

Nach den Blockbuster-Schauen zu Van Gogh, Rembrandt und Renoir präsentiert das Städel Museum im Spätherbst einen weiteren Maler-Star: Guido Reni, zu seiner Zeit gefeierter Barockmaler. Viele seiner Werke leiht das Städel dafür in großen Museen aus, zwei sehr unterschiedliche Werke sind aber schon Teil der eigenen Sammlung.

"Mariens Himmelfahrt" gehört zu den wenigen erhaltenen Frühwerken Renis. 2014 hatte der Städelverein es dem Museum geschenkt. Seither hängt es in der Sammlung Alte Meister über Eck mit Renis "Christus an der Geißelsäule", und obwohl die Mariendarstellung ein Kleinformat ist, stiehlt sie dem mannshohen Christus die Schau. 

Meisterwerk hat Strahlkraft verloren 

Das Ölgemälde auf Kupfer strahlt, es ist bestens erhalten. In der Mitte sitzt Maria in rotem Kleid mit langem blauem Mantel und weißem Schal, den Blick gen Himmel gerichtet. Bei Renis großem Christus-Werk auf Leinwand hingegen ist die Oberfläche vergilbt, die Farben sind verblasst, es hat mit der Zeit Flecken bekommen. 

Lilly Becker soll dem Gemälde nun neuen Glanz verleihen. Nach ihrem Kunststudium in Wien machte die junge Restauratorin ein Volontariat in der Städelwerkstatt, das mannshohe Meisterwerk ist ihr erster eigener Auftrag. 

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Guido Reni - Der "Göttliche"

Zu seiner Zeit war Reni einer der erfolgreichsten Maler Europas. Papst Paul V. und die englische Königin zählten zu seinen Auftraggebern. Heute scheint er vergessen, aus der Barockzeit ist eher sein zeitweiliger Rivale Caravaggio bekannt. Anlass fürs Städel, dem einstigen Malerstar im Spätherbst eine groß angelegte Ausstellung zu widmen. Gemälde, Zeichnungen und Radierungen kommen als Leihgabe aus der ganzen Welt, zum Beispiel vom Museo del Prado in Madrid.  

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Verschiedenste Untersuchungen etwa mit Röntgenstrahlen und eine komplette Durchleuchtung zu Beginn ergaben, dass es um Christus an der Geißelsäule gar nicht schlecht stand. Aber der Firnis war vergilbt, die Farben stark verdunkelt. “Im Hintergrund konnte man die Konturen von der Geißelsäule teilweise nur noch schwer erkennen”, erklärt Becker.  

Eine Frau arbeitet in einer Werkstatt an einem übergroßen Ölgemälde mit Christus-Motiv

 Firnis ist ein transparenter Überzug, der nach der Fertigstellung von Künstlern aufgetragen wurde. “Das dient dem Schutz und gibt der gesamten Komposition eine räumliche Tiefe, die Illusion einer dritten Dimension”, so Becker. Außerdem wurden am Rand des Gemäldes Stellen mit fehlender Farbe gefunden.  

Auf Basis der Analysen legten Becker und Chef-Restaurator Stephan Knobloch zusammen das Prozedere für die Restaurierung des Kunstwerks fest.  

Arbeiten mit OP-Mikroskopen 

"Wir arbeiten mit Mikroskopen, die für Operationen in der Augenheilkunde entwickelt wurden", erklärt Knobloch. Stark vergrößert, hat man die empfindliche Oberfläche genau im Blick. Mit einem passenden Lösungsgemisch konnte Becker den alten Firnis lösen.

Sie hatte Glück. Es kann nämlich auch passieren, dass der Firnis sich nicht abnehmen lässt. Dann muss man mit einem fein geschliffenen Skalpell nachhelfen. Auch die Fehlstellen hat Becker mittlerweile ausgebessert. Mit Kitt begradigte sie den Untergrund und retuschierte ihn anschließend mit der passenden Farbe. 

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: "Der Vorher-Nachher-Vergleich zeigt jetzt schon ein sehr befriedigendes Bild", sagt Städel-Kurator Bastian Eclercy. "So wird das Gemälde nicht nur in der Ausstellung, sondern auch nach dem Rückzug in die Sammlung das Städel mit seinem neuen Glanz bereichern."

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Restaurierung im Livestream

Am 12. Juli gaben Lilly Becker und Stephan Knobloch auf Youtube Einblicke in den Restaurierungsprozess. Was haben die anfänglichen Analysen gezeigt, in welchen Schritten wurde das Kunstwerk wie bearbeitet? Wie wurde mit der Größe des Formats umgegangen? Der Livestream fand auf Englisch statt, um auch internationales Fachpublikum zu erreichen.  

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