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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Museen verstärken ihre digitale Präsenz

Webseite der Museumslandschaft Hessen Kassel auf einem Laptop

Ob Leih-Kunst fürs Wohnzimmer oder eine digitale Märchenstunde: Hessens Museen haben kreative Ideen, um den Menschen ihre Werke und Angebote trotz des Corona-Lockdowns nahe zu bringen.

Die Museen sind geschlossen, doch viele Häuser bieten Blicke hinter die Kulissen und Alternativprogramme, um die Besucher bei der Stange zu halten. Die Häuser hätten viel Kreativität gezeigt, um den Kontakt zu ihrem Publikum nicht zu verlieren, heißt es beim Hessischen Museumsverband in Kassel.

Die Palette der Ideen reiche von virtuellen Rundgängen über Quizangebote bis zu Social Media-Kampagnen. Das könne zwar den physischen Museumsbesuch nicht ersetzen, sagt Verbandsgeschäftsführerin Christina Reinsch. "Aber helfen, im Gedächtnis der Menschen zu bleiben und zu zeigen: Uns gibt es noch."

Leih-Kunst fürs Wohnzimmer

Ein Besucher des Rosenhang-Museums leiht ein Werk des Berliner Künstlers Jean Yves Klein

Das Weilburger Rosenhang Museum zum Beispiel bringt seit November kurzerhand Kunstwerke ins heimische Wohnzimmer. "Museum to go" nennt das privat betriebene Haus für zeitgenössische Kunst das Konzept. Gemälde und Skulpturen werden für eine gewisse Zeit verliehen, wie Chefkurator Michael Schultz erläutert. Die Idee zur Überbrückung des Lockdowns komme gut an. "Für uns ist dies die einzige Chance, unserem Auftrag als Museum gerecht zu werden", so Museumschefin Antje Helbig. "Hierdurch fördern wir die Pflege und den Diskurs zur zeitgenössischen Kunst." Die Exponate aus der Galerie können hier besichtigt werden, zur Ausleihe kann man über die Email-Adresse info@rosenhang-museum.de Kontakt aufnehmen.

Webseite des Hessischen Landesmuseums Darmstadt mit Mammut-Skelett

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt musste wegen der Lockdowns in seinem Jubiläumsjahr zahlreiche geplante Programmpunkte verschieben. Stattdessen baute das Haus im 200. Jahr seines Bestehen das digitale Angebot aus und verspricht auf der Homepage: "Online immer für Sie da!". So gibt es unter anderem eine Serie von Videobeiträgen als ABC zu Themen wie Elfenbein, Block Beuys oder das Urpferd, was auch den universalen Charakter des Museums verdeutlicht.

Digitale Märchenstunde

Screenshot der Homepage der Grimmwelt in Kassel mit digitalen Angeboten.

Die Grimmwelt in Kassel weitet derzeit die digitalen Angebote aus und führt Wartungsarbeiten im Ausstellungshaus durch. Zu den bisherigen Online-Angeboten gehört etwa "Grimms Märchenstunde digital" oder kurze Videos, die Einblicke in die Welt der Brüder Grimm oder in die Sonderausstellung gaben.

Bei der Kinderakademie in Fulda heißt es "Museum zum Lauschen". Der Kinderpodcast rund um die Ausstellungen der Kinderakademie verspricht "aufschlussreiche Abenteuer". Dabei ist es egal, ob die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer das Museum schon kennen, oder nicht. In den einzelnen Folgen reisen sie durch das menschliche Herz oder erfahren alles über die Entdeckung des Zuckers.

Screenshot der Webseite des Mathematikums in Gießen - ein Museum für Mathematik "zum Anfassen".

Das Mitmach-Museum Mathematikum in Gießen hat ebenfalls seinen digitalen Auftritt ausgeweitet und ist auch mehr in den Sozialen Medien unterwegs, wie eine Sprecherin mitteilt. Online gibt es Bastelanleitungen, es werden einzelne Exponate vorgestellt oder Knobelaufgaben gestellt. Außerdem plant das Museum rund um die Mathematik, kleine Experimentiershows zu produzieren. "Das werden kurze Videos aus dem Mathematikum, bei denen ein Experiment des Hauses unterhaltsam vorgestellt wird."

Förderpreis für drei Frankfurter Museen

Ein Junge bestaunt ein Kunstwerk auf der Lego-Baustelle im Architekturmuseum Frankfurt.

Drei Frankfurter Museen dürfen sich beim Ausbau ihrer digitalen Angebote über Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes freuen. Das Deutsche Architekturmuseum wird in Kooperation mit YouTuber Josef Bogatzki "TheJoCraft" das Projekt "Frankfurt 2099" entwickeln. Dahinter verbirgt sich eine digitale Version der beliebten Lego-Baustelle des Museums. Über ein Jahr hinweg werden Spieler eingeladen, die Stadt nach ihren Wünschen umzugestalten. Gebäude können erschaffen werden, die zusammen ein urbanistisches Szenario der Stadt entstehen lassen.

Das Historische Museum Frankfurt freut sich über die Förderung des Projektes "Von Jedem Eins - Digital", das in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Künstler Karsten Bott entwickelt wird. Installiert wird ein wandfüllenden Regal mit 45 Fächern und 1.492 Objekten der Alltagskultur unserer Gegenwart. Damit sollen Besucher in ihrer eigenen Lebenswelt abgeholt und an Umgangsweisen oder Gewohnheiten im eigenen Haushalt oder in ihrer Familie erinnert werden.

Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum entwickelt den "Filmspielplatz" - eine Website für Kinder ab drei Jahren bis ins Grundschulalter. Das Projekt möchte Kinder anregen, ausgewählte Kurzfilme zu schauen und davon inspiriert selbst aktiv zu werden. Über eine integrierte Lernplattform soll der Filmspielplatz zudem Eltern und Pädagogen die Möglichkeit bieten, sich zum Thema Filmbildung fortzubilden, zu vernetzen und auszutauschen.

Steiniger Neustart steht bevor

Trotz aller Ideen - der Lockdown ist für die Museen und ihre Mitarbeiter eine Belastung: "Viele dieser Projekte sind zeitintensiv und fallen zusätzlich zur täglichen Arbeit im Museum an, die in Zeiten des Lockdowns nicht weniger geworden ist", sagt Christina Reinsch vom Museumsverband.

"Umso mehr sehen wir mit Sorge, dass einige unserer Kolleginnen und Kollegen in den Kommunen in Kurzarbeit geschickt wurden." Ihnen fehle nun die Möglichkeit, sich gründlich auf einen Neustart vorzubereiten. Klar sei auch: "Der Neubeginn wird steinig, die finanzielle Lage für diejenigen Einrichtungen, die sich aus eigenerwirtschafteten Mitteln finanzieren, immer prekärer."

Sendung: hr-iNFO, 30.12.2020, 20.30 Uhr