Improvisierte Gedenkstätte für Fatih Saracoglu

Der rassistisch motivierte Anschlag in Hanau riss neun Menschen aus dem Leben. Der jüngste von ihnen wurde gerade mal 21 Jahre alt.

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Das Landeskriminalamt (LKA) hat am Freitag die Nationalitäten der neun Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau am Mittwochabend aufgelistet. Demnach waren drei der Toten Deutsche, zwei Türken, einer war Bulgare, einer Rumäne, einer Bosnier-Herzegowiner und einer besaß die deutsche und afghanische Staatsangehörigkeit.

Hinzu kommen bei den Toten die Mutter des Attentäters und der 43-jährige Attentäter selbst, beides Deutsche. Unter den Verletzten sind nach Angaben des LKA je zwei Menschen mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit und einer mit deutschem und afghanischem Pass.

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Was bislang über die Opfer der Anschläge in einer Shisha-Bar in der Hanauer Innenstadt und rund um einen Kiosk mit angeschlossener Shisha-Bar im Stadtteil Kesselstadt bekannt ist, haben wir im Folgenden zusammengetragen. Von den Opfern gibt es bislang kaum Fotos, die wir veröffentlichen dürfen.

Ferhat Unvar

Der 23-Jährige mit kurdischen Wurzeln wurde in Deutschland geboren. In der Türkei war er nie. Er hatte laut seiner Familie viele Pläne und Träume. Sein Cousin Aydın Yılmaz sagte dem hr, dass Ferhat Unvar gerade seine Lehre zum Heizungs- und Gasinstallateur abgeschlossen habe und dabei gewesen sei, seine eigene Firma zu gründen. "Ferhat wollte in der Gegend arbeiten und dafür sorgen, dass es uns allen zu Hause gut geht und warm ist", sagte Yılmaz. Ferhat Unvar habe sich oft mit Freunden in der Arena Bar im Stadtteil Kesselstadt getroffen - so auch am Tatabend.

Mercedes Kierpacz

Die 35-Jährige ist laut dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma deutsche Staatsbürgerin und Angehörige der Minderheit Roma. Mercedes Kierpacz hinterlässt nach Angaben des hessischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma einen 17 Jahre alten Sohn und eine dreijährige Tochter. Sie wuchs demnach in Hanau auf und ging hier auch zur Schule. Am Tatabend soll sie in der Arena Bar, einem Kiosk mit angeschlossener Shisha-Bar, gearbeitet haben. "Die Eltern der Toten mussten 20 Stunden warten, bis sie ihre Tochter sehen konnten", berichtet Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma. Ihre Freundin Jade M. beschreibt Mercedes Kierpacz gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal 20min.ch als eine Frau mit starker Persönlichkeit: "Sie war auch sehr offen und sympathisch. Man hat sich in ihrer Nähe sofort wohlgefühlt."

Sedat Gürbüz

Sedat Gürbüz war der Besitzer der Shisha-Bar Midnight am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt, dem ersten Tatort des Attentäters. Navid S., nach eigener Aussage ein sehr guter Freund von Sedat Gürbüz, sagte dem Nachrichtenportal 20min.ch: "Sedat war ein geliebter Bruder. Er hat immer gelacht, konnte keiner Fliege etwas zuleide tun." Als er von dem Angriff auf die Shisha-Bar erfahren habe, habe er geahnt, dass Sedat unter den Todesopfern ist, sagte S.: "Er war immer um diese Zeit da." Bereits kurz nach dem Mord habe der türkische Botschafter Gürbüz' Vater Selahattin und seine Mutter Emiş besucht. Sedat Gürbüz wurde 29 Jahre alt. Er hinterlässt nach türkischen Medienberichten einen Bruder.

