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Audioseite Fall Sabrina: Polizei nennt Resonanz bei DNA-Test "erfreulich"

hs

Mit DNA-Reihentests will die Polizei nach 22 Jahren die Mutter der kleinen Sabrina finden: Ein Spaziergänger hatte das tote Baby damals in einem Gebüsch in Büdingen entdeckt. Hunderte Frauen hat die Polizei zum Test eingeladen - und zeigt sich zufrieden mit dem Rücklauf.

Im "Cold Case"-Fall Sabrina haben sich am Samstag und Sonntag hunderte Frauen zum DNA-Reihentest im Büdinger Stadtteil Lorbach eingefunden. Rund 75 Prozent der eingeladenen Frauen seien erschienen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. Die Resonanz sei erfreulich.

290 Freiwillige reisten demnach an, um ihre Speichelprobe abzugeben und die Ermittler bei der Suche nach Sabrinas Mutter zu unterstützen. Insgesamt 384 Frauen, die noch heute in der Nähe leben, hatten eine Einladung nach Büdingen bekommen.

Auch bundesweite Reihentests geplant

"Luft nach oben ist auf jeden Fall, aber mit dem Ergebnis sind wir bis jetzt ganz zufrieden", bilanzierte ein Polizei-Sprecher. Neben den Frauen, die ihre Probe in Büdingen abgegeben haben, kommen laut Polizei noch rund 200 weitere infrage.

Diese seien innerhalb Deutschlands umgezogen und würden "durch die am neuen Wohnort zuständige Polizei kontaktiert", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Nach den Reihentests vom Wochenende betonten Polizei und Staatsanwaltschaft, "welch höchstpersönlichen und immens wichtigen Beitrag jede einzelne Teilnehmerin auf diese Weise dazu geleistet hatte herauszufinden, warum Sabrina vor inzwischen mehr als 22 Jahren sterben musste".

DNA-Abgleich ermöglicht neue Ermittlungen

Im Jahr 1999, als ein Spaziergänger das tote Baby in einem Müllsack am Feldrand fand, waren DNA-Reihenuntersuchungen noch nicht möglich. Erst 2019 war es Spezialisten mit einer neuen Analysemethode gelungen, eine vollständige DNA des Kindes, das die damaligen Ermittler Sabrina tauften und anonym beerdigten, aus sichergestellten Leberzellen zu extrahieren. Dadurch waren die Bedingungen für den DNA-Test gegeben.

Foto eines Feldwegs in der Landschaft. Am Rand leicht verdeckt ein blauer Müllsack (in dem der Leichnam verborgen war). Ein roter Pfeil markiert in dem Bild die Stelle.

Zwei weitere Jahre dauerte es, bis ein Raster ermittelt werden konnte - aus Frauen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 13 und 30 Jahren alt waren und im engeren Umkreis lebten. Der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger hatte die neuen Ermittlungen in dem "Cold Case" wieder angestoßen - er gilt als Mann für aussichtslose Fälle.

Auswertung der Rechtsmedizin bis Sommer 2022

Die DNA-Proben der Freiwilligen aus Büdingen kommen jetzt in die Rechtsmedizin nach Gießen, wo Spezialisten sie auswerten und mit Sabrinas DNA vergleichen sollen.

"Gibt es keine Übereinstimmung, wird die Probe sofort vernichtet", sagte Tobias Kremp. "Sollte es eine Übereinstimmung geben, würde das bedeuten, dass diejenige, bei der die Probe entnommen worden ist, Sabrinas Mutter sein muss." Bis alle DNA-Proben im Fall Sabrina ausgewertet und abgeglichen sind, könnte es bis Sommer 2022 dauern.

"Cold Case" Johanna wurde nach 18 Jahren aufgeklärt

Dass ein ungeklärter Fall auch nach so langer Zeit nicht bei den Akten bleiben muss, sondern eine Chance auf Aufklärung hat, hat der Fall Johanna Bohnacker gezeigt: Das Mädchen war im Herbst 1999 verschwunden. Sieben Monate später wurde seine skelettierte Leiche gefunden.

Mehr als 18 Jahre nach dem Mord wurde ein Verdächtiger festgenommen und schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Überführt wurde er durch Teile eines Fingerabdrucks und einzelne Fasern, die sich in einem Klebeband an der Leiche und in der Wohnung des Verdächtigen fanden.

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