Der Alpenfluss Verzasca in der Schweiz

Egal ob flüssig, gasförmig oder gefroren: Wasser hat es ihm angetan. Dafür ist der Wiesbadener Fotograf Rudi Sebastian um die Welt gereist und hat nun einen beeindruckenden Bildband veröffentlicht.

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Buch mit Foto von einem roten Fluss
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Gereist ist Rudi Sebastian schon immer gern, er hat für Reisemagazine geschrieben und fotografiert. Als dann immer mehr dieser Fachzeitschriften eingestellt wurden, sattelte er um und baute eine Werbeagentur auf.

Aber irgendwann hatte er darauf keine Lust mehr: "Jetzt mache ich das, was ich wirklich liebe, und das war Fotografie", sagt er. Heute verkauft er seine Bilder an große Bildagenturen weltweit. Davon finanziert er seine Reisen zu seinen Lieblingsorten. Und die sind überall da, wo es Wasser gibt. Seine Bilder hat er nun in einem faszinierenden Bildband veröffentlicht.

hessenschau.de: Was fasziniert Sie an Wasser?

Rudi Sebastian: Wasser fasziniert mich schon mein ganzes Leben. Wasser hat im Prinzip etwas Virtuelles. Es ist wie ein Chamäleon. Es verändert sich permanent und entzieht sich der Fassbarkeit. Es kann alle Formen und Farben annehmen und wird im Grunde erst durch seine Umgebung zu dem, was es ist. Es ist pure Magie.

hessenschau.de: Gibt es für Sie einen Unterschied, ob Sie einen See, das Meer oder das schnell fließende Wasser fotografieren?

Sebastian: Flüsse finde ich besonders faszinierend, weil da die Dynamik eine Rolle spielt. In Flüssen ist beides gleichzeitig. Es gibt eine Stromschnelle, ganz schnell fließendes Wasser, was aber in einem aus Felsen gebildeten Pool mündet, wo dann völlige Ruhe herrscht. Das fasziniert mich am Wasser, einfach dieses nicht zu Greifende.

hessenschau.de: Haben Sie einen Lieblingsaggregatzustand?

Sebastian: Ich liebe einfach Eis. Ich friere auch gerne, ich bin eher der arktische Typ. In heiße Gegenden reise ich nur der Fotografie wegen. Die Landschaften, in denen sich Eis vornehmlich befindet, liebe ich besonders, diese Orte in den extrem nördlichen oder extrem südlichen Breitengraden.

hessenschau.de: Was ist dort so besonders?

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Sebastian: Es ist vor allem das Licht. Je weiter man zu den Polen kommt, desto toller wird das Licht. Da entsteht ein wunderbarer Kontrast zwischen dem kalten Eis und einem ganz warmen, weichen Licht. Ich mag besonders die Dämmerung, wo das Licht ganz besonders weich wird, und das dauert in diesen Breitengraden, abhängig von der Jahreszeit, sehr lange. Am Äquator macht es 'blubb' und die Sonne ist weg. Das gute Licht hat man da zehn Minuten, während man am Nordpol stundenlang Zeit hat.

hessenschau.de: Oft fotografieren Sie nur das Wasser, keine Landschaft. Warum?

Sebastian: Mein Fokus ist tatsächlich eher das abstrakte Bild. Mir ist die umgebende Landschaft nicht so wichtig. Mir geht es um das Universelle an dem Element Wasser, um die Dynamik, die Farbigkeit, die es aufgreift, das spiegelt ja seine Umwelt. Ich komme von der Malerei her und habe immer nach einer Verbindung zwischen der Malerei und der tatsächlichen Natur gesucht. Maler reflektieren das, was sie in der Natur sehen, indem sie es transferieren in ein Kunstwerk.

Die Fotografie ist sehr viel direkter, sie ist auf das angewiesen, was um uns herum ist. Ohne eine Vorlage gibt es kein Foto. Es war immer mein Wunsch, eine Schnittmenge zu finden oder eine Verbindung von beiden Kunstformen.

Wasser

hessenschau.de: Sie fotografieren nicht nur, Sie schreiben auch. In Ihrem Buch warnen Sie eindringlich vor dem Klimawandel. Haben Sie dessen Auswirkungen bei Ihren Reisen direkt sehen können?

Sebastian: Ja, natürlich habe ich das gesehen. In China die wahnsinnige Plastikverschmutzung, das ist gnadenlos, überall liegt Plastik herum. Am Baikalsee ist die Temperatur des Sees bereits um zwei Grad gestiegen, es gab im Winter Überflutungen, jetzt im Sommer Waldbrände. Die Menschen dort haben jetzt schon ständig das volle Programm an Auswirkungen.

Oder riesige Gletscherseen auf Grönland oder die extremen Temperaturen, die man erlebt, im Regenwald, wo kein Regen ist, weil es zu trocken ist. Die El-Nino-Jahre werden viel häufiger, die gibt es ja jetzt ständig. Und wenn jetzt erst einmal die Permafrostböden, was sie ja schon tun, noch viel massiver auftauen, dann gibt es da kein Halten mehr.

hessenschau.de: Können Bilder da etwas bewirken?

Sebastian: Ich kenne viele Fotografen, die versuchen, etwas zu bewegen. Aber ich bin Realist genug, um zu wissen, dass es extrem schwer ist, mit Bildern irgendetwas zu bewegen, da gehört mehr dazu. Jahrelang wurde der Klimawandel ignoriert. Wenn man etwas Positives sehen kann, dann, dass einiges im Moment in Bewegung kommt, sicherlich auch durch Katastrophen ausgelöst. Jetzt ist es wirklich Zeit umzudenken.

Es ist sehr wichtig, dass der Mensch endlich kapiert, dass er nicht außerhalb der Natur steht, sondern Teil der Natur ist. Wir sind Teil des Ganzen und wir sind abhängig von Luft und Wasser wie jedes andere Lebewesen. Wir sollen uns endlich dahin stellen, wo wir hingehören, nämlich auf gleicher Ebene wie unsere Umwelt und nicht darüber. Und wenn wir das endlich verstehen, da wäre schon viel geholfen.

Das Interview führte Nicole Bothof.