Fünf Fotos der Hochhäuser von Zaha Hadid Architects, Skidmore Owings Merrill, Heatherwick Studio, Bjarke Ingels Gropu und OMA, die im Finale um den Preis ringen.

Der Internationale Hochhauspreis ist an die Schöpfer des schwedischen "Norra Tornen" gegangen. Ein Gebäude in Frankfurt schaffte es sogar unter die Top Five. Die innovativsten Konzepte entstehen aber nicht in "Mainhattan".

Der gerade fertiggestellte Omniturm ist ein schwungvoller Neuzugang im Frankfurter Bankenviertel. Die klare Glasfassade macht in der Mitte einen eleganten "Hüftschwung", so als seien einige Etagen durch einen Kick von der Seite ins Rutschen geraten. Doch nicht nur die spektakuläre Optik macht das 190 Meter hohe Gebäude des dänischen Architekten Bjarke Ingels für die Jury des Internationalen Hochhauspreises interessant.

Der Omniturm ist auch das erste so genannte "Hybridhochhaus" in einem deutschen Stadtzentrum, in dem verschiedene Nutzungen kombiniert werden: Neben Büros gibt es hier Geschäfte, Gastronomie und Wohnungen, deren Balkone von den verschobenen Stockwerken gebildet werden.

Omniturm Frankfurt

Stockholmer Wohntürme ausgezeichnet

Schön, dass es mit dem Omniturm endlich mal wieder ein Frankfurter Hochhaus unter die fünf Finalisten des renommierten Preises geschafft hat! Mit dem strahlend weißen Wohnturm Grandtower im Europaviertel kam sogar noch ein zweiter Kandidat aus Frankfurt in den Kreis der 31 nominierten Projekte.

Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frankfurter Skyline international längst nicht (mehr) mithalten kann, wenn es um innovative Hochhausprojekte geht. Ausgezeichnet wurden am Donnerstag die zwei Stockholmer Wohntürme "Norra Tornen"des Rotterdamer Architekturbüros OMA.

Die Türme Norra Tornen in Stockholm

Die spannendsten Gebäude stehen in China

Hier liegen asiatische Länder weit vorne, aber auch in Beirut oder Mexico City entstehen spannende Wolkenkratzer. Jedes dritte Hochhaus mit über 100 Metern weltweit wird derzeit in China gebaut, von hier kommen auch die meisten Nominierten im aktuellen Jahrgang des Hochhauspreises. Nicht selten sind es übrigens europäische Architekten, die in Preisverdächtiges China bauen - darunter in diesem Jahrgang mit GRAFT und gmp auch zwei deutsche Büros.

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Internationaler Hochhauspreis 2020

Der Internationale Hochhaus Peis (International Highrise Award) wurde von der Stadt Frankfurt, dem Deutschen Architekturmuseum und der DeKaBank ins Leben gerufen und gilt als der weltweit renommierteste Preis für Hochhäuser von mindestens 100 Metern Höhe. Der Preis wird seit 2004 alle zwei Jahre verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert.

Die nominierten Entwürfe und die Sieger des Internationalen Hochhauspreises sind in einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen - coronabedingt zunächst nur an diesem Wochenende, nach Wiedereröffnung der Museen bis zum 21. Februar 2021.

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Frankfurt übt biedere Zurückhaltung

Was aber ist los mit der Hochhausstadt Frankfurt? Für die ihre Skyline doch so wichtig ist. Für wirklich spektakuläre Entwürfe fehlt uns hier offenbar der Mut. Selbst der Omniturm kommt - verglichen mit den ansonsten äußerst kühnen Werken seines Architekten Bjarke Ingels - arg brav daher.

Frankfurts biedere Zurückhaltung in Sachen Architektur macht sich übrigens nicht nur beim Hochhausbau bemerkbar. Als vor gut zehn Jahren über den Neubau einer Häuserzeile am Frankfurter Goetheplatz entschieden wurde, konnte sich die britisch-irakische Stararchitektin Zaha Hadid mit ihren futuristischen Formen am Ende nicht durchsetzen. An gleicher Stelle machte der französische Stararchitekt Jean Nouvel die bittere Erfahrung, dass sein Entwurf mit einem weit über den Platz ragenden Dach bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde.

Zu viele Büros, zu wenig Grün

Auch andere Kriterien für preiswürdige Architektur spielen beim Hochhausbau in Frankfurt bisher kaum eine Rolle. Während in Singapur begrünte Fassaden an immer mehr Wolkenkratzern für natürlich gekühltes Wohnen sorgen, rückt der Klimawandel erst langsam in den Fokus der hiesigen Planer.

Am Rande des Europaviertels im Stadtteil Gallus entsteht gerade ein Mini-Wohnturm, dessen große Balkone üppig bepflanzt werden sollen. Von "vertikalen Gärten" ist die Rede. Das Projekt trägt den gleichen beziehungsreichen Namen wie der grüne Hochhauspeis-Finalist aus Singapur: "Eden". Bei der Nutzung dominieren in Frankfurt weiter reine Bürohochhäuser, die zur Belebung der Innenstädte wenig beitragen.

Für die da oben

Öffentlich zugängliche Foyers, Restaurants und Geschäfte wie im Omniturm sind bisher die Ausnahme. Doch auch da bewegt sich was: Unter den neu entstehenden Frankfurter Hochhäusern befinden sich einige, die Wohnen, Arbeiten und Hotelnutzung verbinden sollen.

Bleibt die soziale Frage: Anders als in den Boom-Zeiten des sozialen Wohnungsbaus ist Wohnen im Hochhaus heute nämlich überwiegend Luxus. Mit Quadratmeterpreisen im fünfstelligen Bereich sind Hochhauswohnungen auch in Frankfurt oft nur eine Geldanlage für Superreiche. Zur Belebung der Innenstadt tragen solche kaum bewohnten Investitionsobjekte nicht bei.

Sendung: hr-iNFO, 30.10.2020, 20.35 Uhr