Plakat Bad Hersfelder Festspiele

Genau einen Tag nach dem voraussichtlichen Ablauf der Corona-Notbremse soll in den hessischen Festspiel-Orten der Vorhang aufgehen: Bad Hersfeld, Hanau und Bad Vilbel haben ihre Festival-Saison kurzerhand auf den 1. Juli verlegt. Jetzt beginnt das große Bangen.

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Es ist eine schwierige Zeit für die Planung von (kulturellen) Großveranstaltungen in Hessen. Was erlaubt die Infektionslage während der Corona-Pandemie? Was gestattet die Politik mit ihren Entscheidungen zu Lockerungen oder Lockdowns? Die Bad Hersfelder Festspiele setzen auf das Prinzip Hoffnung und versprühen trotz derzeit hoher Corona-Zahlen Zuversicht. Sie wollen das renommierte Theater-Freilichtfestival im Sommer auf und über die Bühne bringen.

Um nicht von den strengen gesetzlichen Bestimmungen der bis Ende Juni geltenden Bundes-Notbremse gestoppt zu werden, haben die Theater-Macher in Osthessen den Saisonstart nun auf den 1. Juli verschoben. Die Festspielorte Hanau und Bad Vilbel (Wetterau) verfahren ebenso.

Ursprünglich sollten in Bad Hersfeld am 25. Juni erstmals die Festspiel-Fanfaren erklingen. Doch von diesem Plan nahm man lieber Abstand. Sinkt das Infektionsgeschehen, liegt die Entscheidungshoheit über eine Austragung nämlich voraussichtlich spätestens ab Juli wieder beim Land. Und Hessen ist ein Förderer der Festspiele, die als kultureller Leuchtturm gelten.

Impfen, Testen, Achtsamkeit

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beginn der Bad Hersfelder Festspiele verschoben

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"Intendant Joern Hinkel und die kaufmännische Leiterin Andrea Jung gehen fest davon aus, dass sich die Lage durch Impfen, Testangebote und den achtsamen Umgang miteinander in den nächsten Wochen entspannt", erklären die Festspiel-Macher. Die Rückkehr zu Theater, vor allem unter freiem Himmel, soll unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften und eines Corona-Schutzkonzepts wieder möglich sein.

Die Organisatoren erklären: "Durch die Verschiebung gewinnen die Festspiele wertvolle Zeit." Es bestehe die Hoffnung, "dass bis Ende Juni viel mehr Menschen geimpft sind und ab Juli mit Impfausweis und aktuellem Negativtest der Eintritt zu Veranstaltungen wieder erlaubt wird".

"Der Club der toten Dichter" zum Auftakt

Zum Auftakt der 70. Jubiläumssaison steht dann die Bühnenversion des Hollywoodfilms "Der Club der toten Dichter" auf dem Programm. Am 3. Juli wieder eine Uraufführung: das Musical "Goethe!". Dazwischen startet das Familienstück "Momo" (2. Juli).

Auch wenn das zunehmende Impf-Tempo Hoffnung auf ein Wiederaufleben des Theater-Geschehens macht - sicher sein können sich die Festspiel-Macher nicht mit dem Saisonstart. Angst vor einer Absage von ganz oben? "Wir hoffen, dass das nicht passiert", sagt eine Festspiel-Sprecherin.

Jörn Hinkel, kommissarischer Intendant der Bad Hersfelder Festspiele

Die Festspiele haben schon soviel in die Saison investiert, dass sie alles versuchen wollen, das Festival verantwortungsbewusst zu veranstalten. Die Bühne in der Stiftsruine steht, das Dach ist über der Spielstätte installiert. Und grünes Licht für den Aufbau des Zuschauerraums gab es auch schon.

Hygiene-Konzept mit geringerer Zuschauerzahl

Im Tribünen-Bereich dürfen sich laut aktuellem Hygiene-Konzept der Festspiele nur rund 600 Zuschauer aufhalten. Bei einer Kapazität von eigentlich 1.300 Plätzen wird somit nicht mal die Hälfte belegt. Ein Mindestabstand der Besucher solle so gewährleistet werden. Die Tribüne wird nach hinten verlängert. Die Stuhlreihen werden großzügiger angeordnet, die Sitzplätze paarweise im Schachbrettmuster angeordnet.

Eine Halbierung der Zuschauer-Kapazität bringt natürlich auch weniger Einnahmen. Dennoch versuchen die Macher, Theater anzubieten. Sie wollen als einer der renommiertesten Festspiel-Orte im deutschsprachigen Raum die Fahne hochhalten. Im Vorjahr wurde wegen Corona eine Light-Version mit abgespecktem Programm angeboten.

Um das Infektionsrisiko auch im Ensemble und bei den Festspiel-Mitarbeitern gering zu halten, werden Teams für die jeweiligen Inszenierungen gebildet. Sie sollen untereinander keinen Kontakt haben. Alle Mitarbeiter werden zudem regelmäßig getestet, wie Intendant Hinkel erklärte.

Auch Hanau und Bad Vilbel starten erst ab 1. Juli fürs Publikum

Auch andere Festspielorte suchen bei den Planungen nach dem richtigen Weg. Hanau verschob den Festspielstart von Mitte Mai auf den 1. Juli. Die Saison wurde von zehn auf acht Wochen verkürzt. Präsentiert wird weitgehend das fürs Vorjahr geplante Programm. Statt der 1.250 Zuschauer dürfen voraussichtlich nur etwa 320 Zuschauer ins Amphitheater.

Intendant Frank-Lorenz Engel vermisst Augenmaß der Politik bei den Beschränkungen. So sei bei der Bundes-Notbremse nicht unterschieden worden zwischen Open-Air und Indoor-Veranstaltungen. "Da Forscher sagen, dass die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft sehr gering ist, verstehe ich nicht, wieso man nicht draußen Theater spielen darf", beklagt Engel.

Auch in Bad Vilbel bei den Burgfestspielen kann es erst vom 1. Juli an mit Vorstellungen vor Publikum losgehen, wie die Organisatoren am Freitag ankündigten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.04.2021, 16.45 Uhr