Muslim Fashion

Vor dem Zugang zur Ausstellung steht ein Security Check wie am Flughafen. Das Thema muslimische Mode polarisiert seit Wochen, nun startet die Schau im Frankfurter Museum Angewandte Kunst.

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Vor dem Zugang zur Ausstellung "Contempoary Muslim Fashions" steht der Security Check: Taschen ausleeren und Körperkontrolle mit einer Metalldetektor-Sonde – wie am Flughafen. "Das ist keine Inszenierung", betont Museums-Direktor Matthias Wagner K. Der Schritt ist wohl überlegt, denn die Ausstellung polarisiert seit Wochen. Hassmails und Drohungen sind beim Museum eingegangen. Die Organisatoren wollen Mitarbeiter und Besucher schützen.

Züchtig und zurückhaltend

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Drohungen wegen einer Modenschau? Es geht um aktuelle muslimische Mode, "Modest Fashion", zu übersetzen mit züchtig oder zurückhaltend. Offenbar ein Reizthema, mit dem nicht nur rechte Kreise in Deutschland ein Problem haben. Frauenrechtlerinnen erhoben den Vorwurf, die Schau mache sich zum Handlanger der Frauenunterdrückung und zum "nützlichen Idioten des politischen Islam und der Wirtschaft". Die Zeitschrift "Emma“ publizierte kritische Stimmen prominenter Muslime.

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Contemporary Muslim Fashions

5. April bis 15.September 2019 im Frankfurter Museum Angewandte Kunst. Geöffnet Di-So 10 bis 18 Uhr (Mi bis 20 Uhr). Eintritt 12 Euro

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Die Ausstellung ist auf das zweite Obergeschoss des Museums beschränkt und gliedert sich in verschiedene Kategorien, von Sportbekleidung und Streetwear über Brautkleider, Luxusmode bis zur Haute Couture. Kein klassischer Rundgang, jeder Bereich steht für sich. Die Gemeinsamkeit trotz einer immensen Ausdifferenziertheit: Die Kleidungsstücke bedecken Arme und Beine. Kopfbedeckungen gehören nicht unbedingt dazu.

Ausstellung will Stereotype aufbrechen

Contemporary Muslim Fashion - Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst

In der Öffentlichkeit herrsche ein stereotypes Bild vor, wie muslimische Frauen leben und aussehen, sagt Kuratorin Mahret Kupka. Das wolle die Schau aufbrechen. Konzipiert hat sie der frühere Frankfurter Museumsmacher Max Hollein, der sie in San Francisco zeigte. Mit großem Erfolg, wie die dortige Kuratorin Jill D’Alessandro berichtet: Es sei die erste umfassende Museumsausstellung, die sich dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode widme.

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Die kommerziellen, politischen und emanzipatorischen Aspekte werden durchaus thematisiert. Auf Monitoren sind Videos mit muslimischen Modebloggerinnen und Kopftuch tragenden Tänzerinnen in Endlosschleife zu sehen. Großformatige Fotografien zeigen die Auseinandersetzung von Künstlerinnen mit Mode und religiösen Vorschriften.

Contemporary Muslim Fashion - Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst

Zwei Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Jahr 1979 dokumentieren Frauenproteste in Teheran: Ein Massenaufschrei gegen das gerade vom Khomeini-Regime erlassene Verhüllungsgebot. A propos Verhüllung: Eine Burka ist unter den überwiegend von Schaufensterpuppen präsentierten Exponaten nicht zu finden.

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Dialog mit Kritikern

In Kooperation mit dem Frauenreferat der Stadt lädt das Museum vom 12. bis zum 14. April zu einem dreitägigen Vortrags- und Diskussionsforum mit Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen sowie Bloggerinnen und Influencerinnen ein. Themen sind unter anderem kulturelle Identität, Gender und Gleichberechtigung. Am 6. Juni findet in der Bildungsstätte Anne Frank unter dem Titel "Unterdrückung oder Freiheit? Der Streit um das muslimische Kopftuch" eine Diskussion mit der Publizistin Khola Maryam Hübsch und der Aktivistin Emel Zeynelabidin statt.

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