Autokino Gravenbruch

60 Jahre Autokino - und keiner fährt hin. Wegen Corona ist das Kultkino in Gravenbruch an seinem Geburtstag geschlossen - sehr zum Bedauern seines Betreibers. Er könnte sich einen Betrieb unter Corona-Auflagen gut vorstellen.

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hsk
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Vor 60 Jahren wurde im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch Kinogeschichte geschrieben: Das erste Autokino Deutschlands wurde eröffnet. Eine geplante Feier fällt nun wegen der Corona-Krise aus – das Autokino ist geschlossen, die Feier wird verschoben. "Wir hoffen, dass wir das später nachholen können", sagt Kino-Chef Heiko Desch. "Das wird jetzt eher ein trauriger Geburtstag."

Stadt Neu-Isenburg geht kein Risiko ein

Man könnte meinen, dass wenn überhaupt noch irgendeine Freizeitbeschäftigung möglich wäre, dann das Autokino: Alle sitzen abgeschottet in ihrem Wagen, die Höchstgrenze von zwei Menschen ist leicht zu kontrollieren und Tickets kann man online kaufen. Trotzdem war der Stadt Neu-Isenburg das Ansteckungsrisiko zu hoch. "Wir als Stadt sehen in Abstimmung mit unseren Ordnungsbehörden in dem Autokino ein Freiluftkino und halten uns streng an die Vorgaben. Deswegen ist das Kino nun leider geschlossen", sagt Andrea Quillich von der Wirtschaftsförderung. Sie beruft sich auf die 4. Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus des Landes Hessen, in der Freiluftkinos explizit aufgeführt sind. Man könne nicht gewährleisten, dass es tatsächlich keinen Kontakt unter den Gästen gibt.

Gravenbruch sieht sich nicht als Freiluftkino

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Autokino Gravenbruch bleibt wegen Corona geschlossen.

Premierenvorstellung im ersten deutschen Autokino in Gravenbruch bei Frankfurt am Main im April 1960.
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Kinobetreiber Desch muss das so akzeptieren, kann es nach eigener Aussage aber trotz aller Vorsicht nicht ganz nachvollziehen. In Essen (Nordrhein-Westfalen) etwa habe das Autokino noch geöffnet. "Ich war dieser Tage selbst dort, um mir das anzuschauen. Das läuft alles ganz diszipliniert und ohne Probleme ab." Alle blieben in ihren Autos und selbst die Tickets würden durch die geschlossene Scheibe abgescannt. Anders als die Stadt sieht er das Autokino nicht als ein Freiluftkino an.

Aus jedem Jahrzehnt ein Film-Klassiker

Für das Jubiläum hatte sich Desch ein besonderes Programm überlegt: Vom 31. März an wollte er sechs Film-Klassiker aus jeweils einem Jahrzehnt zeigen. Zudem sollte es Verlosungen geben und am 1. Mai ein großes Familienfest mit Live-Musik.

Als Premierenfilm flimmerte 1960 der oscargekrönte Streifen „Der König und ich“ mit Yul Brynner und Deborah Kerr über die riesige Leinwand. Bereits in den ersten fünf Monaten kamen 250.000 Besucher. Sechs Jahrzehnte später bietet das Kino noch immer Platz für etwa 1.000 Fahrzeuge - normalerweise.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 31.3.2020, 16.45 Uhr; hr2 kulturcafé, 31.3.2020, 16.05 Uhr.