Hotel Kronenschlösschen

Da waren Kenner am Werk: Diebe haben aus dem erlesenen Weinkeller des Gourmet-Hotels Kronenschlösschen in Eltville gezielt edle Tropfen gestohlen. Bei der Höhe des Wein-Schadens kann einem schwummrig werden.

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Kunsträuber? Schon oft davon gehört. Weinräuber? Davon liest man eher selten. Doch wohl genau solche haben jüngst im Rheingau zugeschlagen. "Ich gehe von einer Art Wein-Mafia aus, die weltweit agiert", sagt Hotelbesitzerin Johanna Bächstädt hessenschau.de. Nach dem Raub habe sie Anrufe von Kollegen erhalten, denen ähnliche Diebstähle mit ähnlicher Vorgehensweise widerfahren seien.

30 Jahre Sammlertätigkeit

Gemeinsam mit ihrem Vater leitet Bächstädt das familiengeführte Gourmet-Hotel Kronenschlösschen im Eltviller Ortsteil Hattenheim im Rheingau. Das Herzstück des Hauses: der Weinkeller, gespickt mit Raritäten.

"Mein Vater hat den Weinkeller über 30 Jahre lang aufgebaut", erzählt Bächstädt. Die Weinkarte des Kronenschlösschens, vom renommierten Restaurantführer Gault Millau zur "Besten Weinkarte Deutschlands" ernannt, ist Liebhabern weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

"Täter hatten genaue Bestellliste"

Und auf genau diese Weinsammlung hatten es unbekannte Täter in der vergangenen Woche abgesehen. So ließen sie sich laut Polizei auch nicht von mehreren massiven Türen aufhalten, um in den Weinkeller zu gelangen. Und sie wählten ihre Beute gezielt aus, die besten Jahrgänge der besten Weingüter. "Die Täter hatten eine genaue Bestellliste", ist Bächstädt überzeugt.

So raubten die Profis den kompletten Hausbestand vom Weingut Domaine Romanée-Conti, mit einem Flaschenpreis von bis zu 18.500 Euro, dafür ließen sie andere edle Tropfen zurück, berichtet Bächstädt. Insgesamt nahmen die Diebe rund 500 Flaschen Wein und Champagner mit. Den Wert beziffert die Hotel-Chefin auf eine Summe zwischen 350.000 und 450.000 Euro.

Raritäten nicht mehr nachkaufbar

In Pandemiezeiten, in der auch das Kronenschlösschen von der Corona-Schließung betroffen ist, wiege der Diebstahl besonders schwer, so Bächstädt. "In diesen Zeiten ist unser Weinkeller unser letztes Kapital." Dem fehlt nun ein bedeutendes Stück. Ein wirkliches Problem, denn: "Viele dieser Weine kann man gar nicht mehr nachkaufen."

Doch wo werden die Diebe solche Raritäten los? Vergleichbar zum Schwarzmarkt für Kunst gebe es auch einen für Weine, sagt Bächstädt. Die Liste der gestohlenen Weine hat die Hotelbesitzerin jedenfalls nicht nur an Polizei und Versicherung geschickt, sondern auch an Weinhändler, damit diese bei verdächtigen Angeboten reagieren können.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.01.2021, 19.30 Uhr