Gruppenbild mit drei Furrys

Zwischen Subkultur und Fetisch: "Furrys" schlüpfen in flauschige Ganzkörper-Tierkostüme. Sie treffen sich mit Gleichgesinnten und betreiben Spaß und Weltflucht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Furrys" - Weltflucht im tierischen Flauschkostüm

Vogelkostüm
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Jannik findet rote Pandabären knuffig. Der junge Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis hat ein sehr ausgefallenes Hobby, das ursprünglich aus den USA kommt. Er ist ein "Furry": In seiner Freizeit zieht sich Jannik ein flauschiges Ganzkörperkostüm über und erspürt seine tierischen Qualitäten, zusammen mit Gleichgesinnten.

Abschalten und sich gehen lassen

Der 22-jährige IT-Systemelektroniker trifft sich mit Freunden im Verein "Freunde auf 2 Pfoten", die ebenfalls gerne im Tierkostüm herumlaufen, oder genauer im "Suit", wie die Furrys ihren Pelz nennen. "Es ist unheimlich lustig den Suit anzuziehen und sich das erste Mal vor den Spiegel zu stellen und sich nicht selbst zu sehen", sagt Jannik.

"Sobald man den Kopf aufzieht, wird man zum Charakter, und das ist ein tolles Gefühl." Im Pelz kann Jannik "abschalten und sich gehen lassen". Auch wenn viele seiner Freunde zuerst etwas erstaunt gewesen seien, für Jannik ist seine Leidenschaft für Furrys wichtig. "Ein Hobby, das von der Norm abweicht, aber für mich ist es eine Freizeitbeschäftigung, um mich von meiner Umwelt abzulenken."

Eine eingeschworene Gemeinschaft

Auch Jonas Belzer hat seine Leidenschaft für den Kunstpelz entdeckt. Der 25-jährige Schreinergeselle aus Friedrichsdorf (Hochtaunus) hat schon seit einigen Jahren sein eigenes Kostüm, seinen "Charakter". Er hat sich für einen Greif entschieden. "Das ist ein mythologisches Tier", sagt er, eine Art Mischung aus Adler und Löwe, mit braunem Fell und einem großen, gelben Schnabel. "Dann bin ich nicht mehr der Jonas, sondern der 'Tobi' und lege auch andere Charakterzüge an den Tag“. An seinem Tier habe er seit Jahren gearbeitet.

Jeder Furry entwickele seine eigene Geschichte. Als "Tobi" könne er einfacher auf Menschen und vor allem Kinder zugehen. Er "blödele" gerne mit den anderen Furrys herum und das mache "richtig viel Spaß", sagt Jonas, der in seiner Freizeit auch bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeitet. Auf gemeinsamen Events bewundern die Furrys gerne auch die ausgefallenen Ideen der anderen. "Die sind genauso verrückt wie ich."

Furrys Gruppenbild

Bis zu 5.000 Euro für einen Kunstpelz

In ihre Kostüme investieren die Furrys nicht nur Zeit und Ideen, sondern auch viel Geld. "Die Kosten für den maßgeschneiderten Pelz beginnen bei 1.700 Euro", sagt Patrick Trapp, der Vorsitzende des Furry Vereins "Freunde auf 2 Pfoten". Nach oben seien keine Grenzen gesetzt. Er selbst habe fünf Kostüme, darunter einen Tiger, einen Säbelzahntiger, und einen Wolf. "Mein teuerster Suit hat mich 5.500 Euro gekostet". Es gibt sogar Suits mit LED Augen, mit beweglichen Schnauzen oder beweglichen Ohren, mittlerweile werde sogar mit Wasserkühlung im Anzug herumgespielt, so der Vereinsvorsitzende.

"Das hat nichts mit Sex zu tun"

Trapp spricht von Subkultur und benutzt das Wort "Fandom". Für ihn ist das Furry-Fandom eine eingeschworene Gemeinschaft von Fans, die die Vermenschlichung von Tieren gut finden und sich mit Tieren identifizieren können. "Und wenn sie sich das Kostüm überschmeißen, dann wird der eine oder die andere selbst zum Tier". Für manche Furrys sei das Fandom durchaus auch ein Fetisch sagt Trapp, aber: "Das hat nichts mit Sex zu tun."

Wer einmal im Kostüm steckt, der spielt seine Rolle konsequent. Gesprochen wird dann nicht mehr. "Denn Tiere können ja auch nicht sprechen." Der Zauber dürfe nicht zerstört werden. Sobald man unter Menschen geht und in der Öffentlichkeit ist, werde das Kostüm nicht mehr abgenommen.

Weitere Informationen

Furrys in Deutschland

Die Furry-Bewegung ist eine eingeschworene Gemeinschaft und wächst weltweit. Während der Corona-Pandemie wurden alle Begegnungen abgesagt, aber sobald der Lockdown vorbei ist, gehen die Vorbereitungen weiter. Im Juli startet die Eurofurence 26 - der größte Furry-Event in Deutschland in Berlin. Dort werden bis zu 4.000 Furrys erwartet.

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Sendung: hr-iNFO, Funkkolleg Folge 1, 04.12.2020