Verzierte gewölbte Zimmerdecke im restaurierten Fachwerkhaus Goldene Waage in der Neuen Altstadt Frankfurt

Frankfurt bekanntestes Fachwerkhaus ist nun auch Museum: In der Goldenen Waage kommen Liebhaber alter Möbel auf ihre Kosten - der Geschichte der ursprünglichen Bewohner kommt man damit indes nicht auf die Spur.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Goldene Waage ist jetzt auch ein Museum

Tisch und Sessel im restaurierten Fachwerkhaus Goldene Waage in der Neuen Altstadt Frankfurt
Ende des Audiobeitrags

Seit zwei Jahren steht die Goldene Waage wieder, das prächtige Fachwerkhaus gegenüber vom Kaiserdom. Längst ist das Haus mit den bunt bemalten Eckbalken der Star der Neuen Altstadt in Frankfurt. Wie das Schmuckstück von innen aussieht, war aber bislang ein Geheimnis. Das ändert sich nun: Nach dem Erdgeschoss, wo ein Café untergebracht ist, können auch die Obergeschosse besichtigt werden.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Rundgang in Bildern durch die Goldene Waage

Ende der Bildergalerie

Schon vor 400 Jahren, als die ursprüngliche Goldene Waage fertiggestellt wurde, fiel das Gebäude auf. Allerdings zunächst negativ, wie Jan Gerchow erzählt, der Direktor des Historischen Museums. Den Nachbarn war der Bau zu protzig. Der Bauherr, der Gewürzhändler Abraham van Hamel, galt als neureicher Angeber. Wie von Hamel dort mit seiner Familie wohnte, hat das Museum jetzt auf zwei Stockwerken in dem rekonstruierten Prachtbau von einst nachgestellt.

Keine Möbel mehr aus Originalhaus

Die Ausstellungsmacher haben die Gemächer mit Möbeln, Gemälden und Objekten aus dem 17. Jahrhundert ausstaffiert. So zieht etwa im Salon, dem zentralen Raum der Goldenen Waage, ein wuchtiger Edelholz-Schrank die Blicke auf sich. Aber so schön er mit seinen Schnitzereien auch ist: Die van Hamels haben ihn nie benutzt. Dieser Schrank stammt aus Nürnberg.

Das ist das Manko der Ausstellung: Kein einziger Gegenstand stammt aus der originalen Goldenen Waage. So zeigen die beiden Ölgemälde im Salon nicht etwa Herrn van Hamel und seine Frau, sondern zwei Eheleute, die Jahrzehnte später in Frankfurt gelebt haben.

Gerchow beschreibt die Schwierigkeit: "Wir haben keine Möbel aus der Goldenen Waage, wir haben auch keine Pläne." Einziger Anhaltspunkt sei eine Inventarliste, die beim Auszug der Familie van Hamel erstellt wurde. Denn die einst reiche Familie verarmte und musste ausziehen. Ihr ganzes Mobiliar wurde verkauft.

Führer müssen Familiengeschichte erzählen

Die bewegte Familiengeschichte, die sich in der Goldenen Waage abgespielt haben muss, lässt sich an der Ausstellung in den Obergeschossen indes nicht ablesen. Auf allzu viel Inszenierung haben die Ausstellungsmacher verzichtet. Vorhänge und Teppiche fehlen völlig, nicht einmal das Ehebett im Schlafgemach der van Hamels ist bezogen.

Auch sind die Räume und Gegenstände nicht mit Schildern oder Texttafeln versehen. Dabei lässt sich zu den meisten Objekten viel Spannendes erzählen. Deshalb werden die meisten Besucher wohl für die Erläuterungen eines Führers dankbar sein. So ist auch das Konzept der Ausstellung: Die Räume können nur im Rahmen von Führungen besucht werden.

Weitere Informationen

Führungen

Führungen werden ab diesem Wochenende täglich angeboten und lassen sich beim Historischen Museum buchen. Kostenpunkt: 14 Euro pro Person. Der Eintritt für die Dauerausstellung des Historischen Museums im Saalhof ist darin enthalten.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr4, 13.12.2019, 12.13 Uhr