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Darmstädter Mammutskelett wieder da

Das Darmstädter Mastodon vor seinem Abbau 2020

Vor zwei Jahren wurde das Mammut-Skelett des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt in die USA verliehen - ein Medienereignis. Seine Rückkehr dagegen verlief lautlos. Nun wartet eine besondere Ausstellung auf den fossilen Fund.

Es ist wieder da, das weltberühmte Mammut-Skelett, das seit vielen Jahren eine der Hauptattraktionen im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt ist. Anfang 2020, kurz vor Ausbruch der Pandemie, war es unter großem Hallo abgebaut und in die USA verschifft worden.

Das Smithonian American Art Museum (SAAM) in Washington hatte es als Leihgabe für eine Humboldt-Ausstellung angefragt.

Bürokratische Hürden bei USA-Einreise

Seit einigen Wochen ist "Peale's Mastodon", wie das nach seinem Entdecker Charles Willson Peale (1741-1827) benannte Skelett einer speziellen Mammut-Gattung genannt wird, wieder in Hessen - zerlegt in seine Einzelteile und verpackt in fünf riesige Kisten, in denen es das Land verlassen hatte. Während der Medienrummel vor zwei Jahren gewaltig war, ließ man die Rückreise geräuschlos vonstatten gehen.

Das lag vor allem an Corona. "Der Rücktransport war schwer planbar", erklärt Museumsleiter Martin Faass die Gründe, weshalb man die Öffentlichkeit erst einmal außen vor ließ. Schon die Einreise einer kleinen Darmstädter Delegation in die USA war ein bürokratischer Kraftakt, der letztlich nicht reibungslos ablief - trotz Sondergenehmigung. Dann musste alles schnell gehen.

Corona verzögert Rückkehr

Immerhin klappte der Abbau des Skeletts sehr gut. Das Prozedere war so gut dokumentiert, dass das Experten-Team in Washington damit keinerlei Probleme hatte. "Die waren so firm, das lief hervorragend", lobt Oliver Sandrock, Chef-Paläontologe des Landesmuseums, die amerikanischen Kolleginnen und Kollegen.

Eigentlich hätten die weltberühmten Knochen schon im November 2020 wieder in Deutschland sein sollen. Doch wegen Corona verschob sich der Ausstellungsbeginn in den USA immer wieder nach hinten. Erst im Mai vergangenen Jahres konnte sie starten.

Sonderausstellung macht Bedeutung deutlich

Die mediale Feier der Mammut-Rückkehr ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Ende März soll die seit langem geplante Sonderausstellung "American Heiner - ein Mammut macht Geschichte" im Landesmuseum starten. Mit dem Titel drückt das Museum die Verbundenheit des Mammuts mit der Wissenschaftsstadt aus, denn "Heiner" nennt man hier nur echte Darmstädter.

Die Schau beleuchtet die Geschichte des 1801 im Bundesstaat New York von Peale ausgegrabenen und in Philadelphia (Pennsylvania) ausgestellten Mastodons und dessen Bedeutung für die Wissenschaft. Immerhin handelte es sich laut Sandrock um das erste aufrecht montierte Skelett in den USA und das zweite weltweit.

"The Exhumation of the Mastodon" (Charles Willson Peale, ca. 1807)

Entdecker Peale war eigentlich Porträt- und Landschaftsmaler und besaß in Philadelphia ein eigenes kleines Museum. Die Ausgrabung hat er selbst in dem Gemälde "The Exhumation of the Mastodon" festgehalten.

"Umbruch in der Kultur- und Geistesgeschichte"

Wissenschaftlich bedeutsam war der Fund, weil durch ihn die Idee eines Aussterbens von Arten erstmals Fahrt aufnahm, lange bevor Charles Darwin den Grundstein für die Evolutionsforschung legte. "Es war ein Umbruch in der Kultur- und Geistesgeschichte", sagt Faass.

Auch der Berliner Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) interessierte sich brennend für das Skelett. Er ließ es sich während einer USA-Reise 1804 nicht nehmen, es persönlich in Augenschein zu nehmen.

Pariser Leihgaben machen Ausstellung "sexy"

Die Darmstädter Schau wartet mit einer weiteren Sensation auf. Mitte des 18. Jahrhunderts waren nahe dem Ohio River schon einmal Zähne gefunden worden, die man keiner lebenden Art zuordnen konnte. Wie sich herausstellte, waren es ebenfalls Knochen eines Mastodons.

"Diese Zähne gelten heute als Mona Lisa der Paläontologie", erklärt Sandrock. Seit 1740 befinden sie sich in Paris. Dass sie nun erstmals nach Darmstadt kommen sollen, mache "diese Ausstellung so sexy", schwärmt der Wissenschaftler.

Mammut seit 1854 in Darmstadt

Im Fokus steht nichtsdestotrotz das bei den Besuchern so beliebte Mammut-Skelett. "Kein anderes Objekt ist so mit unserem Haus verbunden", sagt Faass.

Über Umwege landete das Mammut Jahre nach Peales Tod in London, wo es der Zoologe Johann Jakob Kaup entdeckte und 1854 nach Darmstadt brachte. Mit der Leihgabe an das SAAM kehrte es nach mehr als 150 Jahren erstmals vorübergehend wieder in seine alte Heimat zurück.

Zeitraffer-Aufnahmen vom Aufbau

Die Ausstellung im Landesmuseum stellt auch diese Reise dar, etwa mit Zeitraffer-Aufnahmen vom Aufbau des Skeletts. Comic-Wände setzen die Original-Exponate in einen kulturgeschichtlichen Kontext. "Wir haben uns wirklich etwas Besonderes vorgenommen", kündigt Faass an. Das Interesse an dem Thema sei schon jetzt sehr groß.

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Zu sehen ist die Ausstellung "American Heiner - Ein Mammut macht Geschichte" vom 25. März bis zum 19. Juni im großes Saal des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt am Friedensplatz 1.

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