Kombination aus zwei Fotos. Links, die Löwenburg im Kasseler Bergpark in der Außenansicht und rechts der Weiße Ritter in der Ausstellungsvitrine.

Um den schwarzen Ritter in der Ausstellung der Kasseler Löwenburg ranken sich dunkle Legenden. Ihm gegenüber steht nun ein anderer Ritter, ein weißer aus Porzellan. Der niederländische Künstler van Houwelingen verbindet damit eine politische Botschaft.

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Audioseite Neuer Ritter zieht in die Löwenburg ein

Weißer Ritter Aufbau Löwenburg
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Mitten im Bergpark steht eine Burg wie aus einem Disneyfilm mit spitzen Türmchen: Kurfürst Wilhelm I. inszenierte hier im 18. Jahrhundert einen seiner luxuriösen Träume, von außen eine Ritterburg, von innen ein prunkvolles Lustschloss. Mittlerweile beherbergt die Burg eine Ritterausstellung, ein neues Exemplar soll einen modernen Glanz bringen: ein weißer Ritter aus Porzellan. Ein zerbrechliches Werk des niederländischen Künstlers Hans van Houwelingen.

Ritter soll zeigen, dass Demokratie fragil ist

Am Donnerstag baute der Künstler seinen weißen Ritter auf. Die Porzellanteile wurden einzeln geliefert, Brustharnisch, Hände, Beinschienen, alles verbunden mit Lederriemen. "Die sehen aus wie Pflaster", sagt der Künstler, der Ritter soll dadurch "stark sein und auch weich". Houwelingen hat mehrere weiße Ritter gebaut. Einen kaufte die Museumslandschaft Hessen Kassel für einen fünfstelligen Betrag. Der Porzellanritter habe für ihn eine besondere Botschaft, sagt van Houwelingen: "Ich möchte zeigen, dass Politik zerbrechlich ist", sagt er.

Eine Demokratie könne tausend Jahre gut gehen und dann passiere etwas, das sie zerstören kann. "Diese Spannung will ich in den Rüstungen zeigen, sie repräsentieren Kraft, Stärke und Gewalt, aber auch Zerbrechlichkeit", sagt van Houwelingen.

Der Direktor der Museumslandschaft, Martin Eberle, habe einen der weißen Ritter des Künstlers in den Niederlanden gesehen und wollte ein Exemplar als Kontrast zum schwarzen Ritter in die Löwenburg stellen, sagt Restauratorin Anne Becker. Porzellan statt Rüstungen aus Eisen und Stahl. Der weiße Ritter sei nun umgeben von historischen Objekten etwas Besonderes, sagt Becker.

Löwenburg wieder geöffnet ....

Becker half beim Aufbau und dokumentierte jeden einzelnen Schritt mit Handybildern - für den Fall, dass der Ritter irgendwann abgebaut und wieder aufgebaut werden muss, Schritt für Schritt. Das könnte schon bald passieren, die Löwenburg wird seit 2017 restauriert, im nächsten Bauabschnitt könnte der weiße Ritter schon wieder im Weg stehen. Seit September dürfen wieder Besucher in die pseudomittelalteriche Burg von Wilhelm I..

Der zart gebaute weiße Ritter steht nun der berühmten massiven Rüstung des schwarzen Ritters der Löwenburg gegenüber. Der Legende nach nahm sich der junge Christian von Eschwege im Jahr 1821 ein Herz und meldete sich freiwillig, um bei der Beisetzung von Kurfürst Wilhelm I. die schwarze Ritterrüstung zu tragen. Auf dieser Rüstung liegt der Legende nach aber ein Fluch. Wer sie trage, folge bald dem Toten ins Jenseits.

... aber womöglich spukt es

Tatsächlich starb Christian von Eschwege noch im selben Jahr. Der Ritter soll sich beim Tragen der schweren Rüstung eine todbringende Erkältung zugezogen haben. Seinen Frieden hat der Edelmann aber allem Anschein nach nicht gefunden. Die Legende berichtet, wie er regelmäßig aus seiner Gruft steigt, um im Bergpark herumzuspuken. Beobachtet hat ihn freilich dabei noch niemand richtig.

Restauratorin Becker kann sich jedenfalls nicht erinnern, dass sich die schwarze Rüstung jemals bewegt habe: "Er ist mir als unruhiger Geist noch nicht aufgefallen, er stand immer auf dem Gestell und hat sich gut benommen".

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Die Ritterausstellung in der Löwenburg

Die Löwenburg kann seit dem 1. September wieder in Teilen besichtigt werden, der Eintritt ist wegen den Bauarbeiten günstiger als sonst. Die Besichtigung ist nur mit den stündlich stattfindenden Führungen möglich. Aktuell ist die Löwenburg Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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