Eine Kombination aus zwei Fotos zeigt das Interieur eines Nachtclubs. Links eine Nische mit einem Wandbild einer liegenden Nackten und zwei Pferdchen-Objekte davor im Schummerlicht. Rechts der Tresen des Clubs mit den leuchtenden Buchstaben "BAR" an der Wand daneben - auch im roten Licht gehalten.

Drei Jahre wurde die Pik-Dame umgebaut. Jetzt kehrt das Leben zurück im traditionsreichen Nachtclub im Bahnhofsviertel, der mittlerweile in dritter Generation geführt wird. Gründer-Enkel Max Coga hat einiges verändert - und will noch mehr beibehalten.

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Audioseite Max Coga betreibt Frankfurts ältesten Nachtclub in dritter Generation

Nachtclub Pik Dame in Frankfurt
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Kurz vor der Wiedereröffnung der "Pik-Dame" klopft ein Arbeiter unter lautem Hämmern noch schnell die Bodenfliesen vor dem Eingang ab. Der Boden darunter soll begradigt werden. Denn durch eine kleine Vertiefung würde sich sonst das Regenwasser vor der Tür sammeln. "Und seien wir mal ehrlich", sagt Max Coga, "auch der Urin."

Coga kennt seinen Kiez. Sein Großvater hat den Nachtclub im Bahnhofsviertel vor fast 70 Jahren gegründet und vor allem bunte Shows - Pferde, Schlangenmenschen - auf die Bühne geholt. Mit seinem Vater und seinem Onkel betreibt der 31-Jährige ihn in mittlerweile dritter Generation.

Pik Dame früher und heute

"Die Pik" ist ein Ort, wo schon immer Rotlichtgrößen, Studierende und Bankerinnen und Banker zusammen feiern und sich in den frühen Morgenstunden in den Armen liegen. Gerade dieses gemischte Publikum und die unterschiedlichen Veranstaltungen machen den Charme der Location aus. Wegen des Umbaus war das Haus zuletzt drei Jahre geschlossen. Am Donnerstag gibt’s die Wiedereröffnung: wegen der Corona-Pandemie allerdings nur im kleinen Kreis.

Der große Umbau eines kleinen Häuschens

Nachtclub Pik Dame in Frankfurt

Die Veränderung der Pik-Dame ist bereits von außen deutlich zu erkennen. Dort, wo sich früher ein winziges, etwas in die Jahre gekommenes Flachdach-Häuschen mit bunten Leuchtschriften befand, ist nun ein stattliches Gebäude im Neubau-Chic entstanden. Grau-schwarze Fassade, bodentiefe Fenster, ein schnörkelloses Logo. Unter dem Giebel prangt ein großes Pik-Symbol, das im Dunkeln rot leuchtet.

Für Max Coga war der Umbau längst überfällig: "Das Gebäude war so zerlebt. Es war absolut notwendig, dass wir diesen Schritt gehen."

Sieben Stockwerke sind hinzugekommen, 13 Mietwohnungen wurden ausgebaut - 60 Quadramteter, 810 Euro kalt. Die Mieterinnen und Mieter dafür wurden streng gecastet. Nicht jeder sei für die Wohnungen geeignet: "Es müssen schon Leute sein, die Bock auf die Thematik haben. Es kann sehr, sehr laut werden. Das ist ein impulsives Haus."

Vom Bahnhofsviertel in den Taunus - und wieder zurück

Er muss es wissen. Coga ist selbst mit 18 Jahren in eine kleine Wohnung über die Pik-Dame gezogen. Damals aber noch mit Altbau-typischer Einfachverglasung. Am Anfang sei es für ihn genau das richtige gewesen, doch irgendwann war es zu laut, zu viel, zu hart.

Coga zog weg, in den Taunus. Doch er blieb nicht allzu lange dort. Mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes ist er zurückgekommen und nun bewohnt er wieder eine der Wohnungen über dem Nachtclub. Er ist schließlich ein echtes Kind der Pik-Dame.

"Ich habe sehr früh nackte Haut gesehen"

Seine Mutter Maria war früher selbst Stripperin im Club, wo sie seinen Vater, den Betreiber, kennengelernt hat. Von klein auf ist Coga mit dem Viertel und der Szenerie in Berührung gekommen. "Ich habe sehr früh nackte Haut gesehen. Meine Kindheit war alles andere als normal. Ein bisschen anders, ein bisschen spezieller, ein bisschen verrückt", so der 31-Jährige.

Seine Familie habe zwar keine typischen Sonntagsausflüge gemacht. Für ihn sein es aber Privileg, in so eine Geschichte reinzuwachsen. "Ich wusste, dass ein Kind nicht viel im Nachtleben zu suchen hat, trotzdem hat es mich immer glücklich gemacht, dass ich ein Teil davon sein darf."

Pik Dame früher und heute

Der Geist der Pik-Dame lebt weiter: Pferde, Brüste, Zauberer

Cogas Vater legte den Schwerpunkt in den 1980er- und 1990er-Jahren auf viel nackte Haut und Frauen, die zum Trinken animierten. Ab den 2000ern wuchs die Nachfrage an Partys.

Diese Kontraste spiegeln sich auch im neuen Innenraum der Bar wieder. Schlichter Beton trifft auf schweren Samt, junge Kunst auf alte Ölgemälde. Wer sich noch erinnert, wird auch die historischen Karussellpferde in der neuen Kulisse wiedererkennen.

Nachtclub Pik Dame in Frankfurt

"Die Pik-Dame war immer eine Plattform für jegliche Art von Unsinn: Partys, Striptease, Varieté, Zaubershows. Und genau so wollen wir das natürlich auch weiterführen", erklärt Max Coga. Er wolle mit der neuen Pik-Dame das Beste der vergangenen Jahrzehnte vereinen und besonders den artistischen Charakter stärken: "Ich will diesen Geist der Pik-Dame einfach weitertragen auf eine höhere Ebene. Sie soll wachsen."

Der Druck der dritten Generation

Coga wisse, dass man an ihn in der dritten Generation bestimmte Erwartungen habe: "Ja, es gibt einen gewissen Erwartungshorizont. Gerade heutzutage ist es so, dass viele Sachen mit Tradition ihr Ende finden, nicht weitergemacht und verkauft werden."

Für das Haus in bester Bahnhofsviertellage gab es viele lukrative Angebote. Doch das sei für Vater, Onkel und Sohn nie ein Thema gewesen. "Wir wollen diese Geschichte weiterführen, solange es geht", meint Coga.

Er ist in das Business reingewachsen und mit der Pik-Dame groß geworden. Und auch wenn es schon Phasen in seinem Leben gab, in denen er ausbrechen musste - wegziehen, studieren, reisen, etwas Eigenes erleben - hat es Max Coga doch immer wieder hierher verschlagen. Nach Frankfurt. Ins Bahnhofsviertel. In die Pik-Dame.

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