Kampf gegen Schwarzarbeit auf Baustellen: Hunderte Ermittler haben unter anderem in Kassel und im Rhein-Main-Gebiet Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. 20 Menschen wurden festgenommen - davon zwei Hauptbeschuldigte.

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Audioseite Razzia gegen Schwarzarbeit auf Baustellen

Zollbeamte auf einer Baustelle.
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Schwerpunkt der großangelegten Festnahme- und Durchsuchungsaktion am Mittwoch war nach Angaben des Zolls in Kassel und Umgebung. Darüber hinaus gab es Durchsuchungen im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin und in Hamburg. Insgesamt wurden 44 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht.

Waffen sichergestellt

An der Razzia unter Führung der Staatsanwaltschaft Kassel waren mehr als 500 Einsatzkräfte von Zoll, Polizei und Steuerfahndung sowie Bargeldspürhunde beteiligt. Insgesamt richten sich die Ermittlungen den Angaben zufolge gegen 25 Beschuldigte. Gegen zwei Drahtzieher des Schwarzarbeits-Netzwerkes, zwei Männer im Alter von 31 und 58 Jahren, lagen bereits Untersuchungshaftbefehle vor, die vollstreckt wurden. Auf die Schliche kam der Zoll der Bande, weil er bei Baustellenkontrollen immer wieder auf die gleichen Namen stieß.

Die Beamten stellten nach eigenen Angaben umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Computer und Mobiltelefone. Neben Bargeld entdeckten die Einsatzkräfte außerdem einen Schlagstock, ein Einhandfaustmesser sowie eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe.

Kettenbetrug mit fingierten Zahlungen

Der Bande wird gewerbsmäßiger Betrug sowie Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe vorgeworfen. Sie soll Bauaufträge im gesamten Bundesgebiet mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt und so Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro vorenthalten haben.

Es handle sich um einen sogenannten Kettenbetrug, sagte ein Sprecher des Hauptzollamts Gießen. Dabei sei mit fingierten Zahlungen und Scheinrechnungen für nicht erbrachte Bauleistungen von mehreren Scheinfirmen Schwarzgeld generiert worden, um damit die Schwarzarbeiter zu bezahlen.

18 Bauarbeiter vorläufig festgenommen

Die mutmaßlichen Täter seien besonders konspirativ vorgegangen. "Durch Verlegung von Firmensitzen, schwer durchdringbaren Komplexen von Scheinfirmen und dem Einsatz von Strohmännern als Geschäftsführern erschwerten sie uns die Ermittlungen und die Aufdeckung der Taten", sagte der Sprecher. Finanzermittler sicherten am Mittwoch "umfangreiche Vermögenswerte" und pfändeten Konten und offene Forderungen für erbrachte Bauleistungen in Höhe von insgesamt 1,8 Millionen Euro.

In Kassel und in Göttingen wurden zwei Großbaustellen durchsucht. 18 Bauarbeiter wurden wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt vorläufig festgenommen. Darunter waren laut Zoll einige, die sich mit gefälschten Dokumenten ausgewiesen hatten.

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