Collage: Croupier Ingmar Heipel, Roulette-Tisch

Eleganz, Nervenkitzel und strenge Regeln: Eine Spielbank ist ein Kosmos für sich. Auch Studenten fühlen sich in einem Casino wie in Bad Homburg wohl, besonders als Croupiers. Dabei tragen sie auch viel Verantwortung.

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Audioseite Mit Spaß und Verantwortung: Croupier als Studentenjob

Croupier-Ausbilderin Nicoletta Tache in der Spiebank Bad Homburg.
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Ein warmes Dunkelrot an den Wänden, elegante Teppichböden, dazwischen große Roulette- und Karten-Tische mit goldfarbenen Akzenten - die Spielbank Bad Homburg setzt ganz bewusst auf eine gediegene Atmosphäre und einen Touch von Luxus und Exklusivität.

Den Studenten Ingmar Heipel hat das nicht abgeschreckt, im Gegenteil. Sein erster Casino-Besuch war vor vier Jahren mit seinem Minigolf-Verein und schon damals war er beeindruckt. "Es ist ein tolles Ambiente, das hat mir gefallen." Als er gehört habe, dass die Geschäftsleitung Aushilfen an den Spieltischen suchte, habe er sich sofort beworben.

Hohe Anforderungen an Studentenjobber

Tatsächlich arbeiten in Spielbanken wie Wiesbaden oder Bad Homburg immer öfter auch Studenten als Croupiers. Das lohnt sich, Stundenlöhne ab 17 Euro sind üblich, dazu wandert der ein oder andere Jeton als Trinkgeld über den Tisch. Den Job als Spielleiter zu kriegen, sei allerdings nicht ganz leicht, sagt Ingmar Heipel. Mindestens zwei Sprachen seien Grundvoraussetzung. Und jeder Bewerber und jede Bewerberin müsste einen sechswöchigen Kurs belegen für die Spiele Roulette, Black Jack oder Poker. "Da lernt man alles über das Spiel, vom Kartenwert bis zu den Regeln, sogar fürs Kartenmischen gibt es einen festen Standard".

Und auch die Kleiderordnung sei streng reglementiert. "Für die Croupiers gibt’s einen Dresscode: Schwarzer Sakko mit weißem Hemd und schwarzer Fliege." Bei den weiblichen Croupiers werde das Hemd zur Bluse und die Fliege zum Halstuch und sie könnten wählen, ob sie Rock oder Hose tragen wollen.

Kopfrechnen, Höflichkeit und Selbstbeherrschung

In der Spielbank Bad Homburg ist Nicoletta Tache für die Ausbildung der Croupier-Anwärter zuständig. Und schon während dieser Kurse testet sie die Kandidaten: Wie steht es mit Kopfrechnen, mit der Höflichkeit und wie reagieren die Bewerber auf Extremsituationen wie Wutausbrüche. "Wir spielen dafür verschiedene Situationen nach und erklären den neuen Kollegen, was passieren kann und worauf sie achten sollen."

Zwei Prüfungen gibt es zum Abschluss und wer die besteht, darf an die Spieltische. Aber da gehe es dann eigentlich erst richtig los, meint die Ausbilderin. "Das ist wie beim Autofahren, die Ausbildung ist abgeschlossen, aber das Eigentliche lernt man, wenn man am Tisch sitzt."

Anzeichen von Spielsucht früh erkennen

Die Croupiers in den Spielbanken tragen eine hohe Verantwortung. Denn manche Gäste verlieren nicht nur Geld, sondern auch das Maß - im schlimmsten Fall wird aus dem Freizeitvergnügen dann eine Spielsucht. Profis wie Nicoletta Tache erkennen schon die ersten Anzeichen. "Die Gäste sind dann nervös oder aggressiv, wenn sie verlieren. Sie möchten schnell die Auszahlung haben oder das nächste Spiel machen, also sind richtig ungeduldig." Gerade Stammgäste müsse man im Auge behalten, denn Spielsucht entstehe schleichend. Oft kämen Spieler erst mit Freunden, irgendwann aber allein und sonderten sich bewusst ab. Weil die Casino-Mitarbeiter ihre Gäste meist schon lange kennen, könnten sie schon früh reagieren.

Auch die Croupiers hätten die Aufgabe, auf solche Signale zu achten und sie zu melden. Darum müsse man die jungen Kollegen schon in der Ausbildung dafür sensibilisieren. Einschreiten sei aber nicht ihre Aufgabe. "Dafür haben wir qualifizierte Präventions-Beauftragte im Haus. Die werden hinzugeholt und sprechen mit dem Gast. Diese Leute haben nicht nur ein offenes Ohr für die Probleme, sondern stehen auch mit Tipps für Beratungs- und Hilfsangeboten zur Seite." Auf Wunsch könne der Gast auch mit einem Spiellimit oder sogar einer Sperre belegt werden.

Der Croupier kann sich auch mit den Gästen über Gewinne freuen

In Bad Homburg beherrscht Student Ingmar Heipel das Kartenmischen nach eigener Einschätzung mittlerweile routiniert. Aber die kleinen bunten Jetons, das Spielgeld, machten ihm nach vier Jahren immer noch zu schaffen. "Wir müssen die Jetons nebeneinanderlegen, damit der Gast sehen kann, okay, das sind 100 Euro in Jetons. Und die dann wieder mit einem Finger hochzunehmen und aufeinanderzustapeln, das ist auf jeden Fall das Schwierigste."

Der Job mache ihm richtig Spaß, versichert Ingmar Heipel. Durch die vielen internationalen Gäste lerne er nebenbei sogar auch schwierige Sprachen wie zum Beispiel Chinesisch. Und gelegentlich werde es auch richtig emotional. "Letztens hat ein Gast zwei Euro gesetzt, den Royal Flush bekommen und 6.000 Euro gewonnen." Sich in solch einer Situation mit den Gästen zu freuen, sei für ihn das Schönste.

Spielcasino will auch junge Menschen ansprechen

Insgesamt habe sich das Spielcasino-Image etwas gewandelt. Neben den klassischen Poker- und Roulette-Spieltischen gibt es auch Räume mit Spielautomaten. Und neuerdings auch einen Bereich speziell für junge Menschen, betont der 24 Jahre alte Student.

"Am Wochenende haben wir für junge Leute eine Party Area, mit Musik und es ist auch alles etwas lockerer. Und Black Jack und Roulette kann man schon mit geringen Einsätzen spielen, das heißt, schon mit einem Euro ist man zum Beispiel beim Black Jack dabei. Das kommt gut an."

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