Am Fundort der leblosen Frau in Hofheim

Ein 56 Jahre alter Mann soll seine ehemalige Lebensgefährtin nahe eines Reiterhofs in Hofheim erschossen haben. Vor Gericht muss er sich wegen heimtückischen Mordes an der 22-Jährigen verantworten - doch der Angeklagte hüllt sich in Schweigen.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 23.06.2020
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Wegen Mordes an seiner ehemaligen Lebensgefährtin ist am Dienstag vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess gegen einen 56-Jährigen eröffnet worden. Der Mann lockte seine ehemalige Lebensgefährtin der Anklage zufolge im vergangenen August in der Nähe eines Reiterhofs in Hofheim-Langenhain (Main-Taunus) in einen Hinterhalt. Anschließend soll er die 22-jährige Frau aus nächster Nähe mit einer Pistole in den Kopf geschossen haben, die mit Schalldämpfer und Zielfernrohr ausgestattet war.

Die Frau starb noch am Tatort. Die 22-Jährige sei "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" getötet worden, hieß es. Am ersten Verhandlungstag erklärte der Angeklagte, sich zunächst weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen äußern zu wollen (AZ 3590 Js 236977/19).

Am Tag nach der Tat stellte sich der Wiesbadener der Polizei und sitzt seither in Untersuchungshaft. Im Verlauf der Ermittlungen hatte er mehrfach bestritten, der Täter gewesen zu sein. Seine Version: Er habe auf der Arbeit davon erfahren, dass die Polizei ihn suche und sich daraufhin entschlossen, zur Polizei zu gehen. "Er wollte das aus dem Weg räumen", so der Anwalt.

Tatmotiv: Trennung?

Den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zufolge aber war eine "übersteigerte Eifersucht" des Mannes das Hauptmotiv, die Frau zu töten. Rund vier Wochen vor der Tat hatte sie sich von dem 33 Jahre älteren Mann laut Anklage endgültig getrennt. Zuvor schon kam es offenbar wiederholt zu Zerwürfnissen, die aber immer wieder durch die Rückkehr der Frau beigelegt werden konnten.

Nach der abermaligen Trennung aber sei der 56-Jährige "besessen von dem Gedanken gewesen, dass sie kein anderer haben darf", so die Anklage. Schon mehrere Wochen vor der Tat habe er ihr nachgestellt, weil sie seiner Ansicht nach "ein Recht auf Weiterleben verwirkt hatte". Weil er für die halbautomatische Waffe mit Schalldämpfer und Zielfernrohr keine Erlaubnis besaß, geht die Anklage auch von waffenrechtlichen Verstößen aus.

Die Schwurgerichtskammer steht vor einer ausgedehnten Beweisaufnahme mit zehn Verhandlungstagen bis Ende Juli. An der Verhandlung nehmen auch mehrere Verwandte des Opfers als Nebenkläger teil.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.06.2020, 16.45 Uhr