Mitglieder der Osmanen Germania bei einer Polizeikontrolle
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Boxerclub oder kriminelle Vereinigung? Innenministerien von Bund und Ländern halten die Rockergruppe "Osmanen Germania" für gefährlich. Bei einer bundesweiten Razzia hat die Polizei am Dienstagmorgen auch Räume in sieben hessischen Orten durchsucht.

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In mehreren Bundesländern wurden am Dienstagmorgen Wohnungen und Geschäftsräume des Rockerclubs "Osmanen Germania BC" und seiner Mitglieder durchsucht. Nach Angaben des hessischen Innenministeriums befanden sich darunter auch zehn Objekte in West-, Süd- und Südosthessen. Rund 120 Polizisten, darunter auch Spezialkräfte, waren in Hessen beteiligt.

Ein Schwerpunkt der Aktion lag auf Dietzenbach (Offenbach). Dort wurden laut Landeskriminalamt mehrere Wohnungen durchsucht. In Dietzenbach befand sich bis zum vergangenen Jahr das Hauptquartier des Vereins. Auch in Oberursel, Bad Homburg (beide Hochtaunus), Rodenbach, Maintal-Bischofsheim (beide Main-Kinzig), Münster (Darmstadt-Dieburg) und Bad Homburg wurden Objekte durchsucht.

Federführend bei den Durchsuchungen ist das Bundesinnenministerium. Es hat ein vereinsrechtliches Verfahren eingeleitet. Dabei soll geklärt werden, ob der Verein gegen Strafgesetze verstößt.

Beuth: "Klares Signal des Staates"

"Mit den heutigen Durchsuchungen sollen die Machenschaften der Osmanen Germania weiter aufgehellt werden", teilte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) mit. "Von den Maßnahmen geht auch ein klares Signal des Staates aus: Wir dulden keine rechtsfreien Räume und werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um kriminelle Rockergruppierungen in ihre Schranken zu weisen."

Der Verein gibt laut dem nordrhein-westfälischen Innenministerium vor, sich als Boxclub vor allem um Jugendliche zu kümmern. Tatsächlich sei es in der Vergangenheit wiederholt zu Delikten wie Körperverletzungen und versuchten Tötungen bei Streitigkeiten mit anderen Rocker-Gruppen gekommen. Die Osmanen haben aktuell bundesweit 300 Mitglieder mit meist türkischen Wurzeln.

Vorwürfe: Versuchter Mord, Erpressung, Zwangsprostitution

Nach Angaben der Polizei in Essen wurden am Dienstagmorgen in Nordrhein-Westfalen insgesamt 41 Objekte unter die Lupe genommen. Die Durchsuchungen sollten der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Aktivitäten dienen. Um die Durchsetzung eines Vereinsverbots gehe es nicht. Auch in Baden-Württemberg fanden Durchsuchungen statt - unter anderem in Gefängnissen, in denen Anführer der Osmanen Germania in Untersuchungshaft sitzen sollen.

Im Juni 2017 hatte es bereits eine bundesweite Razzia gegen die rockerähnliche Gruppe gegeben. Dabei wurden ebenfalls Wohnungen in Hessen durchsucht. Im Dezember erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen acht mutmaßliche Osmanen-Mitglieder. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

Rockern wird Nähe zur Erdogan-Partei nachgesagt

Die Rockergruppe steht nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen.

Nach eigenem Bekunden haben die Osmanen kein Interesse am Motorradfahren und grenzen sich daher von den traditionellen Rockergruppierungen ab. Durch das Tragen von Kutten und dem hierarchischen Aufbau lassen sie sich aber durchaus als rockerähnlich bezeichnen.