Rendering eines Entwurfs für das neue Juridicum-

Ein Kulturcampus mit Hochschule, Zentrum der Künste und Wohnungen soll auf dem alten Frankfurter Unigelände entstehen. Doch soll man die alten Unigebäude einfach abreißen? Für eine Umgestaltungsidee eröffnen sich jetzt neue Chancen.

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Was soll mit dem Frankfurter Juridicum passieren?

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Eigentlich sollte es schon längst weg sein - das Juridicum. Ein Bürobau aus den 1960er-Jahren, 50 Meter hoch, über Jahrzehnte Sitz der juristischen Fakultät der Frankfurter Goethe-Universität. Das Bürohochhaus sollte das gleiche Schicksal haben wie der AfE-Turm, der bereits 2014 spektakulär gesprengt wurde. Doch die seit über zehn Jahren laufenden Planungen für den Kulturcampus, der auf dem alten Uni-Areal entstehen soll, stocken.

Während anstelle des AfE-Turms längst zwei Luxus-Hochhäuser in die Höhe ragen, ist von der versprochenen kulturellen Nutzung des Geländes noch nichts zu sehen. Ärgerlich ist das vor allem für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, deren dringend benötigter Neubau hier entstehen soll. Auch das Frankfurt LAB mit seinen Ballett- und Musikensembles wünscht sich schon lange ein neues Zuhause in zentralerer Lage.

Groß-WG mit Balkonen und Wintergärten?

Für das Juridicum hingegen könnte die verzögerte Planung ein Glücksfall sein, der dem alten Bürohaus ein neues Leben bescheren könnte. Die Architektin Astrid Wuttke kann sich nämlich vorstellen, das Juridicum zu erhalten und zu einem attraktiven Wohnhaus umzubauen - und das zu bezahlbaren Preisen. Auf eigene Initiative hat Wuttke dazu eine Studie vorgelegt mit faszinierenden Perspektiven

Balkone, Wintergärten oder Laubengänge könnten die Fassade des früheren Bürohochhauses aufbrechen. Im Inneren des Gebäudes wären aufgrund der Beton-Skelett-Bauweise verschiedenste Grundrisse auch für ganz neue Wohnformen denkbar, sagt Wuttke, etwa für Groß-WGs mit gut abgetrennten Privatsphären.

Alternative zu Luxus-Apartments

Dafür gebe es in Frankfurt einen Markt, es brauche aber Mut zum Experiment und zum um-die-Ecke-Denken. Auf jeden Fall, betont Wuttke, sollten die Wohnungen für Studierende bezahlbar sein, anders als die Luxus- und Hochhaus-Apartments, die auf dem Areal bereits entstanden sind.

Frankfurter Architektin Astrid Wuttke

Astrid Wuttke ist Partnerin im Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher, das mit der Revitalisierung und dem Weiterbau von Frankfurter Gebäuden der Nachkriegsmoderne bereits viel Erfahrung hat. So sanierten die Architekten den Silvertower (früher Dresdner Bank, heute Deutsche Bahn) und belebten das alte Amerika-Haus wieder, in dem heute das Instituto Cervantes sitzt. Auch die neuen unterirdischen Hallen des Städel Museums wurden von schneider+schumacher entworfen. Für einen Umbau des Juridicums hatte das Büro bereits im Ideenwettbewerb von 2013 als einzige einen Vorschlag gemacht.

Neues Selbstverständnis für Architekten

Weiterbauen statt Neubau, das müsse schon aus ökologischen Gründen der neue Standard werden, meint Astrid Wuttke. Denn der Bau, Betrieb und Abriss von Gebäuden ist für 40 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich. Die öffentliche Hand habe da eine besondere Vorbild-Funktion, sagt sie.

Nötig sei aber auch ein Wandel im Selbstverständnis der Architekten: "Für das Weiterbauen muss ich noch viel kreativer sein als für den Neubau auf der grünen Wiese", sagt Wuttke. "Ich muss mich mit dem vorhandenen Gebäude auseinandersetzen und versuchen, die Schwächen wegzunehmen und die Stärken herauszukehren."

Bauen im Bestand - der Umwelt zuliebe

Weiterbau statt Abriss, das ist - gerade mit Blick auf die Klimakrise - der neue Trend in der Architektur. Immer mehr junge Architektinnen und Architekten arbeiten an solchen Projekten. Beispiele dafür zeigt gerade das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt in seiner aktuellen Ausstellung "Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand".

Auch für das Juridicum auf dem alten Unicampus in Frankfurt Bockenheim könnte das Um- und Weiterbauen eine Perspektive sein. So gesehen ist es fast ein Glücksfall, dass sich der komplizierte und konfliktreiche Planungsprozess von Stadt und Land für den Kulturcampus so in die Länge zieht, und das Juridicum erst einmal vom Abriss verschont geblieben ist.

Architekturwettbewerb steht bevor

Dennoch drängt die Zeit. Ein Architekturwettbewerb für den künftigen Kulturcampus soll möglichst bald ausgeschrieben werden - darin zumindest sind sich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt einig. Der Wettbewerb soll für die Hochschule des Landes eine konkrete Realisierung ergeben und für das Zentrum der Künste neue Ideen liefern.

Was mit dem Juridicum geschehen soll, soll im Wettbewerb nicht vorgeschrieben werden. Die Stadt sei sogar "grundsätzlich offen" dafür, den Erhalt des Juridicums zu prüfen, erklärte ein Sprecher des Kulturdezernats auf Anfrage. Hier also ist die Kreativität der teilnehmenden Architekturbüros genauso gefordert wie das ökologische Bewusstsein der Bauherren von Stadt und Land.

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