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Prozess gegen Drogenschmuggler aus dem Rhein-Main-Gebiet

Mit manipulierten Handys und einer angeblich anonymen App kamen ihnen die Ermittler auf die Spur. Jetzt müssen sich fünf Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet vor Gericht verantworten. Sie sollen mit Drogengeschäften Millionen verdient haben.

Rauschgift versteckt in ausgehöhlten Ananas oder Thunfischdosen: Schmuggler auf der ganzen Welt verabredeten solche Verstecke über eine angeblich verschlüsselte App - doch die Ermittler lasen die ganze Zeit mit. Was dem FBI mit seinem Fake-Messenger "Anom" gelang, war wohl einer der größten Erfolge im weltweiten Kampf gegen den organisierten Drogenhandel. Auch Fahnder aus Hessen kamen mithilfe der "Anom"-Chats schon mehreren Drogenbanden auf die Spur.

Gegen eine von ihnen hat am Mittwoch der Prozess vor dem Landgericht Hanau begonnen. Die fünf Angeklagten im Alter von 25 bis 47 Jahren sollen laut der im Gericht verlesenen Anklage 111 Kilogramm Kokain und 199 Kilogramm Amphetamine geschmuggelt und verkauft haben. Rund vier Millionen Euro hätten sie dafür wohl auf dem Schwarzmarkt bekommen, der Straßenverkaufspreis dürfte noch um ein Vielfaches höher liegen.

2021 schlugen Fahnder weltweit zu

Drahtzieher sollen ein 31-Jähriger aus Hanau und ein 47-Jähriger aus Frankfurt sein. Laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bauten sie eine professionelle Infrastruktur sowie ein Netzwerk aus Bunkerhaltern, Kurierfahrern und Auslandskontakten auf.

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Was ist "Anom"?

Die App Anom (eigentlich "AN0M") war ein Chat-Client, ähnlich wie WhatsApp, aber ein Trick der US-Behörde FBI. Mehr als 12.000 angeblich verschlüsselte Handys wurden in die Kriminellen-Szene eingeschleust und konnten so abgehört werden. Es zählt zu einer der größten Polizeiaktionen überhaupt - angeblich seien Agenten beim gemeinsamen Biertrinken auf die Idee gekommen. Die Kolleginnen und Kollegen vom MDR erklären die Details in diesem Podcast.

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Die Männer waren im Rahmen der weltweiten Razzia "Trojan Shield" im Juni 2021 festgenommen worden. Fahnder hatten in Hanau sowie an anderen Orten im Main-Kinzig-Kreis rund 16 Kilo Kokain, 1,4 Kilo Amphetamine, Bargeld sowie Luxusgüter im Wert von rund 97.000 Euro sichergestellt. Außerdem ließ die Generalstaatsanwaltschaft sieben Kurierfahrzeuge mit professionell eingebauten hydraulischen Verstecken beschlagnahmen.

19 Verhaftungen im Main-Kinzig-Kreis

Der Prozess gegen die fünfköpfige Bande ist bereits das dritte Verfahren aus dem "Anom"-Chat-Komplex, das vor dem Hanauer Landgericht verhandelt wird. Im Februar wurde ein 38-jähriger Hanauer zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, weil er mit Kokain gehandelt und eine Marihuana-Plantage in seinem Wohnzimmer betrieben hatte. Im Juni erhielten zwei weitere Drogendealer Haftstrafen von jeweils siebeneinhalb Jahren wegen Kokain- und Marihuanahandels. Von den insgesamt 800 Festnahmen bei der weltweiten Razzia wurden nach Angaben des Landeskriminalamts 19 Männer im Main-Kinzig-Kreis verhaftet.

Ob sich die Beschuldigten im jetzigen Verfahren zu den Vorwürfen einlassen werden, ist nach Angaben einer Gerichtssprecherin offen. Für den Prozess hat das Landgericht Hanau zunächst 18 Hauptverhandlungstage bis Mitte November anberaumt.