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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Auftakt im Missbrauchsprozess von Münster

Polizist steht vor abgesperrter Laube

Im Fall des Kindesmissbrauchs von Münster hat der Prozess gegen den Hauptangeklagten und mutmaßlichen Mittäter begonnen. Schwere Vorwürfe werden gegen einen Mann aus Staufenberg erhoben.

Ein 27 Jahre alter Mann aus dem nordrhein-westfälischen Münster muss sich als Hauptangeklagter im schweren Kindesmissbrauchsfall vor dem dortigen Landgericht verantworten. Mit ihm stehen seit Donnerstag drei weitere Angeklagte aus ganz Deutschland vor Gericht, darunter ein 30-Jähriger aus Staufenberg (Gießen).

Eigenen Sohn missbraucht und angeboten

Die Vorwürfe gegen den Hessen wiegen schwer: Er soll seinen fünf Jahre alten Sohn selbst missbraucht und darüber hinaus anderen Männern im Darknet zum Kauf angeboten haben. Der Fall war im Frühsommer bekannt geworden.

Der Fünfjährige aus Staufenberg und der heute elf Jahre alte Ziehsohn des Hauptangeklagten stehen als Opfer im Zentrum des Skandals: Vier Männer sollen beide laut den Ermittlern stundenlang in einer Gartenlaube in Münster "auf das Schlimmste" sexuell missbraucht haben.

Allein die Staatsanwaltschaft Münster hat mehrere Anklagen gegen neun Personen erhoben. Die Ermittlungen bundesweit laufen gegen mindestens 22 weitere identifizierte Beschuldigte.

Gesetze verschärft

Für den ersten Prozesstag am Landgericht Münster ist nach Auskunft eines Gerichtssprechers zunächst die Verlesung der Anklageschrift vorgesehen. Es wird erwartet, dass die Öffentlichkeit zum Schutz der Opfer von diesem Vortrag des Staatsanwalts ausgeschlossen wird. Auch für weitere wesentliche Teile liegen laut Gericht bereits Anträge auf Ausschluss der Öffentlichkeit vor.

Nach dem schweren Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) und einem weiteren Missbrauchskomplex mit mehr als 200 Beschuldigten, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm, handelt es sich um den dritten großen Fall der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Die Entdeckungen der Ermittler in Münster hatten die Debatte um besseren Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt neu angefacht. Die Bundesregierung stimmte Ende Oktober einem Gesetzentwurf zu, der unter anderem schärfere Strafen und eine effektivere Verfolgung von Tätern vorsieht.

Kinder betäubt und missbraucht

In dem nun startenden großen Prozess sitzen gleich fünf Menschen auf der Anklagebank: Mitangeklagt sind der 30-Jährige aus Staufenberg in Hessen, ein 35-Jähriger aus Hannover, ein 42-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg sowie die 45-jährige Mutter des mutmaßlichen Haupttäters.

Gemeinsam mit dem Hauptangeklagten sollen die Männer an drei Tagen im April 2020 in der Laube der 45-Jährigen die zwei Jungen immer wieder mit K.-o.-Tropfen betäubt und ihnen schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Zwei der Männer hatten in dieser Zeit Geburtstag.

Die Mutter des Hauptangeklagten soll von dem Geschehen in ihrer Hütte in der Kleingartensiedlung gewusst haben. Die Angeklagten haben während der Ermittlungen zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Fall hatte auch in Staufenberg für Entsetzen gesorgt.

Riesige Mengen an Videomaterial sichergestellt

Die Anklageschrift umfasst zudem weitere Vorwürfe, etwa gegen den Hauptangeklagten, der sich demnach mindestens 26 Mal an seinem Ziehsohn vergangen haben soll. Diese Erkenntnisse stützt die Staatsanwaltschaft auf die Auswertung eines zuvor hochverschlüsselten Laptops, der bei dem unter anderem wegen Kinderpornografie vorbestraften Hauptangeklagten 2019 sichergestellt worden war.

Als es der Polizei im Mai 2020 gelang, die Festplatten zu knacken, brachte das die Ermittlungen ins Rollen. Sie stießen bei weiteren Durchsuchungen auf riesige Datenmengen, von denen bisher nur ein Teil entschlüsselt und ausgewertet ist. Allein zu dem Geschehen in der Laube liegen 30 Stunden Videomaterial vor.

Zu weiteren angeklagten Gelegenheiten sollen der 27-Jährige aus Münster und der Mann aus Schorfheide gemeinsam Kinder missbraucht haben, die ihnen vertrauten. Bei den kindlichen Opfern handelt es sich um den Sohn des Brandenburgers sowie einen entfernten Verwandten und um den Ziehsohn des Hauptangeklagten.

Das Gericht sieht zunächst insgesamt 29 Verhandlungstermine bis Ende Februar 2021 vor.

Sendung: hr-iNFO, 12.11.2020, 6 Uhr