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Audioseite Vier Senioren erzählen von ihren Lebensfehlern

Collage von vier Senioren.

Eine Bewerbung nicht abgeschickt? Die Jugendliebe aus den Augen verloren? Im Leben passieren oft Dinge, die sich im Nachhinein als Fehler herausstellen. Vier etwa 100-Jährige berichten über ihre größten Versäumnisse - und wie sich manches am Ende doch zum Guten wendet.

Es gibt eine Reihe kurioser Jahrestage, und so ist der 15. August in den USA der National Failures Day, der sogenannte Tag der Fehler. Ein Leben ist oft lang und ein Fehler schnell gemacht. Allerdings relativiert sich auch manches, wenn man mit zeitlichem Abstand zurückblickt. Vier Menschen, alle sind um die 100 Jahre alt, erzählen uns von ihren tatsächlichen und vermeintlichen Fehlern.

Ilse Krumpeter, 101 Jahre, Frankfurt

Porträtaufnahme von Ilse Krumpeter, 101 Jahre

"Insgesamt war ich zu faul. Ich war nicht ehrgeizig, ich habe mich in der Schule nicht angestrengt. Ich dachte immer, Hauptsache man kommt so durch und das war natürlich falsch. Ich hab dann auch nicht studiert, sondern war Sekretärin in verschiedenen Kliniken. Vielleicht hätte ich als Ärztin größere Erfolge erzielen können - aber ich habe meine Arbeit immer gerne gemacht."

Und in der Liebe? "Ich war verheiratet, bin aber geschieden, es passte mit meinem Mann nicht. War also ein Fehler. Naja, das kann man vorher nicht wissen. Aber ich war nach der Scheidung zufriedener. Und nicht zu heiraten, da hätte mir was gefehlt, mein Sohn, meine Enkel und die Urenkel zum Beispiel."

Peter Lissa, 102 Jahre, Frankfurt

Porträtaufnahme von Peter Lissa, 102 Jahre alt

"Ein näherer Verwandter hat mich mal richtig heftig angeschimpft, eigentlich grundlos, dem passte irgendwas nicht. Und da hab ich gesagt: 'Du kannst mir den Buckel runterrutschen, ich brauch dich ja nicht.' Ich hab' das mitgeschleppt. Aber eines Tages kam er wieder und wir haben uns ausgesprochen, dann war der Fall erledigt. In so einem langen Leben, da passieren natürlich öfter Fehler. Aber man soll ein bisschen Zeit vergehen lassen, sich doch besser aussprechen - dann löst sich vieles auf."

Wegen einer anderen Geschichte macht er sich bis heute Vorwürfe. "Bevor wir nach Holland gefahren sind vor drei Jahren, da stand meine Frau hier in der Ecke und sagte: 'Ach lass uns doch hier bleiben, ich hab' das Gefühl, da passiert was.' Da hab' ich gesagt: 'Da kann doch gar nichts passieren.' Und dann ist sie dort im Hotel gefallen, Oberschenkelhalsbruch. Und danach begann auch die Demenz. Und ich mache mir immer wieder Vorwürfe, dass ich da nicht auf sie gehört habe."

Eva Gievers, 98 Jahre, Bad Vilbel

Porträtaufnahme von Eva Gievers, 98 Jahre,

"Während des Zweiten Weltkriegs bin ich aus meiner Heimat Jugoslawien geflohen. Ich wollte unbedingt Krankenschwester werden. In Deutschland konnte ich die Ausbildung machen. Aber ich konnte nie mehr nach Jugoslawien, denn der Name des Lazaretts war Hermann Göring und der Name klebte dann auch an mir. Das war ein großer Fehler. Ich bin dann aber hier sehr glücklich geworden und habe meinen Mann getroffen.

Später dann, Ende der 1960er, da war meine Tochter so 18, 19 Jahre alt und hatte einen Freund. Das war ein Hallodri - und sie musste ihn dann heiraten. Das war mein großer Fehler, dass ich ihr die Pille nicht besorgt und sie aufgeklärt habe."

Hildegard Klein, 102 Jahre, Neu-Isenburg

Porträtaufnahme von Hildegard Klein, 102 Jahre

"Am 20. Juli 1944, da war das Attentat auf Hitler. Und da habe ich am nächsten Morgen zu meinem Abteilungsleiter gesagt, ich glaube das wäre besser gewesen, wenn das geglückt wäre. Das war mal ein Fehler, den ich nicht hätte machen sollen. So eine Aussage war ja lebensgefährlich damals. Aber ich musste mir einfach Luft machen."

Sie hatte Glück, erzählt Hildegard Klein, ihre Aussage hatte keine Konsequenzen und ihre Worte von damals machen sie heute eher stolz. Zu vielen anderen Dingen, die sie im Leben falsch gemacht hat, fasst sie zusammen: "Im Nachhinein ist vieles nicht mehr so schlimm, wie man es erst findet oder denkt."

Die Gespräche führte Yvonne Koch.

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