Bildcombo: Hochzeit/ Coronatest

Die Infektionszahlen im Kreis Groß Gerau steigen rapide. Ein Grund dafür ist eine große Hochzeitsfeier am Wochenende mit hunderten Besuchern - mindestens ein Gast trug das Virus in sich. Für 160 Menschen bedeutet das nun: Quarantäne.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Steigende Corona-Infektionszahlen im Kreis Groß-Gerau

Corona-Proben im Labor
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Nach einer Hochzeitsfeier in Kelsterbach (Groß-Gerau) am vergangenen Wochenende sind mittlerweile 16 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. 160 Menschen seien in Quarantäne, sagte eine Sprecherin des Kreis-Gesundheitsamts am Donnerstag in Groß-Gerau. Ein großer Teil sei von selbst zu einem Testzentrum gegangen, allerdings liegen noch nicht alle Ergebnisse vor.

"Wir hoffen, dass wir nicht über 35 kommen", sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Walter Astheimer (Grüne), mit Blick auf die Inzidenz. Die Inzidenz ist eine wichtige Kennziffer für die Entwicklung der Pandemie. Sie gibt Auskunft über die Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Am Donnerstag lag dieser Wert für Groß-Gerau bei 25,4. Bei einem Wert von 35 wäre die zweite Eskalationsstufe erreicht, die mit schärferen Maßnahmen gegen die Pandemie verbunden ist.

Hochzeitsfeier wirkt sich auf Schulalltag aus

Astheimer sagte, es seien bereits am Montag Maßnahmen ergriffen worden, nachdem die Zahl der Neuinfektionen gestiegen sei. Unter anderem gelte im Kreis Maskenpflicht in Schulen auch während des Unterrichts.

Wegen der Hochzeitsfeier sei mittlerweile auch eine Schulklasse in Mörfelden-Walldorf in Quarantäne, weil der Lehrer Gast auf der Feier war und positiv getestet wurde. Betroffen ist nach Angaben des Kreises auch das familiäre Umfeld des Brautpaares.

Ein Team von acht Leuten sei derzeit dabei, rund um die Uhr Infektionsverläufen nachzugehen. Es würden noch mehr positive Tests erwartet, und auch Kontaktpersonen nach dem Hochzeitsfest müssten gegebenenfalls in Quarantäne. Getestet werden die Betroffenen im Drive-In Testcenter in Groß-Gerau oder in einer der 14 Hausarztpraxen, die im Kreis Groß-Gerau Corona-Tests durchführen.

Zulässige Personengrenze wurde nicht überschritten

Die Hochzeitssause dauerte zwei Tage. Das Brautpaar hatte eine Halle eines privaten Vermieters gebucht, der auf Hochzeiten dieser Größe spezialisiert ist. Am ersten Tag kamen hundert Gäste, am zweiten noch einmal zweihundert. "Da an beiden Tagen die Grenze von 250 Menschen nicht überschritten wurde, musste die Veranstaltung auch nicht angemeldet werden", erklärte Gesundheitsdezernent Astheimer im Gespräch mit hessenschau.de.

Ob die Gastgeber ein Hygienekonzept hatten, ist nicht bekannt, behördliche Kontrollen gab es offenbar keine. Zum Problem wurde dieser Umstand, weil auf der Feier eine Frau anwesend war, die - ohne es zu dem Zeitpunkt zu wissen - mit dem Coronavirus infiziert war.

Stufe 3 fast schon erreicht

Der Kreis Groß-Gerau, sowie viele andere Kommunen und Kreise, verzeichnet derzeit deutlich steigende Corona-Zahlen. Am Wochenende hatte der Kreis die Grenze von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage überschritten. Damit war Stufe 2 des Eskalationskonzepts des Landes Hessen erreicht. Der Kreis rechnet nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen mit einem weiteren Anstieg - auch aufgrund der Ansteckungen auf der Hochzeit in Kelsterbach. Ab Donnerstag dürfen nur noch maximal 150 Menschen an Veranstaltungen teilnehmen. Die entsprechende Allgemeinverfügung gelte bis zum 30. August für öffentliche und private Veranstaltungen.

Weitere Informationen

Mehrstufiges Eskalationskonzept

Das Konzept des Sozialministeriums zur Eindämmung lokaler Coronavirus-Ausbrüche sieht mehrere Stufen vor:

  • Bis 20 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt es keine verschärften Maßnahmen.
  • Ab 20 Neuinfektionen gelten eine erhöhte Aufmerksamkeit, verstärkte Informationspflicht sowie bedarfsgerecht angepasste Maßnahmen.
  • Ab 35 Neuinfektionen gelten wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Betriebe und Einrichtungen, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, werden geschlossen. Zusätzliche Krankenhausbetten werden geschaffen.
  • Ab 50 Neuinfektionen kommt es zu weitgehenden Einschränkungen: Einrichtungen und Betriebe müssen geschlossen, Zusammenkünfte untersagt und auch der ÖPNV eingeschränkt werden.
  • Ab 75 Neuinfektionen übernimmt zusätzlich der Krisenstab des Sozialministeriums die Steuerung der Maßnahmen.
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Auch in Offenbach Frankfurt und Wiesbaden ist der 7-Tages-Wert bereits über 20 gestiegen, in Offenbach liegt er bereits bei 39,1. Ein solcher Wert wurde zuletzt Anfang August gemeldet, die Stadt hatte daraufhin strengere Regeln zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus eingeführt.

Sendung: hr4, 20.08.2020, 07.30 Uhr