Tristan B/ Grab auf den Friedhof Höchst
Tristans Grab auf dem Friedhof Frankfurt-Höchst wird aufgelöst und ein Gedenkort eingerichtet. Bild © picture-alliance/dpa

Es gilt als eines der schlimmsten Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte in Hessen: Die Ermordung des 13-jährigen Tristan in Frankfurt-Höchst. Nach 20 Jahren wird dort auf dem Friedhof ein Gedenkort eingerichtet. Das Grab hingegen wird verschwinden.

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Am 26. März 1998 wurde der damals 13 Jahre alte Schüler Tristan Brübach in Frankfurt-Höchst ermordet. Der Fall ist bis heute ungeklärt. An seinem 20. Todestag wird auf dem Friedhof in Höchst von einer Handvoll engagierter Bürger ein Gedenkort mit Grabstein und Steinkreuz für das Kind eingeweiht.

Gräberfeld wird Ende des Jahres abgeräumt

Die Uhr tickt, die Zeit für das reguläre Grab läuft zum Ende des Jahres ab. "Alle Reihengräber werden nach 20 Jahren abgeräumt, das kann man nicht verlängern", sagt Thomas Bäder vom Frankfurter Friedhofsamt. Selbst wenn es also noch lebende Angehörige von Tristan Brübach gäbe - was nicht der Fall ist -, könnten sie nicht verhindern, dass das Gräberfeld auf dem Friedhof zum Ende des Jahres komplett aufgelöst wird.

Dass Tristans Grab verschwindet, wollten einige Menschen nicht akzeptieren. Sie setzten sich dafür ein, dass das Andenken an das ermordete Kind auch weiterhin einen Ort auf dem Friedhof hat. Dieser Ort wurde in Sichtweite des Grabes gefunden. "Die Stelle liegt unter einem großen Baum, in einem Bereich, der nicht mit Gräbern belegt werden kann", sagt Bäder.

Spendenkonto für Gedenkort

Angestoßen wurde die Aktion von zwei Menschen: Cornelia Scherf aus Eschborn richtete ein Spendenkonto ein, mit dem der Gedenkort finanziert wird.

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maintower kriminalreport extra

"Ungesühntes Verbrechen - 20 Jahre nach dem Mord an Tristan": In einem "maintower kriminalreport extra" berichtet das hr-fernsehen am 26. März um 18:25 Uhr über die Bemühungen der Ermittler und von der Gedenkveranstaltung.

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Und dann ist da noch Michael Fiedler. Der 54-Jährige lebt in Hamburg, ist Taxifahrer und hat mit Tristan eigentlich nichts zu tun. Fiedler hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gräber von Kindern zu pflegen, die durch Gewalt ums Leben kamen und um die sich niemand mehr kümmert. Das können Mordfälle sein wie der von Tristan - aber auch Gräber von Kindern, die wegen Vernachlässigung starben, verhungerten oder allgemein Opfer von Gewalt wurden.

Mehr als acht Mal am Grab

Fiedler konnte diese Geschichten irgendwann nicht mehr ignorieren, wollte ein Zeichen setzen. "Ich habe Freunde, die reisen Fußballvereinen hinterher. Das wiederum ist für mich unvorstellbar", sagt der Hamburger, der weiß, dass sein Engagement auch auf Unverständnis stoßen kann.

Am Grab von Tristan war er nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren mehr als acht Mal: am Todestag, am Geburtstag, manchmal auch an Nikolaus. "Mir geht die schreckliche Geschichte von Tristan nicht mehr aus dem Kopf."

Herz aus Stein

Der Grabstein von Tristan sei sehr speziell mit seinem Herz aus Stein und den Schmetterlingsflügeln. Das Todesdatum wurde explizit um den Zusatz "ermordet" ergänzt. "Ich glaube, den hat damals die Oma ans Grab gelegt", sagt Fiedler.

Diesen speziellen Stein galt es für den Hamburger zu retten, wenn das Grab aufgelöst wird. Auch, wenn es Tristans Grab am Ende des Jahres nicht mehr geben wird, der Gedenkort mit Herz und Steinkreuz bleibt - und so auch ein Stück Erinnerung an das ermordete Kind.

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Mordfall Tristan

Tristan Brübach wurde am 26. März 1998 in Frankfurt-Höchst in einer Unterführung getötet. Das Kind starb durch einen langen Schnitt in den Hals. Ihm wurden nach dem Tod die Hoden sowie Muskelfleisch aus Gesäß und Oberschenkeln entfernt.
Der Täter konnte bis heute nicht gefasst werden. Mehr als 20.000 Spuren wurden bearbeitet, alle verliefen ins Leere. 70.000 Fingerabdrücke von 7.000 Männern in den Stadtteilen Höchst und Unterliederbach brachten keine Erkenntnis zum Fall.
Tristans Mutter hatte drei Jahre vor dem Verbrechen einen Suizid begangen, der Vater zog das Kind auf. Er starb 2015 mit 59 Jahren.

Fragen und Antworten zu dem Mordfall Tristan lesen Sie hier.

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