Für den Kampf gegen Terroristen und andere gefährliche Kriminelle bekommt die hessische Polizei 1.500 neue Sturmgewehre. Die G38-Gewehre werden speziell für den Gebrauch der Beamten entschärft.

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Die hessische Polizei wird mit 1.500 neuen G38-Gewehren des Herstellers Heckler und Koch ausgestattet. Die Waffen sollen ab Frühjahr 2020 ausgeliefert werden, wie das Innenministerium am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Nach den Worten eines Sprechers investiert Hessen zehn Millionen Euro, in dem Preis seien unter anderem Übungswaffen und Reinigungsutensilien miteingeschlossen.

Sie sollen die Polizei bei neuen Arten von Bedrohung unterstützen, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Um die Reaktionsfähigkeit gegenüber Terroristen und anderen gefährlichen Kriminellen weiter rasch zu erhöhen, seien bereits im vergangenen Jahr 130 der G38-Gewehre an die sechs Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten ausgeliefert worden.

"Notwendige Durchschlagskraft"

Die moderne Mitteldistanzwaffe erfülle alle Voraussetzungen, um den Polizisten die notwendige Durchschlagskraft im Kampf gegen Schwerverbrecher und gefährliche Fanatiker an die Hand zu geben, betonte Beuth am Freitag bei einer Anti-Terror-Übung mit Spezialkräften in Wiesbaden.

Bei Anschlägen etwa in Frankreich hätten Terroristen mit Sturmgewehren auf Bürger und die Polizei geschossen. "Auf diese neue Art der Bedrohung haben wir mit unserer Sicherheitsstrategie unmittelbar reagiert und unsere Polizei robuster ausgestattet und intensiv geschult", erläuterte der Minister. "Die kurzfristig verbesserte Standard-Maschinenpistole können wir jetzt sukzessive durch das leistungsstärkere Gewehr ersetzen."

Dauerfeuer wird abgestellt

Heckler und Koch habe den Zuschlag nach einem europaweiten Vergabeverfahren bekommen. Die G38-Gewehre für die hessische Polizei sollen so modifiziert werden, dass nur der gezielte Einzelschuss möglich ist, nicht das sogenannte Dauerfeuer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessische Polizei wird neu ausgestattet

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Varianten des G38 werden von Spezialkräften in vielen Ländern eingesetzt. Unter anderem von sogenannten SWAT-Teams in den USA. Ein Vorläufermodell, das G36, war von der Bundeswehr wegen Problemen bei Dauerfeuer und Hitze ausgemustert worden.

Dank App schneller am Einsatzort

Neben der schwereren Ausrüstung sollen Polizisten bei ihren Einsätzen künftig auch besser vernetzt sein. Die Handy-App "hessenDATA mobile" stehe bereits seit Mitte 2018 ersten operativen Einheiten zur Verfügung, teilte das Innenministerium mit. Nun liefen die Vorbereitungen für eine hessenweite Nutzung. Die Einheiten seien mit der App deutlich reaktionsschneller, um Terroristen oder Schwerstkriminelle effektiv zu bekämpfen, erläuterte Beuth (CDU).

Die Analyseplattform "hessenDATA" verknüpft bereits vorhandenes Wissen beispielsweise aus Polizeidatenbanken und bereitet es für die Polizei auf. Die Software wird unter anderem im Kampf gegen islamistische Gefährder eingesetzt. Die mobile Version wurde am Freitag bei der Anti-Terror-Übung mit Spezialkräften in Wiesbaden präsentiert.

Taser für die gesamte Polizei - trotz Todesfällen

Insgesamt investiert Hessen laut Innenministerium soviel wie noch nie in Innere Sicherheit - im laufenden Jahr einen Betrag von 1,6 Milliarden Euro.

Nach einer zweijährigen Testphase hatte Innenminister Beuth in diesem Zusammenhang vor wenigen Monaten alle sieben Polizeipräsidien des Landes mit Elektroschockern ausgestattet. Der sogenannte Taser sei "in vielen Fällen die mildere Variante der Schusswaffe", sagte Beuth im April. Wenig später kam heraus, dass zwei Menschen in Frankfurt und Fulda nach dem Einsatz von Elektroschockern gestorben waren. Auch in Rheinland-Pfalz und Bayern werden Todesfälle mit Taser-Einsätzen der Polizei in Zusammenhang gebracht.

Sendung: hr-iNFO, 9.8.2019, 11:00 Uhr