Plakat Bad Hersfelder Festspiele

In diesem Sommer soll es endlich wieder kulturelles Bühnenspektakel geben. Das erhoffen sich zumindest die Musical-Macher in Fulda und die Festspiel-Planer in Bad Hersfeld. Sie feilen an Konzepten und befürchten zugleich einen weiteren Corona-Knockout.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Planungen für Bühnenstücke im Sommer laufen - parallel zur anhaltenden Corona-Pandemie

Bad Hersfelder Festspiele
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Die Kulturschaffenden müssen während der Corona-Pandemie weiter zittern. Wann dürfen sie wieder ihrem Beruf nachgehen? Wann wird der Lockdown gelockert?

Fragen, die derzeit besonders die großen Zugpferde der Branche in Hessen mit ihren aufwendigen Bühnenproduktionen beschäftigen: In Fulda etwa, wo die viel beachtete Musical-Produktionsfirma Spotlight das mit Spannung erwartete Musical "Robin Hood" mit Musik von Chris de Burgh ("Lady in Red") als Uraufführung auf die Bühne bringen möchte. Oder in Bad Hersfeld, wo in jedem Sommer das bedeutendste Theater-Festival des Landes zelebriert wird. Und auch mehr als 100.000 potenzielle Besucher für beide Gastgeber-Städten fragen sich: Wird's denn was in diesem Jahr?

Intendant der Festspiele: "Tun alles, was möglich ist"

Der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Joern Hinkel, sagt: "Wir wollen in diesem Sommer auf jeden Fall Festspiele veranstalten und tun alles dafür, dass das auch möglich ist." Im vergangenen Jahr mussten sie in der Kur- und Festspielstadt bereits mit einem abgespeckten Ersatz-Programm vorlieb nehmen.

Diesmal soll die 70. Jubiläumssaison ab dem 25. Juni in der Stiftsruine über die Bühne gehen. Ein großer Vorteil: Das Festival findet alljährlich als Freiluft-Veranstaltung statt. Somit sind Infektionsgefahren geringer als in einem geschlossenen Theater.

Jörn Hinkel, kommissarischer Intendant der Bad Hersfelder Festspiele

Um Aufwand und Risiken überschaubar zu halten, stehen in der kommenden Saison nur drei statt fünf Inszenierungen auf dem Programm; neben der Premiere des Schauspiels "Club der toten Dichter" zur Eröffnung am 25. Juni ist es das Musical "Goethe!" (ab 26. Juni) und das Familienstück "Momo" (ab 2. Juli) nach dem Roman von Michael Ende.

Die Saison wurde von acht auf sechs Wochen verkürzt. Und sowohl für Schauspieler und Techniker, als auch für Besucher wird es dann corona-bedingte Änderungen geben. Wenn es denn auch von Seiten der Behörden so laufen kann wie geplant. Im Zuschauerraum soll nur etwa die Hälfte der Plätze besetzt werden: 600 statt 1.300.

Trennung von Akteuren als Corona-Schutz

Und schon für die Proben, die im Mai starten müssen, gibt es Änderungen: "Wir proben in unterschiedlichen Räumen", erklärt Hinkel. Um das Bühnenpersonal zu schützen, werden Mitwirkende der einzelnen Inszenierungen und ihre Mitarbeiter "strikt voneinander getrennt", betont Hinkel. Zudem sollen alle Akteure im Festspiel-Team in regelmäßigen Abständen von zwei, drei Tagen auf Corona getestet werden.

Musical-Macher auf alle Szenarien vorbereitet

In Fulda haben die Musical-Macher von Spotlight das Glück, nur eine Inszenierung organisieren zu müssen. Produzent Peter Scholz sagt: "Wir müssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt, sind aber auf alle Szenarien vorbereitet. Wir könnten starten." Er will prüfen, inwiefern der Einsatz von Corona-Schnelltests für Sicherheit sorgen kann.

Chris de Burgh (li.) und Musical-Macher Dennis Martin vor einem Plakat des Musicals Robin Hood

Scholz sieht angesichts der langen Spielzeit vom 4. Juni bis zum 19. September im Schlosstheater Vorteile: "Wir sind mit 150 Shows in diesem Jahr das veranstaltungsstärkste Musical in Hessen, vielleicht sogar in Deutschland. Da gibt es auch noch Shows im August und September." Bis zum Hoch- oder Spätsommer hoffen die Musical-Macher auf ein Ende der Pandemie. Gegebenenfalls könnte man die Saison auch noch etwas verlängern, sagt Scholz.

Nicht nur Theater- und Musical-Fans hoffen auf Vorführungen in diesem Sommer, auch Hotels, Gastronomie und Handel sind betroffen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen im Falle eines erneuten Knockouts für die Kultur wären in beiden Städten beträchtlich.

Gäste "total verängstigt"

Der Bad Hersfelder Hotelier Manfred Schmidt vom Hotel Haus am Park sagt: Bei ihm und in anderen Häusern hätten die Buchungen im Vergleich zu früher nur bei etwa zehn Prozent gelegen. "Das ist im Grunde so gut wie nichts." Die Leute seien wegen der Corona-Lage "total verängstigt". Und die Politik fördere die Öffnungsperspektiven für Hotels auch nicht gerade.

Auch der Juwelier Matthias Laufer-Klitsch meint: Die Festspiele seien vor allem durch überregionale Gäste von "herausragender Bedeutung". Jedes Jahr kommen rund 70.000 Besucher in die Stadt. Und das sorgt für Wertschöpfung. Die Besucher lassen gewöhnlich rund fünf Millionen Euro in der Stadt. Das geringe Festspieltreiben wirkt sich aufs Geschäft in vielen Branchen in der Stadt aus, wie Laufer-Klitsch erklärt.

Umsatz-Einbußen ohne Kultur

Gleiches Bild auch in Fulda: Hoteliers und Gastro-Betriebe hoffen inständig auf einen warmen Geldregen durch den Musical-Sommer. Viele Gäste sollen kommen, die es sich auch neben dem Theaterbesuch gutgehen lassen.

Betroffen ist etwa die Fuldaer Modehändlerin Nicola Drüschler. Durch den Ausfall des Musical-Sommers im Vorjahr habe auch sie einen "deutlichen Einbruch" im Geschäftsbetrieb hinnehmen müssen, sagt sie. "Wir merken das anhand der Besucherzahlen in den Läden. Da fehlt uns einfach der Umsatz."

Sendung: hr4, 25.02.2021, 15.30 Uhr