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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So könnte der Festivalsommer 2021 werden

Musikfestival

Laute Musik hören, den brummenden Bass in der Magengrube spüren und mit anderen Menschen dicht an dicht zum Takt wippen. Die Sehnsucht nach einem normalen Festivalsommer ist groß. Aber wie realistisch ist das? Festivalmacher in Hessen und ihre Einschätzungen.

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zum hr-fernsehen.de Video Hoffnung für Konzerte und Kulturveranstaltungen?

Konzertbesucher mit Masken
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Die gute Nachricht: Es wird im Sommer wahrscheinlich Konzerte geben. Die schlechte: Ein Festivalfeeling, wie oben beschrieben, wird eher nicht aufkommen. 

 "2021 wird mit Sicherheit kein normales Festival. Ich denke, dass viele der strengen Maßnahmen beibehalten werden", sagt Stefan Kasseckert. Er ist Organisator vom Trebur Open Air, einem kleinen komplett ehrenamtlich gestemmtem Festival in Südhessen. Nachdem 2020 alles ausgefallen ist, haben sie ihr komplettes Booking auf das nächste Jahr geschoben. "Wir haben ein fertiges Festival sozusagen schon in der Schublade."

Auch ein Hygienekonzept haben sie schon erarbeitet. Aber: An einem normalen Festivaltag kommen etwa 3.500 Menschen auf das Gelände. "Ich sehe das im Moment ehrlich gesagt noch nicht, dass 3.500 Leute zusammenkommen. Besondere Sorgen bereitet uns das Camping", sagt Kasseckert. Ob das Festival stattfindet, könne man erst sechs bis acht Wochen vorher wirklich entscheiden. 

Keine Illusionen beim Schlachthof Wiesbaden

Zurzeit gebe es quasi überhaupt keine Planungssicherheit, sagt auch Hendrik Seipel-Rotter vom Schlachthof in Wiesbaden. "Was heute gilt, kann morgen schon obsolet sein. Unter diesen Bedingungen Veranstaltungen zu machen, ist schwierig bis nahezu unmöglich." Illusionen, dass nächstes Jahr also wieder alles normal wird, machen sie sich nicht. Die erste Hälfte des Jahres werden im Schlachthof Veranstaltungen eingeschränkt laufen, das gilt auch für den Sommer und Open-Air-Konzerte.  

Open-Air-Veranstaltungen sind sogar einfacher an Corona-Maßnahmen anzupassen, sagt Seipel-Rotter. Auf dem 3.000 Quadratmeter großen Außengelände des Schlachthofs, das eigentlich für 6.000 Personen ausgerichtet ist, könnten bis zu 1.000 Menschen zusammenkommen. Denkbar wären dann sogenannte Picknick-Konzerte mit abgetrennten Arealen und Maskenpflicht beim Verlassen der Bereiche. Veranstaltungen in der Form wären ziemlich sicher, auch weil die Stadt Hygienekonzepte penibel überprüfe. 

Einnahmen aus dem Vorverkauf fehlen

Die Planungen sind wichtig, damit der Vorverkauf nicht komplett wegfällt. Gerade noch fünf Prozent Einnahmen über den Vorverkauf sind erhalten geblieben. Generell sehe es finanziell sehr schlecht aus, alle Reserven sind aufgebraucht. Wenn es 2021 keine Veranstaltungen gibt, muss der Schlachthof auf die finanzielle Rettung von Kommune und Land hoffen.  

Den Mitarbeitenden im Schlachthof gehe es vergleichsweise noch gut, sagt Hendrik Seipel-Rotter, viele von ihnen sind festangestellt und bekommen Kurzarbeitergeld. Aber eine Festanstellung ist in der Branche eher die Ausnahme, Veranstaltungs-Techniker, Securitys oder Kulturschaffende - sie sind alle in ihrer Existenz bedroht.  

"Festival der Freiheit" – mit Maskenpflicht?

Ein Festival mit Maskenpflicht oder im schlimmsten Fall Tanzverbot - das klingt für viele Besucher und Besucherinnen erstmal wenig attraktiv. Das sieht auch Johannes Megow vom "Sound of the Forest"-Festival kritisch. Das Festival-Gelände liegt direkt an einem See im Odenwald. Die Menschen dort tanzen, schwitzen und baden zusammen. 

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zum hr-fernsehen.de Video Kultur auf dem Land – eine Chance!

Menschen auf einem Open Air Konzert
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"Wir sind ein Festival der Freiheit, bei uns sollen sich alle befreit fühlen und den Alltagsstress vergessen. Und da wird es sehr schwer solche Überlegungen anzustreben, mit Masken im Sicherheitsbereich zu sein. Aber wenn das der Fall ist, dann müssen wir uns eben anpassen", sagt Megow.

Deutsche Bands statt internationalem Line-up

Ein ganz anderes Problem sieht Carsten Schack, Booker im Schlachthof, bei den bestehenden Reisebeschränkungen. Viele Konzerte und Festival werden von internationalen Bands bespielt. Bands aus den USA dürfen aber aktuell gar nicht einreisen. Touren werden viele Monate im Voraus geplant und Gigs auf Festivals früh gebucht. Nichts davon sei aktuell planbar. "Dann müssen eben mehr deutsche Bands spielen", sagt er. 

Weitreichende Folgen hat der Stillstand schon jetzt für die Musikbranche. "Neue Bands können sich gar nicht präsentieren und bekommen keine Einnahmen durch Konzerte. Clubs, wo früher gespielt wurde, müssen schließen. Das wird Auswirkungen auf die Nachwuchsförderung haben und ich glaube, die Musikszene wird sich grundlegend verändern", sagt auch Stefan Kasseckert vom Trebur Open Air.

Eine Art von Festival-Veranstaltung wollen sie aber auf jeden Fall machen. Wie das im Sommer 2021 aussieht, hängt von den Auflagen ab, aber: "Wir machen das so, dass es Spaß macht".

Sendung: hr3, Morningshow, 15.11.2020, 08:00 Uhr