Mörderische Heimat - Podcast

Zwei Fuldaer Autoren rekonstruieren für Audio-Reportagen Verbrechen, die in der Vergangenheit in Osthessen Aufsehen erregt haben. Manche Fälle in ihrem Podcast lassen sie auch persönlich nicht kalt und sorgen für manchen Albtraum.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Podcast Mörderische Heimat: Alte Kriminalfälle neu erzählt

Krimi-Podcast aus Fulda, Cover
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Die beiden Podcast-Macher tauchen mit Vorliebe in die dunkle Vergangenheit ein. Dann tummeln sie sich gedanklich in einer Welt schlimmer Verbrechen. Es geht um Mord und Totschlag, spektakuläre Raubzüge und Entführungen. Dazu passend haben Autor Zeno Diegelmann und Künstler Michael "Shaggy" Schwarz aus Fulda ihren Kriminal-Podcast "Mörderische Heimat" getauft.

In den Fällen - basierend auf wahren Begebenheiten - geht es zwar um Taten aus Fulda, Osthessen und der Rhön. Doch sie machten weit über die Region hinaus von sich reden.

Publikum weit verstreut

Die Krimi-Erzähler erreichen damit auch viele Menschen außerhalb Deutschlands. "Wir haben mittlerweile Hörer in ganz Europa, sogar in den USA und Japan", berichtet Diegelmann. Tausende hörten sich regelmäßig die kostenlosen, im Internet abrufbaren Audio-Reportagen an.

Mörderische Heimat - Podcast

Krimi-Podcasts erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Konkurrenz im Genre True Crime ("Wahre Verbrechen") ist groß. Einige Formate sind auf dem Markt. Zeitungen und Zeitschriften wie "Die Zeit" und der "Stern" sind vertreten.

Und auch der hr hat einen artverwandten Gerichtspodcast wie "Verurteilt!" im Angebot. Zudem gibt es weitere Podcasts von anderen ARD-Anstalten, zu finden in der Audiothek.

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Verurteilt! (40): Der Mordfall Lübcke

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Folge eins: Entführung von Supermarktketten-Chef

Bei der "Mörderischen Heimat" kommt besonders die regionale Note hinzu. Wer allerdings glaubt, dass in der osthessischen Provinz heile Welt herrscht(e), der irrt. Bundesweit aufsehenerregende Fälle spielten sich ab.

In Folge eins wird eine der bis dato spektakulärsten Entführungen in Deutschland nacherzählt. Im Oktober 1976 wurde der Fuldaer Unternehmer und Chef der tegut-Supermarktkette, Wolfgang Gutberlet, verschleppt. Die Täter forderten per Telefon zwei Millionen D-Mark von Gutberlets Ehefrau. Die Täter wurden wenige Stunden nach der Freilassung verhaftet und später zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Mörderische Heimat - Podcast

Geschildert werden auch Schüsse an der ehemaligen innerdeutschen Grenze aus dem Jahr 1962, der blutrünstige Fall des Kannibalen von Rotenburg (2001) und wie ein Mann seiner Ehefrau im Jahr 1993 in Fulda den abgeschnittenen Kopf ihres Geliebten auf den Nachttisch stellte.

Mittlerweile sind zehn Folgen des Podcasts erschienen. Die meisten haben eine Länge zwischen 30 und 60 Minuten. Alle 14 Tage gibt es Nachschub.

Kontrast-Programm während Corona

Die Produktion ist aufwendig. Pro Folge sei rund eine Woche Arbeit nötig, sagen die Macher. Die meiste Zeit gehe drauf für die Recherche, zum Beispiel in Archiven, und für die Aufbereitung der Informationen für die Aufzeichnung, erklärt Diegelmann.

Der Podcast ist für den Krimi-Schriftsteller und Bühnen-Akteur Diegelmann sowie den Künstler und Konzertveranstalter Schwarz eines ihre zahlreichen beruflichen Projekte. Wegen der Corona-Pandemie und des lahmgelegten Kulturbetriebs mussten sie sich neue Formate ausdenken - so kamen sie zum Podcast. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Stadt Fulda und weiteren Sponsoren.

Bilder gehen nicht mehr aus dem Kopf

Angesichts der krassen Fälle sagt der 46-jährige Zeno Diegelmann, der unter seinem Künstlernamen Tim Boltz auch schon einige Comedy-Romane geschrieben hat: "Ich hatte schon den einen oder anderen Albtraum." Bilder und erschütternde Eindrücke der recherchierten Fällen besuchten ihn mitunter auch nachts im Schlaf.

Die Podcast-Macher lassen die Fälle informativ und unterhaltsam zugleich Revue passieren. Sie sehen sich als Chronisten. Sprechen darüber, wie die Menschen zu Tätern wurden, wie Gerichtsurteile ausfielen und was aus den Tätern und Hinterbliebenen der Opfer wurde.

Kind entführt und getötet

Mitunter haben die Podcast-Erzähler auch persönliche Bezüge zu den Fällen. Da ist der Fall von Gabriele S. in Fulda: Das fünfjährige Mädchen spielt an einem Juni-Tag 1983 im Innenhof des Elternhauses. Von dort wird sie entführt und ermordet. Der Leichnam wird in ein Kanalrohr gestopft - und der Täter nie gefasst. "Das ist bis heute einer erschütterndsten und brutalsten Kriminalfälle in der Geschichte Fuldas", beurteilen die Podcaster.

Michael Schwarz, ein von vielen "Shaggy" genannter Künstler aus Fulda, läuft es beim Gedanken daran eiskalt den Rücken hinunter. "Ich war damals mit dem Mädchen zusammen im Kindergarten", berichtet der 43-Jährige, als er den Fundort der Leiche zur Recherche noch mal besuchte. Im Hof des Hauses habe er häufig mit dem Mädchen gespielt - bis es aus dem Leben gerissen wurde.

Die jüngste Folge des Podcasts "Mörderische Heimat" ist am 25. März erschienen - und ist zum Beispiel hier zu hören.

Sendung: hr4, 15.03.2021, 15.30 Uhr