Blick auf Homberg (Ohm)

Ein 20-Jähriger aus ihrer Stadt hat den Hackerangriff auf Politiker und Prominente gestanden. Die Bürgermeisterin von Homberg (Ohm) sieht allerdings keinen Skandal. Derweil wurden weitere Details zum Vorgehen des Hackers bekannt.

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Eine eigene Polizeistation hat die Kleinstadt Homberg (Ohm) im Vogelsberg nicht. "Das ist auch nicht nötig. Die Kriminalität ist wirklich absolut niedrig", sagte Bürgermeisterin Claudia Blum (SPD) dem hr. Entsprechend überrascht war Blum, als herauskam, dass ein Schüler und Arzt-Sohn aus ihrem 7.000-Seelen-Städtchen massenhaft Daten von Spitzenpolitikern und Prominenten ins Netz gestellt haben soll.

In Hessen waren etwa 60 Spitzenpolitiker von dem Datenleak betroffen. Am Donnerstag musste sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einer Sondersitzung des Bundestags-Innenausschusses kritischen Fragen stellen.

Einen Skandal sehen die meisten Bewohner von Homberg (Ohm) in dem Hackerangriff laut Blum aber nicht. "Wir müssen uns nicht schämen", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es sei eine Straftat, aber es gehe ja nicht um Mord und Totschlag. Der 20-Jährige habe der Republik "den Spiegel vorgehalten", was den Umgang mit Daten angeht.

Täter könnte Teil der Daten aus dem Darknet haben

Der Schüler hatte den Hackerangriff Anfang der Woche gestanden. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Ausspähens und der unberechtigten Veröffentlichung personenbezogener Daten ermittelt. Auf seine Spur waren die Ermittler durch eine Aussage eines Bekannten aus dem Internet gekommen.

Die Bild-Zeitung berichtete, der Schüler habe einen Teil der Daten im Darknet - also in verschlüsselten Teilen des Internets - gekauft. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt dementierte das auf Nachfrage des hr. Dass der 20-Jährige sich im Darknet Daten beschafft haben könnte, schloss sie aber nicht aus. Laut Bild geht es zum einen um den Zugang zu den Social-Media-Konten der Geschädigten und zum anderen um die geleakten Social-Media-Daten selbst.

"Verärgerung über öffentliche Äußerungen" als Motiv

Der geständige Verdächtige, der noch bei seinen Eltern wohnt, war am Sonntag vorläufig festgenommen worden. Kurz darauf war er wieder frei: Der Beschuldigte sei nach seiner Vernehmung am Montag mangels Haftgründen noch am selben Tag aus dem Gewahrsam entlassen worden, teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Große Aufmerksamkeit für das kleine Homberg

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Laut BKA gab der 20-Jährige als Grund für den Datenklau an, "aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben". Er agierte demnach alleine. Ein Anwalt sagte Spiegel Online, dem Schüler drohten neben einer Gefängnisstrafe auch hohe Forderungen an Schmerzensgeld. "Der Hacker wird zumindest wirtschaftlich seines Lebens nicht mehr froh", so Rechtsanwalt Peter Hense.

Festplatte 32 Mal gelöscht

Wie nach einer Sondersitzung des Bundestags-Innenausschuss am Donnerstag bekannt wurde, gab der junge Hacker sich große Mühe, seine Spuren zu verwischen. Er löschte seine Festplatte demnach 32 Mal. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, sagte nach Angaben von Teilnehmern der nicht-öffentlichen Sitzung, der 20-Jährige habe außerdem einen Computer auf einem Recyclinghof "ordnungsgemäß entsorgt".

Claudia Blum (SPD) Bürgermeisterin Homberg (Ohm)

Während der Hackerangriff Politiker und Juristen in der ganzen Republik beschäftigt, hat Bürgermeisterin Blum schon eine Idee, wie Homberg (Ohm) in naher Zukunft mit dem Ganzen umgehen könnte. "Ich hab kurz gewitzelt: Wahrscheinlich wird’s auch an Fasching vorkommen in den Sitzungen."