Kombo Sonja beim Zeichnen plus Illustration Manga

Ein weißes Blatt, Bleistift und Radiergummi, und los geht's: Beim japanischen Filmfestival Nippon Connection bieten Profis Zeichenkurse für Manga-Fans an. Ein Selbstversuch.

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Das erste Gesicht klappt noch ganz gut: ein nicht ganz runder Kreis, mit zwei Linien geviertelt. Diese dienen der Orientierung, um Augen, Mund und Ohren einzuzeichnen. Die Umrisse der Augen liegen mittig auf der horizontalen Linie, der Ohransatz genau auf ihr. Der Mund liegt im unteren Drittel der vertikalen Linie, die Nase ein Stück darüber. Soweit, so gut.

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Manga

Manga ist der japanische Begriff für Comics. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück. Sie sind in Japan ein bedeutender Teil der Literatur- und Popkultur, stellen aber auch weltweit den größten Comicmarkt dar. Beim japanischen Filmfestival Nippon Connection sind sie Teil des umfangreichen Rahmenprogramms.

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Dann geht es ans Eingemachte im Manga-Workshop "Gesichter und Körper zeichnen" des diesjährigen japanischen Filmfestivals Nippon Connection. Wir zeichnen die Details der Augen. "Augen sind im Manga das Wichtigste", betont Workshop-Leiterin Colin Schwanengel. "Sie sind das Stilelement, mit dem man 80 Prozent der Emotionen ausdrücken kann."

Zeichnung Manga-Kurs: Ein auf dem Bildschirm gezeichnetes Gesicht

Mit Lichtpunkten Geschichten erzählen

Dafür lernen wir zehn Teilnehmerinnen zuerst einmal die Grundlagen: Die Pupille liegt immer zentral in der Mitte der Iris. "Das machen viele Anfänger falsch und wundern sich dann, dass ihr Bild komisch aussieht", erzählt Colin. Okay, das mit der Pupille kriege ich auch noch ganz gut hin.

Dann die Iris: "Das ist der Teil des Auges, in dem im Manga wahnsinnig viel passiert", erklärt Colin. Die Iris kann die verschiedensten Farben haben und soll die verschiedensten Gefühle ausdrücken.

Manga-Auge

Fast noch wichtiger sind aber die Lichtpunkte im Auge: "Sie sind der Spiegel zur Seele. Mit ihnen könnt ihr ganze Geschichten erzählen." Hier komme ich zum ersten Mal an meine Grenzen: Meine Lichtpunkte haben etwas von verrutschten Kontaktlinsen. Was Profi Colin da mal eben auf den Bildschirm zaubert, sieht wesentlich mehr nach Manga aus.

"Grundlagen kennen, um sie zu brechen"

Wobei: Meine Augen sehen gar nicht so schlecht aus - verglichen mit meinen Versuchen, Gesichter zu drehen. Das sollte eigentlich gelingen, indem die Zeichner die Linien verschieben und biegen. Meine Gesichter haben eher etwas von verformten Knautschsäcken mit Alien-Augen.

"Ihr müsst die Grundregeln kennen, um sie brechen zu können", hatte uns Colin am Anfang mitgegeben. Das hatte sie wahrscheinlich nicht damit gemeint.

Computer mit Manga_Illustrationen plus eigene Zeichnungen

Eigener Körper als Anschauungsmaterial

Zu meinem Glück kommen wir am Ende nicht mehr dazu, ganze Körper zu zeichnen. Hier wäre ich ganz raus, glaube ich. Was ich unter anderem aber mitnehme: Körper werden beim Manga-Zeichnen in Kopflängen eingeteilt und gemessen. Und: Der eigene Körper kann als hervorragendes Anschauungsmaterial dienen. Der Vorteil: Man hat ihn immer dabei.

Was ich vor allem mitnehme: Manga-Zeichnen macht Spaß und hat großes Hobbypotenzial, weil mit professioneller Hilfestellung sogar ganz gute Bilder herauskommen. Aber es ergibt Sinn, dass ich Journalistin und nicht Zeichnerin geworden bin.

Bildschirm mit einem männlichen und einem weiblichen Körper
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Manga-Kurse

Colin Schwanengel zeichnet seit der Grundschule. Seit dieser Zeit ist sie auch von Mangas fasziniert, wie sie erzählt. Wer unabhängig von Nippon Connection einen Manga-Kurs machen will: Colin ist Teil des Teams der Offenbacher Manga-Schule "i am mangaka", die laufend Kurse und auch Einzelworkshops anbietet.

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