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Namen der Opfer von Straftaten nennen wir in der Regel aus Rücksicht auf die Privatsphäre nicht. Es sei denn, es handelt sich um bekannte Persönlichkeiten.  In diesem besonderen Fall haben wir es nach einer Diskussion in der Redaktion anders gehandhabt: Wir wollen den Opfern Namen und Gesicht geben. Denn der von rechtsextremen Motiven geleitete Täter sprach ihnen das Mensch-Sein wegen ihrer Herkunft geradezu ab, wie seine Online-Veröffentlichtungen zeigen. Die Namen wurden auch bei einer Mahnwache in Hanau im Beisein von Angehörigen und Freunden vorgelesen.

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Gökhan Gültekin

Sein Spitzname unter Freunden war "Gogo". Und davon schien der 37-Jährige einige gehabt zu haben. Er stammte aus einer kurdischen Familie. Gökhan Gültekin war in Hanau ein sehr bekannter Mann. "Ein bunter Hund", sagten einige Hanauer dem hr. Er habe Maurer gelernt und nebenberuflich als Kellner gearbeitet.

Gökhan Gültekin, Opfer des Anschlags von Hanau, mit Familienangehörigen

Hamza Kurtović

Die Familie des 22-Jährigen stammt ursprünglich aus der bosnisch-herzegowinischen Stadt Prijedor. Doch schon sein Vater wurde in Deutschland geboren, wie später auch Hamza, seine zwei Brüder und eine Schwester. Nach Angaben von Bekannten hatte er erst vor Kurzem seine Ausbildung abgeschlossen und war gerade ins Berufsleben eingestiegen.

Anschlagsopfer Hamza Kurtović

Kaloyan Velkov

Der 33-Jährige lebte laut bulgarischem Außenministerium seit zwei Jahren in Deutschland. Am Samstagabend schrieb eine Nutzerin an hessenschau.de, wonach bulgarische Medien über Kaloyan Velkov berichteten. Demnach stamme er aus Lyutidol und habe mit seiner Arbeit in Hanau seine Familie in Bulgarien finanziell unterstützt. Er sei Vater eines siebenjährigen Sohnes. Seine von ihm getrennt lebende Frau habe kurz vor dem Attentat noch mit ihm telefoniert. Kaloyan Velkov war laut Landesverband der Sinti und Roma in Hessen ebenfalls Angehöriger der Minderheit Roma.

Vili-Viorel Păun

Der 22-Jährige zog laut rumänischen Medien als 16-Jähriger von Rumänien nach Deutschland, weil seine Mutter krank war und sich hier behandeln lassen wollte. In Deutschland habe Vili Viorel Păun den Schulbesuch zunächst nicht fortsetzen können und in einer Kurierfirma gearbeitet.

Said Nesar Hashemi

Zunächst war wenig über Said Nesar Hashemi bekannt. Am 23. Februar schrieb seine Schwester an hessenschau.de, ihr Bruder sei im Juni 1998 in Hanau geboren worden, ging dort zur Schule und schloss dort seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer ab. Er hatte geplant, im kommenden Jahr eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker abzuschließen. "Hanau war seine Heimat", schrieb seine Schwester. "Er hat hier Familie und Freunde. Er war immer glücklich gewesen und war immer für Menschen da, die seine Hilfe benötigt haben." Sein Bruder sei 23 Jahre alt und habe schwer verletzt überlebt.

Fatih Saraçoğlu

Auch der 34 Jahre alte Fatih Saraçoğlu ist bei dem Anschlag getötet worden. Er war aus Regensburg ins Rhein-Main-Gebiet gezogen und arbeitete nach Angaben seiner Familie als Kammerjäger und Schädlingsbekämpfer. Saraçoğlu starb in der Bar Midnight.

Zunächst war ein anderer junger Mann fälschlicherweise als Todesopfer genannt worden. Sein Name wurde bei der Mahnwache für die Opfer am Freitagabend in Hanau vorgelesen. Auch wir haben ihn in einer ersten Version des Artikels genannt. Inzwischen hat sich ein Mann unter gleichem Namen gemeldet: Er sei entgegen seiner ursprünglichen Pläne an dem Abend nicht in die Shisha-Bar gegangen und lebe.

Trauerseite für Anschlagsopfer von Hanau auf Instagram

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.02.2020, 19.30 Uhr