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Melissa Ndugwa über ihre K-Pop-Leidenschaft

Frankfurt verwandelt sich immer mehr zur K-Pop-Metropole Deutschlands: Hunderte Fans treffen sich dort zu Veranstaltungen und Tanzkursen. Wie hat der koreanische Pop so viele hessische Fans gewonnen?

Schrille Farben, perfekt abgestimmte Tanz-Choreografien und Songs mit einem eingängigen Sound: Willkommen in der K-Pop-Welt! K-Pop, das steht für Korean Pop - und koreanische Bands wie BTS und Blackpink stürmen längst auch die deutschen Charts. 

Frankfurt ist sogar auf dem Weg, zur deutschen K-Pop-Metropole zu werden und lässt dabei Städte wie Berlin oder Düsseldorf hinter sich. Isabel Opitz, Redaktionsleiterin des K-Pop-Magazin "K*Bang", hat dafür eine einfache Erklärung: "Frankfurt ist ein Ballungszentrum vieler Koreaner in Deutschland. Um die Stadt herum sind sehr viele Firmensitze koreanischer Unternehmen."

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K-Pop-Gruppe Shapgang tanzt sich zum Erfolg

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Das habe auch Auswirkungen auf das kulturelle Angebot. Neben dem koreanischen Filmfestival sei nun eben auch K-Pop etabliert - mit allem, was dazugehört: In Frankfurt gibt es den einzigen K-Pop-Laden Deutschlands und mit K*Bang das erste K-Pop-Magazin. Im Mai 2022 soll auch das erste K-Pop-Festival Europas in Frankfurt stattfinden.

"Es ist ein Lifestyle und kein Hobby"

Die Fangemeinde erlebt Isabel Opitz als sehr treu und gut vernetzt. "Es ist ein Lifestyle und kein Hobby nebenbei. Man ist mit Leib und Seele Fan." Seit fast zehn Jahren verfolgt sie in ihrem Magazin die Musik, die Kultur und die Fanszene. 2011 als einmaliges Sonderheft geplant, gibt sie heute zweimal im Jahr 25.000 Ausgaben heraus.

Sie erklärt: Viele Fans hörten ausschließlich K-Pop, äßen das Essen ihrer Idole, lernten koreanisch und unterstützten die Künstler intensiv. Dazu gehöre auch die finanzielle Unterstützung der Bands durch den Kauf von Fanartikeln, wie es im "Daebak" im Frankfurter Stadtteil Schwanheim möglich ist. Dort bekommen Fans neben den Alben ihrer Idole auch eine breite Palette an Fan-Artikeln von T-Shirts bis zu Plüschtieren.

Bis zu 200 Fans kommen zu Tanz-Treffen nach Frankfurt

Melissa K pop

Die 21-jährige Studentin Melissa Ndugwa ist eine dieser Fans. Sie gehört zum Organisationsteam des "Random Dance Plays" (RPD), einem monatlichen Tanz-Treffen von bis zu 200 K-Pop-Fans aus Frankfurt und Umgebung. Es ist deutschlandweit das größte seiner Art.

Am Anfang seien es etwa 30 Personen gewesen, die K-Pop-Tanzchoreografien am Goetheplatz aufgeführt hätten - damals noch mit einer kleinen Musikbox, erinnert sich Melissa Ndugwa. Schnell habe sich das Treffen herumgesprochen und immer mehr Fans hätten an den Treffen teilgenommen.

Durch Spenden habe man eine laute Musikanlage kaufen können und so noch mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Heute findet das RPD-Treffen in einer Tanzhalle hinter dem Hauptbahnhof statt, professionell geplant und organisiert. "Ich konnte dadurch so viele Menschen kennenlernen und jüngeren Teilnehmern einen Zugang zu einer coolen Freizeitaktivität ermöglichen", erzählt Melissa.

Die K-Pop-Szene ist gut vernetzt

Diese Verbundenheit hat für Melissa Ndugwa selbst eine tragende Rolle gespielt. Während ihrer Pubertät habe sie wegen einer chronischen Krankheit und einer Stammzellentransplantation viel Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Damals sei K-Pop für sie nicht nur eine Ablenkung, sondern eine positive Bestärkung gewesen.

In jeder Alltagssituation habe es den passenden K-Pop-Content gegeben, ob zum Lachen oder zum Weinen. Selbst ein "gemeinsames" Mittagessen von Fans und Stars sei möglich gewesen - digital in Form eines Streams mit bis zu mehreren Millionen Teilnehmern.

Von der Nische zur Community

Linda K pop

Dass die K-Pop-Community immer größer geworden ist, spürt auch Linda Rauthe aus Dieburg (Darmstadt-Dieburg). Sie ist Fan, seit sie vor zehn Jahren zufällig auf ein K-Pop-Musikvideo auf Youtube gestoßen ist. In der Schule sei sie mit ihrem Interesse anfangs eher allein gewesen, bis immer mehr Freunde und sogar ihre Mutter zu Fans wurden.

Mittlerweile ist K-Pop für sie sogar zum Beruf geworden: Sie hat ein eigenes Tanzstudio in Dieburg und gibt zweimal die Woche K-Pop-Tanzkurse. Das sei nicht unbedingt geplant gewesen, gibt sie zu. Die Besitzerin eines Tanzstudios habe sie als Lehrerin angefragt.

Zu ihrem ersten K-Pop-Tanzkurs seien nur zwei Teilnehmer gekommen. Mittlerweile ist die Gruppe gewachsen und immer öfter nehmen nicht nur Teenager, sondern auch 30- bis 40-jährige Fans an ihren Kursen teil.

"Jeder wird akzeptiert"

Für Linda Rauthe ist die Stimmung in ihren K-Pop Kursen anders als in "normalen" Tanz-Workshops. "Das Miteinander ist deutlich intimer und der Austausch über K-Pop-Themen verbindet uns sehr. Man ist auf einer gemeinsamen Wellenlänge." Es habe sich eine richtige Community entwickelt.

Ähnlich formuliert es Melissa Ndugwa, wenn sie über ihre Tanztreffen in Frankfurt spricht: "Wir bieten für K-Pop-Fans einen sicheren Zufluchtsort und jeder wird akzeptiert." K-Pop, das scheint eben mehr zu sein als nur ein Musikstil.