Menschenmenge im Frankfurter Hafenpark

Großeinsatz für die Frankfurter Polizei: Mehrere hundert Menschen haben zusammen im Hafenpark gefeiert - viele ohne Maske und Abstand. Die Stadt will nun über Konsequenzen informieren.

Videobeitrag

Video

zum Video Krisentreffen nach Freiluftparty

hessenschau von 16:45 Uhr
Ende des Videobeitrags
Weitere Informationen

Update am 9.3.2021: Stadt appelliert an Jugendliche

Nach der Freiluftparty im Frankfurter Hafenpark, hat die Stadt am Dienstag an alle Bürger, vor allem aber an junge Menschen appelliert, sich auch weiterhin an die Hygiene-Regeln und Kontaktbeschränkungen zu halten. Nach einer "Corona-Hotspot-Konferenz" mit Politikern, Verbänden und Polizei sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), man wolle vor allem auf Prävention setzen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Im Hafenpark im Frankfurter Stadtteil Ostend haben am Samstagabend rund 500 überwiegend Jugendliche eine illegale Party gefeiert. Viele von ihnen trugen keine Masken, Abstandsregeln wurden kaum eingehalten.

Wie hr-Reporter vor Ort beobachteten, hielt sich die Polizei zuerst zurück. Gegen Mitternacht waren die Beamten dann mit mehr als 20 Fahrzeugen vor Ort und trieben die Menschen auseinander. Auslöser sei eine Meldung über eine Auseinandersetzung mit einem Verletzten gewesen, sagte Polizeisprecherin Chantal Emch dem hr am Sonntag. "Da war der Spaß natürlich vorbei. Dann mussten wir eingreifen und das auflösen."

Menschenmenge am Mainufer

Kritik aus den eigenen Reihen der Polizei

Zunächst hatten die Beamten trotz der offenkundigen Verstöße gegen Corona-Beschränkungen die Lage beobachtet. Das sorgte auch innerhalb der Polizei für Kritik. Ein Beamter, der den Einsatz miterlebt hat und anonym bleiben möchte, sagte dem hr, die Behörden hätten in Bezug auf die Durchsetzung der Corona-Regeln teilweise resigniert.

Schon gegen 20 Uhr sei die Party in vollem Gange gewesen, was man auch "nach oben" kommuniziert habe, sagte der Polizist. Trotzdem habe es zunächst keine Anweisung gegeben einzugreifen. Der Beamte vermutet dahinter ein Bestreben, "ein negatives Bild von einschreitenden Polizisten zu vermeiden, die die armen feiernden Jugendlichen bei ihren Freizeitaktivitäten stören".

"Man muss immer die Verhältnismäßigkeit mit einbeziehen", sagte Polizeisprecherin Emch zu dem Vorwurf, die Polizei habe zu lange abgewartet. Zumal es den ganzen Samstag über immer wieder größere Menschenmengen rund um den Hafenpark gegeben habe. Diese hätten sich aber zügig und friedlich auflösen lassen. Später habe sich die Lage dann geändert.

Mehrere Festnahmen, vier Anzeigen

In der Menge trafen Beamte einen leicht verletzten Mann an. Der 28-Jährige sei in ein Krankenhaus gebracht worden - und mittlerweile auch wieder entlassen, hieß es am Sonntag. Man habe dann bis 2 Uhr nachts den Park komplett geräumt, um weitere Vorfälle zu verhindern.

Nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Es habe insgesamt vier Anzeigen gegeben: zwei wegen des Verdachts gefährlicher Körperverletzungen und zwei wegen des Verdachts der Beleidigung von Polizeibeamten.

Videobeitrag

Video

zum Video Illegale Corona-Party in Frankfurt

hessenschau
Ende des Videobeitrags

"Abends ist es wie beim Superbowl"

Mehrere Feiernde aus der Menge sagten dem hr, dass der Hafenpark am Mainufer in der Nähe der Europäischen Zentralbank (EZB) aktuell ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche sei. "Nach der Arbeit oder der Schule rasten wir hier aus. Hier ist der Haupttreffpunkt."

"Freitag beginnt der Spaß hier und geht bis Sonntag", sagte ein anderer junger Mann dem hr. "Samstag ist der Tag, wo es am meisten abgeht. Abends ist es wie beim Superbowl." Polizeikontrollen gebe es selten. "Ab und zu laufen die hier durch und sagen, dass wir nach Hause gehen sollen."

Krisentreffen am Dienstag

Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) zeigte sich angesichts des zunehmend frühlingshaften Wetters verständnisvoll, dass viele Menschen nach draußen wollten. Frank sagte dem hr: "Es ist nichts dagegen zu sagen, dass die Leute draußen sind. Aber das große Problem ist, dass sie zu nah beieinander stehen und keine Masken tragen." Die Ausbreitung des Virus zu stoppen, sei nur mit gemeinsamen Anstrengungen möglich.

Am Dienstag will sich Frank mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sowie Vertretern von Gesundheitsamt, Ordnungsamt und Polizei treffen. In der sogenannten "Corona-Hotspot-Konferenz" soll es darum gehen, bei den Menschen in Frankfurt wieder mehr Akzeptanz für die Corona-Regeln zu schaffen. "Wir brauchen eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen", sagte Frank dem hr. Gleichzeitig würde über Maßnahmen gesprochen, wie man derartige Zusammenkünfte künftig unterbinden kann. Darüber will die Stadt am Dienstag in einer Pressekonferenz informieren.

Vorfälle wie im vergangenen Sommer am Frankfurter Opernplatz sollen demnach unbedingt verhindert werden. Im Corona-Sommer hatten sich dort tausende junge Menschen zum Feiern versammelt, im Juli war es auf dem Opernplatz zu Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei gekommen. Sieben mutmaßliche Täter wurden unter anderem wegen Landfriedensbruch angeklagt. Folge war ein Betretungsverbot für den Opernplatz in den Nächten des Corona-Sommers 2020.

Kontaktbeschränkungen in Hessen

Wegen der Pandemie gelten derzeit strenge Kontaktbeschränkungen: Menschen, die zusammen in einem Haushalt leben, durften sich bislang mit einer weiteren Person treffen. Ab Montag werden diese Beschränkungen etwas gelockert: Dann dürfen sich wieder insgesamt fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen. Private Treffen und Feiern mit mehr Menschen sind verboten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Weitere mögliche Öffnungsschritte im Zwei-Wochen-Rhythmus richten sich danach, ob die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz von Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern unter einem Wert von 100 bleibt oder sogar die 50 unterschreitet. Am Sonntag (Stand 0 Uhr) lag die Inzidenz hessenweit bei 66,1, in Frankfurt bei 60,3.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 09.03.2021, 16.45 Uhr