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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fee: "Es ist ein einziges Auf und Ab"

Die Frankfurter Sängerin Fee.

Eine Gitarre und eine gefühlvolle Stimme, das sind die Zutaten für ihre Musik: die Sängerin Felicitas "Fee" Mietz über ihr neues Album "Nachtluft" und Musikproduktion in Corona-Zeiten.

Als Kind sang sie in einem Marburger Kinderchor, aus einer Gießener Band mit Plattenvertrag stieg sie aus, seit 2010 lebt und produziert sie in Frankfurt: die Singer-Songwriterin Fee. Für ihr erstes Album bekam sie 2019 Udo Lindenbergs "Panikpreis" für unangepasste Musik verliehen. Warum Fee, die mit bürgerlichem Namen Felicitas Mietz heißt, ihr zweites Album mitten im zweiten Corona-Lockdown herausgebracht hat und was es mit ihrem Künstlernamen auf sich hat, verrät sie im Interview.

hessenschau.de: Die Corona-Zeit ist nicht die beste Zeit für ein neues Album - Sie möchten wahrscheinlich gleich rausgehen und die neuen Lieder vor Publikum singen. Hatten Sie überlegt, die Veröffentlichung zu schieben? 

Fee: Ursprünglich wäre das Album schon für September 2020 geplant gewesen. Aber das habe ich dann geschoben, in der Hoffnung, dass man Anfang 2021 wieder touren kann. Dann habe ich meine Tour von Oktober auf Februar, März geschoben. Jetzt sieht es wieder nicht so richtig gut aus mit Konzerten. Aber ich wollte das Album trotzdem rausbringen, weil: Es ist fertig, und es ist irgendwie affig zu warten. Auch in dieser seltsamen Zeit, finde ich, braucht es neue Musik.

hessenschau.de: Sie schreiben Ihren Künstlernamen "Fee." mit Punkt. Warum ist Ihnen der Punkt wichtig?

Fee: Der steht für die Anfänge meines Soloprojekts. Ich wurde schon immer Fee genannt, von Geburt an. Der Punkt steht dafür, dass ich vorher in einer Band war, aus der ich raus wollte. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Es war wie ein Befreiungsschlag, als ich dann gesagt habe: Fee und Punkt. Ich mache jetzt alles selbst, nicht das Label entscheidet oder das Management oder wer auch immer, sondern einfach hundertprozentig Fee.

hessenschau.de: Sie haben für dieses neue Album tatsächlich viel selbst gemacht, es selbst geschrieben, Geld per Crowdfunding gesammelt, teilweise in Eigenregie aufgenommen. Sind Sie ein Kontrollfreak? Oder haben Sie einfach schlechte Erfahrungen gemacht? 

Fee: Ich würde nicht sagen, dass ich ein Kontrollfreak bin, aber ja, schlechte Erfahrungen habe ich in der Tat gemacht. Ich kann nur wirklich authentisch sein, wenn ich zu hundert Prozent hinter dem stehe, was ich da mache. Sobald etwas irgendwie ein fauler Kompromiss ist, der mir nicht entspricht, kann ich es auch nicht mehr wirklich vertreten. Das ist einfach für mich die oberste Bedingung.

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hessenschau.de: Sprechen Sie von Ihrem Vertrag mit einer großen Plattenfirma, damals als Frontfrau der Gießener Band "Neoh"? Da sind Sie ausgestiegen… 

Fee: Genau aus diesem Grund. Mir hat die Musik immer weniger entsprochen. Es war mir zu sehr auf Radio ausgelegt, und ich habe mich ein bisschen darin verloren. Man entwickelt sich ja im Leben weiter und mir entsprach es nicht mehr, ganz glatten Pop zu machen. Mir war immer besonders wichtig: Wie sagt man was in welchen Texten? Also was drückt man aus.

hessenschau.de: Ihr neues Album klingt musikalisch sehr vielseitig, von ganz ruhigen Gitarrenballaden bis zu ziemlich frischen Popnummern ist einiges dabei. Spiegelt das auch die Musik wider, die Sie selbst gerne hören?

Fee: Ich versuche immer, den Songs das Kleid zu geben, das sie meiner Meinung nach brauchen. Und ich will mich musikalisch nicht einschränken lassen. Mir ist klar, dass ich damit nicht so gut in eine Schublade passe, sondern vielleicht in viele verschiedene, aber das ist mir relativ egal. Ich glaube, man erkennt trotzdem, wer ich bin und wofür ich stehe, vor allem durch die Texte. Ich glaube, was am meisten Wiedererkennungswert hat in meiner Musik ist, dass ich oft eine gewisse Melancholie an den Tag lege. Aber nie so ein Rumgejammer, sondern immer auch mit einer Zuversicht dahinter.

hessenschau.de: Wie gehen Sie beim Songschreiben vor? Schreiben Sie erst die Texte und überlegen dann, welche musikalische Umsetzung sie am besten stützen könnte? 

Fee: Meistens entsteht das gleichzeitig. Manchmal schrammel ich einfach auf der Akustikgitarre los. Mittlerweile spiele ich auch häufiger mal E-Gitarre, weil ich eine wundervolle E-Gitarre von meinem Freund gebaut bekommen habe. Bei diesem Album habe ich auch zum ersten Mal angefangen, Dinge schon vorzuproduzieren, bevor ich andere Leute, Produzenten oder so ins Boot hole. Ich bastele dann hier in meinem kleinen Homestudio: ein paar Beats, vielleicht ein Klavier dazu. 

Man kann ja heutzutage viel über digitale Schnittstellen wie MIDI machen. Dass man einfach sagt: "Hey, ich möchte gerne eine Oboe im Song haben". Dafür muss ich nicht gleich Oboe spielen können, ich muss nur wissen, welche Töne passen wozu. Da probiere ich ganz viel rum. 

hessenschau.de: Stichwort Produktion: Die Aufnahmen entstanden alle in diesem Corona-Jahr. Haben Sie da notgedrungen andere Produktions-Methoden ausprobiert? 

Fee: Teilweise schon. Die Instrumente sind alle im Studio in Frankfurt aufgenommen worden. Den Gesang habe ich komplett allein zuhause in meinem Schlafzimmer aufgenommen. Das ist ein kleiner Raum, knapp 15 Quadratmeter, noch mit Dachschräge. Und es steht sehr viel drin. Die Fläche, die noch frei war, habe ich vollgestellt mit Absorbern, so dass es da drin richtig gut klang.

Es war total schön, das so zu machen. Ich habe mir irre viel Zeit gelassen, denn es war die Zeit des Lockdowns. Ich habe den Gesang immer wieder neu aufgenommen, bis ich wirklich zufrieden war. Es war auch schön, weil ich morgens aufgewacht bin und dachte: "Mensch, jetzt fühlst du dich gerade danach, den und den Song einzusingen." Ich konnte das direkt machen, statt mich erstmal anzuziehen, ins Studio zu gehen und damit schon eine gewisse Erwartungshaltung zu schaffen. Es hatte etwas Leichtes. 

hessenschau.de: Stellen Sie sich beim Texten der Lieder eigentlich gerne ganz bestimmte, real existierende Menschen vor? Und haben Sie dann manchmal die Sorge, man könnte diese Menschen wiedererkennen? 

Fee: Es gab tatsächlich Momente, in denen ich dachte: Nicht, dass die betreffende Person checkt, dass es um sie geht: Vor allem eben, wenn um etwas Unausgesprochenes, Ungeklärtes geht. Ich schreibe schon viel autobiographische Sachen, aber bei dem Album habe ich mir zum ersten Mal bewusst fiktive Geschichten ausgedacht.

hessenschau.de: Zum Beispiel?

Fee: Zum Beispiel bei "Ernst des Lebens". Das war der erste komplett fiktive Song. Ich habe eine Person kreiert, den Ernst. Der ist für mich ein Typ, so um die 50, der den Ernst des Lebens verkörpert. Ich habe mir vorgestellt, wie der so lebt und habe das aufgeschrieben. Das war eine ganz neue Erfahrung. Also ich habe auf jeden Fall beides auf dem Album: viel Autobiographisches, aber auch Fiktives.

hessenschau.de: In "Straßburger Straße" ist der autobiographische Bezug offensichtlich. Können Sie erklären, welche Geschichte Sie darin erzählen? 

Fee: Das ist auf jeden Fall der persönlichste Song und für mich auch der emotionalste. Es geht darum, dass meine Oma vor ungefähr zwei Jahren gestorben ist. Sie hat in Duisburg gelebt, in der Straßburger Straße. Meine Familie und ich, wir waren bei ihr zu Besuch und ihr ging es nicht so gut, aber wir haben nicht gedacht, dass sie sterben wird. Und dann standen wir plötzlich bei ihr in der Wohnung und bekamen den Anruf, dass sie gestorben ist.

Das war ein total seltsames Gefühl, auf einmal in ihrer Wohnung zu sein und zu wissen, sie ist gerade gestorben. Dann auch, sich um die Beerdigung zu kümmern und Dinge in der Wohnung zu finden, Unterlagen, die man braucht. Private Dinge wegzuschmeißen und anderes. Genau diesen Moment habe ich versucht einzufangen. Ich wollte aber nicht, dass es pathetisch wird und dass darin Worte wie "Tod" oder "Grab" vorkommen. Ich wollte alles mit Bildern umschreiben. Ich finde, es ist gut geworden.  

hessenschau.de: Wie sind Sie auf den Albumtitel gekommen, "Nachtluft"? 

Fee: Das Wort "Nachtluft" kommt auch in dem Song "Straßburger Straße" vor, so bin ich darauf gekommen. Ich habe wirklich lange gegrübelt, wie das Album heißen soll. Bei "Nachtluft" dachte ich dann: Ja, das ist es! Dieses Album hat viele Facetten: Die Hälfte der Songs hat eher einen positiven Vibe. Die verbreiten gute Laune, da denkt man vielleicht an eine laue Sommernacht mit Freunden.  

Die andere Hälfte des Albums hat eher etwas Melancholisches. Und ich finde, das drückt "Nachtluft" auch aus. Diese klare Luft, es ist dunkel, ganz ruhig, man ist alleine. Und deswegen war das für mich die perfekte Mischung. 

Das Interview führte Martin Kersten.

Sendung: hr3, 06.12.2020, 22.23 Uhr